Film heute Abend – „Die Freischwimmerin“

Hallo und Assalamu Alaykum,

Die Freischwimmerinheute Abend in der ARD um 20:15 Uhr:

„Martha Müller ist nach einem gewalttätigen Zwischenfall vom Lehrerberuf desillusioniert und beschließt, sich nicht mehr so stark als Lehrerin zu engagieren. An ihrer neuen Schule in Wien wird sie jedoch gleich mit Problemfall Ilayda konfrontiert. Die 17-jährige türkische Schülerin lebt mit ihrer sehr gut integrierten Familie in Wien. Sie selbst aber hat sich nach dem Tod ihres Vaters entschlossen, Kopftuch zu tragen. Dadurch grenzt sie sich jedoch immer mehr aus ihrer Klasse aus.

Ilayda ist eine leidenschaftliche Schwimmerin und geht dieser Passion heimlich nachts im Schulschwimmbad nach. Martha, die auch Sportunterricht gibt, bekommt das mit und versucht, Ilayda über die Schulschwimm-Mannschaft, die an einem Wettbewerb teilnehmen soll, wieder in die Klassengemeinschaft zurückzuholen. Dabei kommt Martha immer mehr von ihrem Vorsatz ab, sich nur noch im Unterricht für ihre Schüler einzusetzen, um nicht wieder eine Enttäuschung erleben zu müssen. Als Ilayda sich auch noch weigert, Kopftuch und Burkini für den Schwimmwettbewerb abzulegen und im normalen Badeanzug zu schwimmen, scheinen sich Marthas Befürchtungen zu bestätigen.“

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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3 Gedanken zu “Film heute Abend – „Die Freischwimmerin“

  1. Volker Ahmad Qasir schreibt:

    Assalamo Alaikum liebe Schwester,
    wie nicht anders zu erwarten war der Film ein Pseudo-Integrations-Rotz der nicht lange Seinesgleichen sucht, sondern sich leider nahtlos in die von Kai Hafez nachgewiesene Einseitigkeit von ARD und ZDF (noch immer!) eingliedert.

    Das arme muslimische und deshalb rückständige Mädchen wird von der bösen Mehrheitsgesellschaft (in diesem Fall Österreich) ausgegrenzt, weil sie Kopftuch trägt. Na logisch: Kopftuch = integrationsunwillig [Stereotyp #1].

    Das arme hilflose Mädchen erhält aber Unterstützung von der jungen, dynamischen und emanzipierten Lehrerin, die an das Mädchen glaubt – die Lehrerin scheint dabei stellvertretend für die verständnisvolle Gesellschaft zu stehen [Stereotyp #2].

    Im Laufe des Films stellt man fest, dass das Mädchen nur deshalb Kopftuch trägt, um es dem verstorbenen Vater „recht“ zu machen, der ihr in einer letzten Botschaft sagte, sie solle ihre Wurzeln nicht vergessen. Und so befindet sich das arme muslimische Mädchen im Konflikt zwischen Integration (und damit eigenem Glück) und zu erfüllendem Erwartungsdruck durch den Vater [Stereotyp #3].

    Das Mädchen möchte sich natürlich integrieren, was dem aufmerksamen Zuschauer auch dadurch deutlich gemacht wird, dass sie sich auf einer Party abfüllen lässt und halbnackt im Swimmingpool feiert… also sich integriert hat… tolle Integration [Stereotyp #4]. Diese Szene erinnert übrigens sehr stark an die Mechanismen der Zwangsentschleierungen während der Kolonialzeit in Nordafrika durch die weißen Kolonialherren, denen Franz Fanon Vergewaltigungsphantasien zuschrieb, die sie durch eben die Zwangsentschleierung erfüllen konnten, da das Kopftuch als „sexuelle Barriere“ beseitigt wurde.

