Offener Brief an den KRM

Hallo und Assalamu Alaykum,

Quranich habe mich entschlossen, mich nicht an der Debatte um Herrn Prof. Dr. Mouhanad Khorchide und der Auseinandersetzung der islamischen Verbände zu beteiligen, da ich denke, dass es genug Menschen gibt, die dieses schon tun – sei es sachlich oder unsachgemäß.

Fakt ist, dass es auf beiden Seiten Befürworter wie auch Kritiker gibt, sei es muslimischer, aber auch von nichtmuslimischer Seite. Toleranz und Offenheit für eine sich bewegende islamische Theologie ist innerislamisch wichtig zu berücksichtigen.

Man muss weder dem einen noch dem anderen religiösen Verständnis zustimmen, allerdings ist es wichtig, dass jede(r) Gläubige seine bzw. ihre Überzeugung frei entfalten und praktizieren kann, ohne dass dem Steine in den Weg gelegt wird.

Um diesem Ausdruck zu verleihen, unterschreibe ich den

„Offenen Brief an den Koordinationsrat der Muslime (KRM)“:

“ Für die vielfältige Gemeinschaft der Muslime in Deutschland gibt es nur eine einzige islamisch-theologische Disziplin an der Universität. Deshalb wurde Islamische Theologie in Deutschland mit dem Grundsatz etabliert, alle Richtungen islamischer Glaubenstradition und Gelehrsamkeit einzuschließen und sich nicht exklusiv auf eine Traditionslinie zu beziehen (s. Empfehlungen des Wissenschaftsrats 2010, S. 82).

Das zu einer Publikation von Prof. Mouhanad Khorchide vorgelegte Gutachten des Koordinationsrats der Muslime (KRM), der nach eigenem Selbstverständnis „die Vielfalt der Muslime in Deutschland repräsentiert“, kritisiert, dass „wesentliche, als theologisch deklarierte Positionen von ihm jedoch mit der sunnitischen Lehre nicht vereinbar (sind). Bemerkenswert ist daher, dass er der Leiter und Lehrstuhlinhaber eines konfessionsgebundenen islamischen Zentrums sein kann“ (S. 26). Auf Grundlage dieses Gutachtens hat der KRM die weitere Zusammenarbeit mit Prof. Khorchide als für nicht möglich erklärt.

Eine Konfession bezeichnet eine Untergruppe innerhalb einer Religion. Die Unterzeichner weisen darauf hin, dass die Zentren für Islamische Theologie keine konfessionsgebundenen Zentren sind. Dort wird keine spezifische Glaubensrichtung des Islams gelehrt, sondern die Religion des Islams in seiner theologischen Vielfalt, gebunden an die islamischen Glaubensgrundsätze. Diese Bekenntnisgebundenheit bedeutet die Bindung an die Religion des Islams, nicht die Bindung an eine seiner Interpretationen.

Die Unterzeichner erklären nicht, dass sie uneingeschränkt mit den theologischen Positionen Prof. Khorchides einverstanden sind. Aber sie machen darauf aufmerksam, dass unterschiedliche Interpretationen islamischer Glaubensinhalte nicht etwas Unerwünschtes und Korrekturbedürftiges sind, sondern ein normales Phänomen einer Wissenschaft. Mit dieser Ambiguitätstoleranz knüpft die Islamische Theologie in Deutschland an die Tradition der islamischen Lehre an.

Durch muslimische Beiräte an den Zentren für Islamische Theologie wird zu Recht die religiöse Eignung des Lehrpersonals sichergestellt. Aufgabe der Beiräte für die Zentren Islamischer Theologie ist die Beurteilung der religiösen Eignung des Lehrpersonals, die sich damit auf der Grundlage der Religion des Islams vollzieht. Sie richtet sich nicht nach einer bestimmten Interpretation des Islams.

In diesem Zusammenhang besagt das Gutachten: „Bezogen auf seine (Prof. Khorchides) religiösen Einstellungen ist laut seiner eigenen Aussagen zu entnehmen, dass er trotz seiner undifferenzierten und teilweise auch unsachlichen Einlassungen ohne Zweifel sich im Rahmen der islamischen Lehre bewegt. Seine Ausführungen über die Glaubensgrundsätze lassen keinen Zweifel, dass er an Gott glaubt und den Propheten ehrt“ (S. 26).

Die Unterzeichner fordern den KRM daher auf, die Wissenschaftsfreiheit der auf den Grundlagen des Islams betriebenen Islamischen Theologie zu respektieren.

…“

Wer auch Interesse an einem Dialog und an der Offenheit und Toleranz innerhalb der islamischen Theologie und seiner Auslegung und dem Wohlergehen aller Musliminnen und Muslime interessiert ist, ihren Glauben auf individuelle Art und Weise zu interpretieren und zu praktizieren, im Guten für sich und andere, der bzw. die möge auch unterschreiben.

Hierfür kann man den folgenden Link verwenden:

https://www.openpetition.de/petition/online/ein-offener-brief-an-den-koordinationsrat-der-muslime-in-deutschland-krm

Vielen herzlichen Dank.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

„(Dies ist) ein gesegnetes Buch (der Qur’an), das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit sie über seine Zeichen nachsinnen und damit diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.“ (Qur’an 38:29)

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2 Gedanken zu “Offener Brief an den KRM

  1. salsabilalmaniya schreibt:

    “Weder … noch ist es wichtig allen Beteiligten ihre freie Entfaltung zu gewähren.” – Was meinst du damit, liebe Hannibal-Nur? Sollte sich nicht jeder nach seiner Überzeugung (sofern er keinem anderen schadet) entfalten können?
    Wassalamu alaikum,
    Salsabil

    • hannibalnur schreibt:

      Assalamu Alaykum Salsabil,
      Du hast Recht. Ich habe mich irgendwie misslich ausgedrückt und werde das korrigieren. Natürlich sollte sich jeder nach seiner oder ihrer Überzeugung – sofern er oder sie nicht Dritten damit schadet – frei entfalten können.
      Vielen Dank für Dein aufmerksames Augenmerk.
      LG und Salam
      Hannibal-Nur 🙂

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