♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

“Mein Verständnis von Sure 113 (Al-Falaq) – Die Morgendämmerung.”

Harmonie

 

Die Sure auf Arabisch:

 

بِسۡمِ ٱللهِ ٱلرَّحۡمَـٰنِ ٱلرَّحِيمِ

قُلۡ أَعُوذُ بِرَبِّ ٱلۡفَلَقِ (١)

مِن شَرِّ مَا خَلَقَ (٢)

وَمِن شَرِّ غَاسِقٍ إِذَا وَقَبَ (٣)

وَمِن شَرِّ ٱلنَّفَّـٰثَـٰتِ فِى ٱلۡعُقَدِ (٤)

وَمِن شَرِّ حَاسِدٍ إِذَا حَسَدَ (٥)

 

In Umlautschrift (z.B. zum Erlernen, wenn man der arabischen Schrift nicht mächtig ist):

Bismillahi ar-Rahmani ar-raheem

1. Qul ‚A`ūdhu Birabbi Al-Falaq
2. Min Sharri Mā Khalaq
3. Wa Min Sharri Ghāsiqin ‚Idhā Waqaba
4. Wa Min Sharri An-Naffāthāti Fī Al-`Uqad
5. Wa Min Sharri Ĥāsidin ‚Idhā Ĥasada

 

Die Sure in ungefährer deutscher Übersetzung:

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

(1) Sag: „Ich suche Zuflucht bei dem Erhalter der aufgehenden Morgendämmerung,
(2) vor dem Übel von etwas, das Er erschaffen hat,
(3) und vor dem Übel der schwarzen Finsternis, wann immer sie herabkommt,
(4) und vor dem Übel aller Menschen, die auf okkulte Bestrebungen aus sind,
(5) und vor dem Übel des Neiders, wenn er neidet.
(6) – vor aller (Versuchung zum Übel durch) unsichtbaren Kräfte wie auch Menschen.

 

DuaZeit der Offenbarung:

Wie auch die letzte Sure (114) angehend, ist man sich unter den Qur’an-Kommentatoren uneinig, was die Zeit der Offenbarung betrifft. Die meisten ordnen diese Sure der früh-mekkanischen Zeit zu, während einige diese Frage der Ungewissheit und des Mangels an Beweisen wegen offen lassen.

 

Morgendämmerung

 

Die Sure al-Falaq…

  • lehrt den Ausweg gegen Aberglauben und Ängste, indem man Zuflucht bei Gott sucht und diese bei Ihm findet.
  • enthält einen Schutz vor jeder Art des Bösen, aus der äußeren Natur, aber auch der Natur des Menschen.
  • zu rezitieren gibt einem die Möglichkeit sich vor Verschwörern und Neidern zu schützen.

 

Morgendämmerung

Die Sure al-Falaq…

 

  • ist eine Schutzsure.
  • zeigt, dass die Zuflucht bei Gott auch gewissermaßen die Erkenntnis enthält, dass Gott die Quelle der Wahrheit und gleichbedeutend mit dem Streben nach ihr ist.
  • besticht durch eine genaue Wortwahl, die sich allerdings auch schon Interpretation zulässt. Finsternis in diesem Falle kann somit gleichbedeutend mit Verzweiflung, Unwissenheit oder auch einem nahe stehenden Tod sein (Asad).
  • soll vor so genannten Magiern, Gaucklern, Hexen/ Hexern, Zauberern, KaffeesatzleserInnen u.ä. schützen, denn diese geben nur bestimmte Dinge vor und meinen eventuelle Wünsche zu kennen oder gar womöglich als zukünftige Realität betrachten, jedoch sollte man diesen keinen Glauben schenken, denn nichts ist wirklicher als die Realität.
  • soll vor den Konsequenzen eines Neiders/ einer Neiderin, wenn er bzw. sie einen anderen (be)neidet, schützen. Allerdings soll diese Sure auch davor schützen, dass man selbst zu einem Neider/ einer Neiderin wird. Den Neid kann man in drei Kategorien einteilen: (1) in den Wunsch nach Aufhören einer Wohltat oder Gunst, die einem anderen widerfährt; (2) in den Wunsch, dass einem anderen gar nicht erst etwas Gutes widerfährt; und (3) in den Wunsch, dass einem selbst dasselbe Wohlergehen trifft, ohne dabei dem anderen zu wünschen, dass die Wohltat oder Gunst, die ihm zuteil wurde, wieder verschwindet.

