♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

„Jung, gläubig und emanzipiert“

Man könnte meinen, Sie wüssten schon, was jetzt kommen wird. Ich werde über junge Musliminnen schreiben, die ihr Leben selbständig in der Hand haben, ihren Weg gehen und gleichzeitig ihrer Religion gerecht werden. Damit könne ich das Thema auch schon beenden, denn was möchte man schon großartig noch lesen? Klar gibt es und gab es schon immer selbstbewusste muslimische Frauen und Mädchen, die ihren Glauben offen leb(t)en, zu ihrer Zeit Herausforderungen gegenüber stehen/ standen, und es doch schaff(t)en alles miteinander zu vereinbaren. Was also sollte ich noch sagen? Ich bin eines dieser Beispiele, die das große Glück hat (alhamdulillah) all diese Punkte in sich zu vereinen – Ja, ich bin (noch) jung! Ja, ich bin gläubig und ich stehe 100%ig dazu! Und ja, ich bin emanzipiert! …wie übrigens viele andere junge, gläubige und emanzipierte Musliminnen auch!

Was also ist der Haken am Ganzen? Man könnte sich die Frage stellen, bis wann man als „jung“ gilt, ab wann man als „gläubig“ zu verstehen ist, oder wo fängt die „Emanzipation“ an und wo hört sie auf? Ist Emanzipation nur auf Frauen bezogen, oder könnten auch Männer emanzipiert sein? Geht es in der Emanzipation nur um Feminismus, ergo Feministinnen? Oder kann man nicht davon schlichtweg ausgehen, dass muslimische Frauen eigentlich schon zu Zeiten des Propheten saw diese Eigenschaften in sich trugen?

In der heutigen Zeit wird Emanzipation wie folgt definiert:

„Die Emanzipation im Zusammenhang mit der Frau beschreibt im Allgemeinen den Prozess der politischen und gesellschaftlichen Gleichstellung von Männern und Frauen, durch selbe Rechte und Pflichten.“

Wenn man sich nun fragt, was der Islam denn damit zu tun habe, kann man durchaus dazu berechtigt sein, denn Emanzipation kann im weltlichen, aber auch im religiösen Sinne verstanden werden. Dazu muss man wissen, was die Einstellung des Islams gegenüber dem Mann und der Frau und deren Gleichstellung ist. Es ist logisch nachvollziehbar, dass eine tatsächliche Gleichstellung zwischen Mann und Frau bedeuten würde, dass alle Männer und Frauen aller Gesellschaften absolut identische Pflichten und Rechte hätten.

Rose

 

 

 

 

Wenn man sich unsere Gesellschaft anschaut, dann wird man sich – auch, oder sogar insbesondere im weltlichen Sinne – bewusst, dass eine vollständige Emanzipation gar nicht existiert bzw. existieren kann. Zwar existiert unsere Wehrpflicht für junge Männer nicht mehr, aber als er noch existierte, mussten Frauen weder diesen noch den Zivildienst antreten. Die Logik dieser Verpflichtung ist selbsterklärend, da Frauen aufgrund ihrer physischen Konstitution für Kriege etc. weniger dafür geeignet sind, wobei es durchaus Ausnahmen gibt und man ihnen den Zugang zu solchen Möglichkeiten sicher nicht verwehren sollte. Aber um mal zurück zu dieser Gleichheit von Männern und Frauen zu kommen, so wird ziemlich schnell deutlich, dass eine absolute Gleichheit weder im Sinne von Männern noch von Frauen ist, insbesondere durch die Tatsache, dass beide unterschiedlicher physiologischer Beschaffung sind.

Gott hat den Mann und die Frau mit verschiedenen Stärken und Schwächen erschaffen. Auch wenn man an Gott nicht glaubt, besteht die Tatsache weiterhin, dass der Mann und die Frau unterschiedliche Gaben, Talente und Möglichkeiten haben, die einfach nicht zu leugnen sind. Fakt ist, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, als er dann auch entsprechend ihrer Beschaffenheiten dem Mann und der Frau verschiedene Recht und Pflichten gab. Und wenn wir einfach mal logisch nachdenken, dann wird sich uns der Sinn erschließen, dass Frauen und Männer nicht nach den exakt gleichen, äußeren Umständen leben können. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, und diese sollte man den einzelnen Personen nicht verwehren, jedoch wäre es auch unsinnig sie völlig außer Acht zu lassen.

Der Qur’an erkennt den Unterschied zwischen den Geschlechtern in wunderbarer Weise an:

quran_rose_palets„Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.“

(Qur’an 30:21)

 

Es gibt eine Gerechtigkeit zwischen uns Frauen und Männern. Der liebe Gott ist sehr schlau, indem Er uns keine identischen, sondern vielmehr ergänzende Rechte und Pflichten zuschreibt. Es gibt viele Rechte und Pflichten, die jeweils nur für den Mann oder nur für die Frau bestehen. Ein Beispiel wäre das Tragen von Goldschmuck und Seide ein „Verbot“ für die Männer, während Frauen es erlaubt sind zu tragen. Männer neigen mehr zur Zurschaustellung als Frauen, und das soll dadurch vermieden werden. Ein anderes Beispiel wäre die Erziehung von Kindern. Zwar sind beide, also Vater und Mutter, in der Pflicht sich um die Kleinen zu kümmern, jedoch gilt tatsächlich der größere Pflichtanteil der Frau, denn sie ist meistens einfühlsamer, geduldiger und emotional zugänglicher als der Mann. Sie hat aber durch diese Pflicht auch ein Recht „gewonnen“, denn als Mutter wird die Frau noch mehr respektiert und geachtet als sie ohnehin schon respektiert und geachtet wird (bzw. werden soll – schließlich wissen wir ja nun leider, dass die Realität oftmals anders aussieht und Respekt und Achtung erst noch einmal anerzogen werden muss).

