♥ Djuma Mubārakah ♥

 

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

„Islam- und/oder Muslimkritik: Konstruktiv oder destruktiv?“

Seit dem 9. Juni knapp 4 Uhr morgens befinde ich mich in einer Diskussion auf der Seite eines derzeit sehr bekannten Islamkritikers, in der ich primär, mit vereinzelten Ausnahmen, die einzige muslimische Diskussionsteilnehmerin inmitten von nichtmuslimischen, allerdings selbsternannten Islamkennern und –kritikern bin. Eigentlich tue ich mir derartige Diskussionen nicht an, und ich bin mir bis jetzt nicht im Klaren, wie ich es so lange aushalten, die Ruhe und einen kühlen Kopf haben, und sachlich bleiben konnte. Wenn Menschen den Islam bzw. die Muslime so sehr hassen, verabscheuen, dann kritisieren sie nicht nur, sie werden auch unverschämt, unsachlich und beleidigend, obwohl man sich um eine sachliche und kritikwürdige Diskussion bemühen sollte.

Das Hauptproblem an der ganzen Geschichte ist, dass Islamkritik durchaus geübt werden darf – ich habe erst einmal nichts dagegen (sofern es konstruktiv ist) – aber wenn man als Muslim(in) Rede und Antwort für alles stehen muss, obwohl man selbst gar nicht beteiligt ist, und unsereins aber danach noch immer gar nicht ernst genommen und unsere Religion in den Schmutz gezogen wird, trotz der Erklärungsbemühungen unsererseits, dann habe ich ein Problem mit der Islamkritik und ihrer Nutzung. Es scheint vergebene Liebesmüh zu sein den Versuch der Aufklärung bei den Menschen zu machen, deren Meinungen sich schon so in ihren Köpfen verfestigt haben, dass man kaum eine Chance hat Dinge zu relativieren, damit nicht alle Musliminnen und Muslime in einen Topf geworfen werden.

Islamkritik ist noch ein vergleichsweise ‚harmloses’ Wort, wenn man bedenkt, dass damit meist viel mehr Islamhass gemeint und dann auch Hetze gegen den islamischen Glauben und seine AnhängerInnen ausgeübt wird. Islamkritik ist zur Mode geworden. Islamkritik bedeutet, man kann damit Geld machen. Ohne Witz: Es sichert so manchen Islamkritikers Gehalt. Traurig und ein Armutszeugnis, aber leider doch wahr.

Ich habe erst einmal nichts gegen eine kritische Auseinandersetzung mit den Religionen, ganz gleich welche es ist. Man sollte auch nicht blauäugig durch die Welt laufen und meinen, alles sei in Ordnung und alle Religionen seien friedlich. Wobei? Natürlich sind die Religionen friedlich bzw. fordern zur Friedensstiftung auf, nur manche AnhängerInnen der Religionen haben den Sinn ihren Glaubens nicht verstanden und kennen nicht einmal ihre religiösen Quellen. Da fordert z.B. die Islamkritik Muslime auf, dass sie sich mit ihren Quellen beschäftigen, denn weil viele es nicht tun, sind sie ein leichtes Ziel, wenn man wieder angeblich etwas „im Namen Allahs“ geschehen ist.

Islamkritik

 

 

Wie kann man eigentlich Islamkritik beschreiben?

Kritik am Islam auf politischer, ethischer, philosophischer, wissenschaftlicher oder theologischer Grundlage gibt es seit der Gründungszeit des Islam. Sie stellt eine Religionskritik dar und wird an Grundlagen, an kulturellen Traditionen und an sozialen Normen des Islam geübt. Mit Islamophobie, der feindseligen, irrationalen Ablehnung des Islam, ist Islamkritik nicht gleichzusetzen. Islamkritik gibt es seit den ersten Entwicklungsstufen des Islam.

Mich beschleicht das Gefühl, dass die Islamkritik ein Problem der Islamophobie mit sich bringt. Viele, die meinen ‚nur’ Kritik am Islam auszuüben, sind in ihren Aussagen und Meinungen sehr islamophob. Islamophobie bedeutet die feindselige Ablehnung vom Islam bzw. von Muslimen.

