♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

„Wird jeder Mensch als Muslim geboren?“

Da diese Frage so allgemein gehalten ist, kann diese weder explizit mit „JA“ noch mit „NEIN“ beantwortet werden, denn je nachdem wem man diese Frage stellt, wird die Antwort unterschiedlich ausfallen. Wenn sich jemand mit der islamischen Theologie und deren Grundprinzipien beschäftigt und auseinandersetzt, wird feststellen, dass die meisten Muslime diese Frage bejahen würden; allerdings würden die wenigsten wirklich gut erklären können, warum. Würde man diese Frage jemandem außerhalb der muslimischen Community stellen, dann würde man höchstwahrscheinlich eine Verneinung als Antwort erhalten, denn die Glaubensprinzipien wären möglicherweise nicht dieselben.

Meiner Meinung nach reicht es aber nicht nur die obige Frage zu stellen, sondern diese auf folgendes zu erweitern:

Muslim

 

Wird man als gottergeben (=muslim) oder als Angehörige(r) der Religion Islam (=MuslimIn) geboren?

 

Islamisch betrachtet, ist man Muslim, wenn man sich als solche(r) dazu bekennt, es sein möchte, und es auch in bestimmten Augenblicken sein möchte. Oftmals ist es aber auch so, dass einem eine muslimische Identität aufgedrängt wird, weil man eben in einer islamischen Umgebung geboren wird und aufwächst und alles andere indiskutabel wäre. Als ‚geborener’ Muslim auf Distanz zum Islam zu gehen ist sehr schwer und mit Herausforderungen geprägt, was im Umkehrschluss bedeutet, dass wenn man einmal ‚bekennend’ war, nicht aufhören dürfte es zu sein, ohne dass es unter den Menschen zu Komplikationen kommen könnte.

Es gibt einen Hadith von Abū Huraira, der überlieferte, dass der Prophet saw gesagt haben soll: „Jedes Kind wird mit der Veranlagung zum Islam – auch Fitra genannt – geboren; es sind seine Eltern, die es zum Juden, zum Christen oder zum Zoroastrier machen, sowie auch jedes Tier wie ein vollkommenes Junges zur Welt kommt; seht ihr darin irgendeinen Fehler?“

Zur Fitra kann man folgenden Vers lesen:

Koran 1

 

 

 

 

 

„UND so richte dein Gesicht standhaft zu dem (einen immerwahren) Glauben hin und wende dich ab von allem, was falsch ist, in Übereinstimmung mit der natürlichen Veranlagung, die Gott den Menschen eingegeben hat: denn keine Veränderung zum Verderben dessen, was Gott also erschaffen hat, zu erlauben – dies ist der (Zweck des einen) immerwahren Glaubens; aber die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Qur’an 30:30)

Jetzt muss man aber dazu sagen, dass nicht automatisch jede(r) Muslim(in) das Konzept der Fitra akzeptiert, und eben nicht gleich sagt, dass jeder Mensch als Muslim geboren wird bzw. automatisch von Geburt an Muslim ist. Dazu bedarf es einer Unterscheidung zwischen dem Islam und den Muslimen. Der Islam bedeutet Unterwerfung bzw. Hingabe an Gott und beinhaltet als wichtigstes Element die Lehre des tauhīd, der Einheit Gottes. Man kann also davon ausgehen, dass man wohl unter der Einheit Gottes, als muslim – also gottergeben – geboren wird, jedoch Muslim im Sinne der Religion des Islams erst wird, wenn der Mensch die ihm zugedachten Aufgaben und Regeln erfüllen kann.

Wenn man nun ganz unreligiös (aber dennoch gläubig) denkt, könnte man also davon ausgehen, dass ein Baby oder ein Kind, welches noch nicht die Aufgaben und Regeln des Islams beherrscht oder praktiziert, dass es als gottergeben durchaus angesehen werden kann, aber nicht per se als Anhänger der Religion Islam, also als Muslim. Hört sich komisch an? Man muss einfach mal logisch denken, wie viel wir Menschen uns gegenseitig an Identitäten aufdrücken. Es steht die Frage im Raum, ob das wirklich so gottgewollt ist?

DuaGott weiß um den Menschen am Besten Bescheid, was bedeutet, dass Er weiß, dass der Mensch mit der Anlage sowohl zum Glauben als auch zum Unglauben ausgestattet ist. Demnach ist die obige Frage gar nicht so verkehrt, wenn man sich damit beschäftigt, ob ein Mensch als gottergeben (muslim) oder als Angehöriger der Religion Islam (Muslim) geboren wird bzw. aufwächst.