Es gibt ein Hadith von Muslim, auf den die Sure al-Falaq (wie auch die letzte Sure des Qur’ans) zurückzuführen ist:

“Sind dir nicht die Verse bekannt, die diese Nacht offenbart wurden? Dergleichen hat man noch nicht gehört. Sprich: “Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn des Frühlichts.“ und sprich “Ich nehme meine Zuflucht beim Herrn der Menschen.”

Dieser Hadith zeigt die wahrscheinlich ungeheure Stärke wie auch tröstliche und befreiende Wirkung diese (und auch andere) Schutzsure hat bzw. haben kann.

 

Tür zum Gebet

Was die Sure al-Falaq für mich bedeutet:

Ich finde, dass man diese Sure als Teil des Morgengebets (Fadjr) gut einbauen kann, denn in der „Morgendämmerung“ das morgentliche Gebet mit diesen Worten zu verrichten, gibt einem das Gefühl der Ummantelung Gottes um einen selbst. Es ist, wie obig schon geschrieben, eine Schutzsure. Wenn man daran glaubt und aus ihr Kraft, Energie und Durchhaltevermögen für den Tag schöpft, dann hat diese Sure ihr Ziel erreicht. Das Besondere im Morgengrauen diese Sure zu rezitieren ist, dass sie mir Halt bietet und oft einen Schutzwall errichtet. Der mag zwar vielleicht nicht den ganzen Tag halten, was auch an meiner menschlichen Einstellung liegt, aber er hat mir schon manches Mal geholfen mich von Dingen oder Menschen fernzuhalten, die mir nicht gut tun (könnten). Man kann diese Sure aber zu jedem Gebet rezitieren, denn das erfrischt den Schutzwall und hilft einem selbst sich in bestimmten Situationen noch einmal klar zu werden, ob sie einem gut tun oder nicht.

Am Allermeisten geben mir die Verse 113:3 und 113:5 zu denken:

113:3 enthält „die Finsternis“ vor der wir bei Gott Seinen Schutz erbitten. In Momenten der Verzweiflung oder einem Tod, sei es womöglich sogar der eigene – nicht unbedingt im physischen, sondern eher im seelischen Sinne – ist es für mich hilfreich nicht zu verzagen, sondern Gott zu fragen, was meine Ängste in diesen Augenblicken bedeuten könnten. Das kann ich durch die Rezitation der Sure al-Falaq, aber natürlich auch durch Bittgebete und Zwiegespräche mit Gott.

113:5 enthält den Schutz vor Neidern und den Schutz selbst ein Neider/ eine Neiderin zu werden. In der heutigen Zeit ist es sehr schwierig für uns Menschen geworden neidlos zu sein. Wir beneiden andere Menschen um vieles, sei es ihr Aus- bzw. Ansehen, ihren Reichtum (sei es materiell oder auch spirituell), oder sogar ihr Wissen oder gar Unwissen (je nachdem, wie man dieses in Betracht zieht). Es sind die kleinsten, schon fast undenkbarsten Dinge, um die wir einzeln beneidet werden. Allein, wenn jemand glücklich und zufrieden ist, gibt es Neider, die einem dieses nicht gönnen, möglicherweise weil sie es für sich selbst wünschen, aber (noch) nicht haben. Wir beneiden andere, weil es ihnen unserer Meinung nach besser geht als uns selbst; wiederum diese Menschen beneiden diejenigen, die weniger haben und sich deshalb auch um weniger Gedanken machen müssen.

Neid gibt es in jeglicher sich vorstellbaren Form. Es gibt kaum jemanden, der einen nicht aus irgendeinem Grund (sei er positiv oder niederträchtig) um irgendetwas beneidet. Ich kann durchaus sagen, dass ich andere darum beneide, einen wirklichen Frieden gefunden zu haben und diesen auch auszustrahlen. Das ist sicher harte Arbeit in unserer heutigen unerbittlichen und kalten Welt gewesen, aber diejenigen, die diese Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen und anderen mitgeben bzw. teilen, beneide ich wirklich, und zolle ihnen meine allerhöchste Achtung. Es gibt nur wenige Menschen dieser Art.

Diese Sure gibt mir den Halt, die Unterstützung, die Geborgenheit und den Schutz, den ich benötige, um mich selbst im Spiegel anschauen zu können und den Ratschlag zuerst über mich selbst nachzudenken, und dann erst – so Gott will – zu handeln.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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