IslamophobieIst Islamkritik ohne Islamophobie überhaupt möglich?

Die Islamkritik als einzelnes Phänomen kam erst nach der Veröffentlichung von Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ so wirklich zum Vorschein. Und das wohl auch nur, weil bei einer Lesung die Sozialwissenschaftlerin und Islamkritikerin Necla Kelek anwesend war. Ob das nun die Weichen für die danach sich vergrößernde Islamkritik und Interesse der breiten Öffentlichkeit gestellt hat, ist Ansichtssache, aber Tatsache ist, das es vielleicht doch einen kleinen Einfluss hatte.

 

Das Ansehen des Islams und der Muslime ist auf einem Tiefpunkt. Schon seit langem. Und es kommt nicht von ungefähr, dass jedes Fehlverhalten seitens uns Muslimen ein gefundenes Fressen für die Islamkritiker geworden ist und wahrscheinlich noch lange sein wird.

„Islamkritik“ ist eine Art Beruf geworden. Man kann damit tatsächlich seinen Lebensunterhalt absichern. Das Problem an diesem „Beruf“ oder vielmehr für manche sogar eine „Berufung“ ist, dass es einen zwar unter Gleichgesinnten beliebt und in der Öffentlichkeit bekannt macht, allerdings die meisten Islamkritiker sich erstens ihrer Tragweite gar nicht bewusst sind, und zweitens nur selten ganzheitlich, sondern meistens selektiv kritisieren.

Was hierzulande weithin als „Islamkritik“ läuft, hat sich von der notwendigen intellektuellen, historischen, theologischen, politischen Auseinandersetzung mit einer Weltreligion immer weiter entfernt – und ist zur Stimmungsmache gegen Muslime verkommen. Islamkritikerinnen und Islamkritiker sind ja nicht nur Nichtmuslime, sondern auch (primär) gebürtige Muslime. Es ist eine Hetze, die untereinander Stimmung macht, aber ob die einzelne Person das wirklich mit ihrem Gewissen ausmachen kann, steht auf einem anderen Blatt. Oftmals wird nur plakativ kritisiert, aber sich wirklich mit dem Islam bzw. mit den Muslimen wird sich nur selten auseinandergesetzt bzw. beschäftigt. Lieber übt man die Kritik nur über ihre Köpfe hinaus aus. So ist es zumindest meistens der Fall, was sich in den Medien widerspiegelt, sei es in Talkshows eingeladene so genannte Islamkritiker oder die Vermarktung von Büchern, die dem Ansehen der Muslime nur schaden möchte.

Wolfgang-Benz-dpa

 

Im Jahre 2011 erregte Wolfgang Benz großes Aufsehen mit seiner These von den Parallelen zwischen Islamkritik und Antisemitismus:

„Die unterschwellig bis grobschlächtig praktizierte Diffamierung der Muslime als Gruppe durch so genannte ‘Islamkritiker’ hat historische Parallelen. (…) Der Berliner Antisemitismusstreit war vor allem eine Identitätsdebatte, eine Auseinandersetzung darüber, was es nach der Emanzipation der Juden bedeuten sollte, Deutscher zu sein und deutscher Jude zu sein. Derzeit findet wieder eine solche Debatte statt. Es geht aber nicht mehr um die Emanzipation von Juden, sondern um die Integration von Muslimen.“

Weitere Worte Benz: „Islamfeindschaft, die sich selbst Islamkritik nennt und von manchen als Islamophobie bezeichnet wird, ist immer dann im Spiel, wenn keine Argumente mehr stattfinden, sondern nur noch gehasst wird“.

Wie recht er doch leider hat. Und genau das bekommt man als Musliminnen und Muslime deutlich zu spüren.

