♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

„Geschwafel und Geschwätz: Ab wann ist es Zeitverschwendung?“

Es wird viel geschwafelt und es wird viel geschwätzt. Es wird viel um den heißen Brei herumgeredet, anstatt geradewegs zum Punkt zu kommen. Ein immer wieder kehrendes Phänomen von uns Menschen, die entweder viel zu sagen haben oder nicht wissen, wann sie aufhören könnten.

Geschwafel beinhaltet vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne oder inhaltsleere Aussagen. Mit anderen Worten, man redet und redet um ein Thema herum, allerdings ohne zum Kern dessen zu kommen. Es wird viel geschwafelt, sei es ganz normal unter uns Menschen, wenn wir uns spontan und salopp unterhalten, aber auch in höheren Diskussionen, sei es in der Politik, oder in religiösen oder weltlichen Belangen. Geschwafel wird auch verwendet, um einen schlechten Argumentations- oder Redestil zu tadeln, und kann des Weiteren als unsinniges, irrelevantes und nerviges Gerede verstanden werden.

Um mal ein persönliches Beispiel zu geben:

Meine bessere Hälfte fragt mich hin und wieder mal, ob es mir eigentlich auffallen würde, dass ich bei direkten Fragen so gut wie nie direkte Antworten gebe, sondern weit aushole und lange brauche, bis ich die Antwort zusammengefasst habe. Es könnte durchaus schneller und vereinfachter gehen, aber vielleicht ist mir dieses Talent nicht gegeben, sondern eher die Eigenschaft lang und breit erklären zu wollen. Manchmal ist diese Gabe sinnvoll, und manchmal völligüberflüssig. Vielleicht ist das die Wissenschaftlerin (oder Philosophin?) in mir, dass ich nicht sofort faktisch und analytisch zum Punkt kommen kann und dadurch noch immer in einem Lernprozess zu sein scheine. Eine knappe Antwort wäre ja zu einfach.

Steine Kraft

 

 

 

 

Dann fällt mir auf, dass ich nicht die Einzige bin, die oft auch unbewusst am Schwafeln ist. Insbesondere beim schriftlichen Diskutieren, oder aber auch bei manchen Korrespondenzaustauschen scheint mir manche Person sehr langatmig und wie oben schon erwähnt inhaltsleer zu sein, wenn es um die Kommunikation angeht. So manches Gespräch oder so manch schriftlicher Austausch könnte um ein Vielfaches verkürzt werden, wenn man nicht lange herumreden, sondern zum Kern der Sache – egal welcher – kommen würde. Dass das natürlich nicht immer geht, und man sich in vielerlei Situationen eines Ausholens der Erklärung zum besseren Verständnis bemächtigen muss, sollte nachvollziehbar sein. Zugleich ist es die Herausforderung abzuwägen, was den Gegenüber interessiert und was man an Zeit und Text sich sparen kann.

Es wird immer schwieriger und herausfordernder sich mit Mensch über Dinge zu unterhalten, die für einen eine gewisse Bedeutung haben. Wie oft merkt man, dass es einfacher ist sich über Nichtigkeiten zu unterhalten, wie z.B. salopp unter Frauen gesagt die drei Ms (Männer, Mode & Makeup), über Stars und Sternchen, obwohl wir nichts mit ihnen zu tun haben und sie unser Leben kaum bis gar nicht beeinflussen (so Gott will), oder irgendwelche Shows im Fernsehen, die uns letztendlich zur Verdummung verdammen. Die Frage ist: Lassen wir uns darauf ein, oder können wir differenzieren, was wichtig und was eher unnötig ist?

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Gott wünscht sich kein derartiges Verhalten von uns, sondern empfiehlt in der Sure „Die Geschichte“, dass wir uns von Oberflächlichkeiten fernhalten:

„Und wenn sie (die Gläubigen) leeres Gerede hören, so wenden sie sich davon ab und sagen: „Für uns (seien) unsere Taten und für euch (seien) eure Taten. Friede sei auf euch! Wir suchen keine Unwissenden.““ (Qur’an 28:55)