Rosa Tisbeh

 

“Das Paradies liegt zu den Füßen eurer Mütter.“

(überliefert von Ibn Majah)

 

Der Qur’an vermittelt uns unmissverständlich, dass der Wert eines Menschen NICHT durch sein Geschlecht und den damit verbundenen Rechten oder Pflichten wertvoller oder weniger wertvoll ist:

quran_rose_palets„O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen mögt. Wahrlich, vor Allah ist von euch derjenige am meisten angesehen, der der Gottesfürchtigste ist.“

(Qur’an 49:13)

 

Ein Zitat des Propheten saw, überliefert von Abu Dawud, unterstreicht die grundsätzliche Gleichheit von Mann und Frau vor Gott:

„Sie (die Frauen) sind die Zwillingshälfte der Männer.“

Wenn wir zu den heutigen jungen, gläubigen und emanzipierten Musliminnen zurückkommen, dann wird uns bewusst, warum sie diese Attribute tragen. Auch wenn wir oftmals von unwissenden Menschen als tragische Opfer unserer Religion oder auch wahlweise unserer Männer/ männlichen Verwandten etc. verstanden werden, so sollte jenen bewusste werden, dass eben diese Musliminnen nun langsam, aber sicher, nach und nach aufstehen und sich gegen dieses Bild über sie wehren.

jung und gläubig

Es gibt so viele junge, gebildete, engagierte UND emanzipierte Musliminnen, die sich in der Tradition des Propheten sehen und Gott in ihrer Hingabe, aber auch weichen Stärke gerecht werden möchten. Es gibt genügend muslimische Frauen, die versuchen die Frau aus ihrer primär von Männern nachgeordneten Rolle im sozialen, wirtschaftlichen, politischen und öffentlichen Raum zu befreien, indem sie sich selbst all dem öffnen, dafür kämpfen die Ungleichheit von Mann und Frau aufzuheben.

 

Im Islam gibt es keine Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Nur die Muslime müssen das neu erlernen.

Es ist, Gott sei Dank, schon soweit, dass es offene und gesprächsbereite Musliminnen gibt, die ihren Glauben mit einer weiblichen Stärke leben, dass es einen richtig stolz machen kann, zum Ursprung, wie eine Frau in ihren Eigenschaften respektiert und geachtet werden muss, zurückzukehren und diesen anderen verständlich beizubringen.

Ich kenne junge, gläubige und emanzipierte Musliminnen mit und ohne Kopftuch, und muss sagen, dass ich auf all meine Schwestern, die hart für ihr Recht, das ihnen gottgegeben zusteht, kämpfen, unsagbar stolz bin. Es ist nicht einfach, als Gläubige – egal wie gekleidet – in dieser Gesellschaft zu bestehen, ernst genommen zu werden und tagtäglich weiterzumachen, damit irgendwann auch der letzte Mensch verstanden hat, dass die muslimische Frau in allen ihren Möglichkeiten das Recht hat das zu machen, was sie erreichen möchte, sei es in Wissen, im Beruf, in der Liebe, in der Familienplanung, und in der Glaubenspraxis und Spiritualität.

Die neue Generation junger, gläubiger und emanzipierter Musliminnen zeichnet sich durch sehr viele Eigenschaften ab. Man kann hierbei von einem „Gender Dschihad“ sprechen, denn Wissen ist Macht, und Frauen lernen ihre Emanzipation durch Wissenserwerb voranzutreiben, und das Wissen in ihrem Leben umzusetzen. Das Bildungsinteresse, sei es weltliches oder religiöses Wissen, erfreut sich stetigen Wachstums, und in der Öffentlichkeit kommen immer mehr sehr gebildete und gut informierte Musliminnen zum Vorschein, denn: Sie haben sich mitzuteilen. Sie sind die Hälfte der Gesellschaft; sie sind die Hälfte der Menschheit; sie sind die Zwillingshälfte der Männer.

Nicht umsonst heißt es sinngemäß:

„Bilde einen Mann, und Du bildest eine ganze Familie.

Bilde eine Frau, und Du bildest die gesamte Menschheit.“

Was am Allerschönsten ist, dass sich junge, gläubige und emanzipierte Musliminnen intensiv mit den religiösen Quellen, insbesondere mit dem Qur’an beschäftigen. Vorreiterin ist die sicher bekannteste islamische Feministin Fatima Mernissi, welche glaubt, dass der Qur’an aufgrund der über Jahrhunderte vorherrschenden patriarchalischen Kulturen und Traditionen einseitig übersetzt und interpretiert wurde. Deshalb gelte es, ihn heute neu zu lesen und zu interpretieren. Und genau das geschieht derzeit, indem bildungshungrige und Gerechtigkeit fordernde, junge muslimische Frauen sich das Wort Gottes vornehmen und dieses aus femininer Perspektive neu deuten und weitergeben.

quran_rose_palets„Lies im Namen deines HERRN, der erschuf. ER erschuf den Menschen aus ‚Alaq („etwas, das sich anklammert“). Lies, und dein HERR ist Der Ehrwürdigste, Der (das Schreiben) mit dem Schreibgerät lehrte, ER lehrte den Menschen, was er nicht kannte.“ (Qur’an 96:1-5)

 

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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