    Weiter geht die Handlung des Films, als das muslimische Mädchen am nächsten Tag Ärger von seinem Bruder bekommt, der das ganze auf Youtube gesehen hat und darüber beschämt ist. Man wäre fast geneigt zu sagen, dass hier Stereotyp #5 zum Einsatz kommt, wäre es nicht so, dass der Bruder doch recht liberal daher kommt, wenngleich er in die Lehrerin seiner Schwester verliebt ist, was eine Art Macho-Image zumindest andeutet. Dennoch: kein Stereotyp im klassischen Sinne, Respekt! Dafür folgt aber der letzte Stereotyp auf den Fuß.

    Das Mädchen ist eine super Schwimmerin. Hierdurch hofft die Lehrerin das ausgegrenzte Mädchen in die Klassengemeinschaft integrieren zu können, nämlich indem das Mädchen den Schwimmwettbewerb gewinnt, bzw. dem Schulteam zum Erfolg verhilft. Das wäre ja auch alles kein Problem, würde das muslimische Mädchen nicht unbedingt darauf bestehen, einen Burkini zu tragen (oder sowas in der Art). Deshalb darf sie dann auch nicht am Wettbewerb teilnehmen und die Lehrerin stellt sie noch einmal (im Sinne von: Die Moral von der Gesicht‘) vor die Wahl: Entweder sie „passt sich an die Mehrheitsgesellschaft an“ und schwimmt im normalen Badeanzug und macht damit alle stolz oder aber sie besteht auf ihre „islamischen / türkischen / traditionellen / rückständigen…“ Werte und enttäuscht nicht nur sich und ihren Bruder, sondern auch das restliche Schwimm-Schulteam und natürlich die ganze Gesellschaft und die Welt insgesamt. Und als man glaubt: Na klar, die starrköpfige Muslimin wird sich doch nie integrieren, taucht das muslimische Mädchen in einem Badeanzug auf und gewinnt natürlich alles und alle sind glücklich, inklusive der Lehrerin, die immer an das Mädchen geglaubt hatte… natürlich nicht an deren Werte, aber an deren Integrationsfähigkeit. Alhamdulillah, die Muslime können sich ja doch integrieren [Stereotyp #6 und #7].

    Ich muss dem Ende zu gute halten, dass die „Ent-burkinisierung“ nicht so schlimm ausfiel, wie ich erwartet hatte (also so ähnlich, wie die peinliche Zwangsentschleierung vorher). Ehrlich gesagt sah der Badeanzug, den das muslimische Mädchen dann am Ende anhatte genauso aus, wie der Burkini – für mich jedenfalls.

    Zweitens hatte die Klassengemeinschaft dann am Ende Verständnis für das Kopftuch des Mädchens und genau darum geht es bei Integration – nicht um Gleichheit, sondern um Verständnis für unterschiedliche Werte, die aber eine Gesellschaft gegenseitig bereichern kann. Äußerlichkeiten sind hier fehl am Platz.

    Dennoch bleibt das Fazit bescheiden. Der Film ist überaus empfehlenswert zur Analyse von Stereotypen in der Repräsentation des muslimischen „Anderen“ im Rahmen von Cultural Studies oder Postcolonial Studies in der Politikwissenschaft. Als sinnvollen Beitrag zur Integrationsdebatte würde ich ein solches Machwerk allerdings nicht zählen. Dies vor Allem deshalb, weil hier neben zahlreichen einseitien Darstellungen und Stereotypen der so häufige Fehler begangen wird und gelebte Praxis von Menschen mit türkischem, traditionellem, Migrationshintergrund als repräsentativ für „Den Islam“ zusammengewürfelt wird.

    Schade eigentlich, die Idee fand ich auch nicht schlecht. Wie so oft haperte es gewaltig an der Umsetzung. Lustig fand ich auch die anschließenden Tagesthemen, in denen auf eine Studie zum Rechtsextremismus aufmerksam gemacht wurde, in der man feststellte, dass sich dieser verringert, gleichzeitig aber auf bestimmte Gruppen konzentriert habe. Diese Gruppen seien vor Allem Asylbewerber und Muslime…tja, wie das wohl kommt!?

    In diesem Sinne: Herr, lass Hirn regnen!
    Allah Hafiz,
    Volker

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