 

Grundsätzlich würde ich sagen, dass jeder, der die Worte der Schahada, des islamischen Glaubensbekenntnisses, spricht: “aschhadu an la ilaha illala, wa aschhadu anna muhammadan rasul allah“ (Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad Allahs Gesandter ist) und sie als wahr verinnerlicht, dass er oder sie Muslim, also Angehörige(r) der Religion Islam ist. Rein logischerweise würde ich dann sagen müssen, solange man diese Worte weder aussprechen noch verinnerlichen kann, ist man zwar vielleicht gottergeben (muslim), aber noch lange nicht Angehörige(r) der Religion Islam (Muslim).

Im Qur’an wird das Muslim-Sein nicht als separate Gruppe, sondern als eine innere Haltung verstanden. Das bedeutet, dass der Mensch aus freier Entscheidung – nicht die der Eltern – ein(e) Gottergebene(r) ist bzw. wird. Entsprechend werden Abraham im Qur’an in 3:67, und Moses in 10:90 als Muslime betrachtet.

Das einzige, was aus dem Qur’an kommen kann ist, dass die Eltern bitten, dass ihre Kinder Muslime werden (siehe Qur’an 46:15) oder auch, dass Eltern ihre Kinder bitten bzw. auffordern Muslime zu sein (siehe Qur’an 2:132). Das bedeutet aber auch, dass es keinen religiösen Automatismus gibt, der von vielen Muslimen und Musliminnen vorausgesetzt wird. Nach dem Qur’an zu urteilen, liest man auch, dass man z.B. nur ein Mumin sein kann, wenn die innere Haltung und die dementsprechenden Handlungen passend und definiert sind. Somit geht die Gläubigkeit des Menschen nicht nach Abstammung, sondern nach individuellem Verhalten und Glauben.

Das Elternteil kann nicht automatisch davon ausgehen, nur weil das Neugeborene die Schahada gehört hat, dass es nun Muslim ist. Das liegt ja am Menschen selbst, wie er sich im Laufe seines Lebens entwickeln wird. Das können die Eltern einem nicht religiös legitimiert aufzwingen. Zumindest gibt es dafür keine Basis im Islam. Religion ist im Islam nicht vererbbar.

Big Muslim litte MuslimEin Kind „erbt“ somit im Islam nicht den Glauben seiner Eltern bzw. in diesem Sinne seines Vaters (wie es im klassischen Sinne jedoch die Annahme ist), sondern ist dazu aufgefordert, auch im religiösen Sinne, seinen eigenen Glaubensweg zu suchen und zu finden.

Ein Baby, Kleinkind, und Kind kann das Ausmaß dieses Bekenntnisses kaum verstehen geschweige denn verinnerlichen, denn es lernt erst mit der Zeit, primär durch seine Eltern und seine Umgebung, wie es sich mit der Religion und seinen Aufgaben hierzu verhält, was die Befolgung von Geboten und Verboten angeht sowie die Ausrichtung der Lebensführung nach dem islamischen Glauben. Das alles muss es erst einmal kennen lernen, in sich aufnehmen und verstehen lernen, bevor es sich bewusst dazu bekennen kann.

Man muss sich einfach mal vorführen, dass man sich nicht in ein Baby oder ein Kleinkind hineindenken bzw. hineinversetzen kann. Es wäre meiner Meinung nach eine Anmaßung zu behaupten, dass jedes Neugeborene Muslim – Angehörige(r) der Religion Islam – ist, denn das können wir nicht wissen. Wir können es glauben, aber wissen tun wir es ganz einfach nicht. Da ein Neugeborenes rein und unschuldig ist, kann man aber davon ausgehen, wenn man gläubig ist, dass es ein gottergebenes Wesen ist, da es aus der Liebe Gottes entstanden ist. Jemand, der bzw. die nicht an Gott glaubt, würde dies wahrscheinlich verneinen und erst einmal davon ausgehen, dass man als Mensch geboren wird, ohne jegliche Glaubensanzeichen, Glaubenszugeständnisse oder dergleichen. Und wenn wir mal ehrlich sind, klingt das gar nicht so unlogisch. Es ist das, was wir aus dem Menschen machen.

Es gibt zu dieser Frage keine eindeutige Antwort, denn je nachdem ob man (als Erwachsener) MuslimIn ist oder nicht, scheiden sich die Geister, was die Antwort hierzu betrifft. Ein(e) Muslim(in) ist ein(e) sich zu Gott Ergebende(r), der bzw. die mit absolutem Bewusstsein den Frieden im Herzen durch Ergebenheit zu Gott erreicht hat. Ob das ein Neugeborenes schon kann, liegt im Verständnis des individuellen Betrachters und/ oder Gläubigen bzw. Nichtgläubigen.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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