Welches Bild vom Islam bzw. von uns Muslimen die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland hat, haben wir den Medien zu verdanken, welche zu einem überwiegenden Anteil einseitig berichtet. Was bedeutet das für uns hier lebenden Muslime? Wir lesen die Schlagzeilen, die ‚Geschichten’ über den Islam und uns und müssen uns traurigerweise sagen: So sieht man uns, unsere Kultur, unsere Religion, Herkunft und Prägung. Dass es mittlerweile neue innerdeutsch-islamische Entwicklungen gibt, wird schlichtweg (oft) ignoriert. Die mediale Debatte über den Islam und die Muslime ist ein leidenschaftlicher Diskurs geworden, sehr zum Leidwesen von uns Muslimen, da noch immer nicht viele von uns den Mund aufmachen, um dagegen anzugehen bzw. aufzuklären und zu relativieren. Es ist logisch, dass wenn einem soviel Feindseligkeit entgegengebracht wird, dass man sich zurückzieht. Aber genau das ist es, was Islamkritiker wollen. Sie wollen nur ÜBER uns berichten, anstatt mit uns zu sprechen, denn sie haben Angst, dass wir deren „vorsichtig zusammengebautes Kartenhaus“ einfach umstupsen. Wir dürfen uns aber nicht gefallen lassen, dass wir uns auf Zwangsehen, Steinigungen, Gewalt legitimierende Qur’anverse, strikte Scharianormen, Ehrenmorde, den Qur’an als Satanswerk oder den Propheten (saw) als Pädophilen, Ehrenmorde, Macho-Getue und mehr einfach reduzieren lassen. Wie man weiß bzw. wie wir Muslime wissen, beinhaltet der Islam etwas, was für Außenstehende selten zu begreifen bzw. wirklich zu fühlen ist.

Immanuel Kant sagte einmal: „Habe Mut, dich deines eigenes Verstandes zu bedienen.“

Koran 1An vielen Stellen ermahnt der Qur’an uns, unseren Verstand zu gebrauchen. Das ist als eine klare Verpflichtung zu verstehen und steht als solche über allem, was nach danach kommt. Der Qur’an fordert uns auf zu eigenen Erkenntnissen zu kommen, denn sollen wir doch nachdenken bevor wir etwas sagen oder bevor wir gedenken zu handeln:

Die Zeichen der Schöpfung sind erkennbar für „Leute, die Verstand haben“, „Leute, die begreifen“, „Leute, die wissen.“

Wenn der Mensch mit wachen Sinnen und Verstand die Vorgänge in der Natur betrachtet, erkennt er auch in den kleinsten Lebewesen Gottes perfekte Schöpfung:

„Aus den Leibern (der Bienen) kommt ein Trank, mannigfach an Farbe. Darin liegt ein Heilmittel für die Menschen. Wahrlich, hierin ist ein Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (Qur’an 16:69)

„…– Sag: Sind etwa diejenigen, die wissen, und diejenigen, die nicht wissen, gleich? Doch bedenken nur diejenigen, die Verstand besitzen.“ (Qur’an 39:9)

Die derzeitige Islamkritik ist vielmehr eine islamophobe Muslimenkritik. Sie ist selten konstruktiv, jedoch meistens destruktiv. Die Menschen, die sich Islamkritiker nennen und sich damit profilieren, spalten nicht nur die Massen, sondern forcieren auch Keile innerislamisch wie auch mehrheitsgesellschaftlich. Ich würde sagen, wenn die Kritik konstruktiv wäre, würde ich mir nicht so viel Gedanken machen, jedoch ist die Realität, dass dieses destruktive Verhalten existent ist, aber auch nur vermindert werden kann, indem wir Muslime unsere Stimmen erheben und hören lassen, was wir davon halten und zeigen, wer wir wirklich sind, was unser Glaube für uns bedeutet und dass wir mit unseren Quellen auch umgehen können. Das bedeutet unsererseits, dass wir unsere Nase vermehrt in den Qur’an stecken und uns mit theologischen, gesellschaftlichen und relevanten Themen beschäftigen müssen.

Man darf sich nicht von so genannten Islamkennern, Islamhassern, Islamophoben oder meinetwegen den in die Mode gekommenen Islamkritikern ins Bockshorn jagen lassen.

Rose

 

Macht den Mund auf, wehrt Euch (im guten, lieben, freundlichen und sachlichen Ton) und zeigt, wer Ihr wirklich seid, welch Schönheit der Islam bedeutet und dass er dafür da ist, bessere Menschen aus uns zu machen.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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