Wir kommen nicht weiter, wenn wir uns nur über Nichtigkeiten oder leere Inhalte unterhalten. Fakt ist, dass wir erstens durch leeres Gerede, also auch Geschwafel oder Geschwätz, wozu ich gleich noch kommen werde, nicht in der Lage sein werden, Dinge zu tun, die über den Erhalt unseres eigenen Lebens hinausgehen, und zweitens mit dieser Eigenschaft unsere Umwelt, also Gesellschaft nicht voranbringen, sondern eher zu einem Stillstand oder gar Rückstand zwingen. Wenn man etwas erreichen möchte, muss man sich im Klaren sein, dass es wenig bringt sich mit oberflächlichen Menschen zu unterhalten, abgesehen vom Smalltalk versteht sich, denn solche Menschen interessieren sich selten für das Tiefergehende, Tiefsinnige oder gar Weiterbringende. Man muss es nur beobachten, dass diese Menschen nur für den Moment unterhalten werden wollen.

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In der Sure „Die Gläubigen“ heißt es:

„Wahrlich, einen glückseligen Zustand werden die Gläubigen erlangen: jene, die in ihren Gebete voller Demut sind, und die sich von allem abwenden, was leichtfertig ist, und die innere Reinheit erstreben.“ (Qur’an 23:1-4)

Da wir im Hier und Jetzt – im Diesseits – leben, müssen wir uns mit der Realität beschäftigen und aktiv werden. Wir müssen ansprechend für andere wirken, damit sie sich den Dingen zuwenden, die Bedeutung haben, denn Gott hat diese Welt nicht zum Zeitvertreib geschaffen. Wir sind alle hier, weil wir eine Aufgabe zu erfüllen haben, wie auch immer sie jeweils aussehen mag. Unsere Zeit hier ist begrenzt, denn wir sind, wie der Prophet Muhammad saw schon sagte, Reisende. Während unserer Reise, also der Zeit im Diesseits, sollten wir uns bewusst werden, dass alles, was wir machen, Zeit kostet, und Zeit kostbar, also nicht zu verschwenden ist. Ich möchte damit nicht sagen, dass wir nicht auch einfach mal bequem sein dürfen, denn das ist natürlich auch wichtig, aber man sollte eben bestimmte Dinge nicht aus den Augen verlieren.

Drum in mancher Situation:

Schweigen oder die Tastatur ruhen zu lassen ist besser als Geschwafel oder Geschwätz.

LeichtigkeitDas Geschwätz hingegen hat oftmals nicht nur mit Sachverhalten, sondern eventuell auch mit Personen zu tun. Es wird als dummes, belangloses Gerede bezeichnet, welches weder dem Redner noch dem Zuhörer von Nutzen ist. Es kann allerdings eine negative Wertigkeit vorbringen, insbesondere, wenn man über andere Personen in deren Abwesenheit abwertend spricht.

Der Klatsch der Stars und Sternchen ist z.B. Geschwätz, den die Welt nicht braucht und den normalen Menschen weder etwas bringt noch ihn (meist) zu etwas Positiven anleitet.

Es gibt den berühmten Satz: Höre nicht auf das Geschwätz der anderen. Nicht so einfach, wenn es entweder über einen selbst geht, oder man in eine Angelegenheit des Klatsches über einen Dritten – bewusst oder unbewusst – involviert ist.

Ich erinnere mich dabei an eine indonesische Glaubensschwester, die ich wirklich sehr schätze, welche mich vor einigen Jahren fragte, warum ich ihr dies und das erzählte, sie könne mit dem Inhalt meiner Erzählung wenig anfangen und diese nicht für sich verwerten. Beim ersten Mal fühlte ich mich ein wenig vor den Kopf gestoßen, da ich mit ihrem „Ausbruch“ nicht viel anfangen konnte und nicht dachte etwas Falsches gesagt zu haben. Das hatte ich letztendlich auch nicht, nur war es für sie völlig uninteressant und belanglos, dass sie mir das auch mitteilte. Sie sagte mir, dass sie sich nur mit klar durchdachtem Gerede beschäftige und alles Unnütze versuche von sich fernzuhalten. Dementsprechend würde sie anderen sagen, dass wenn man ihr etwas erzählen würde, was für sie völlig irrelevant und wenig hilfreich wäre, dass es sinnvoller wäre, zuerst zu überlegen, was man anderen sagt, ob diese mit der Information etwas anfangen und für sich verarbeiten könnten, oder ob es nicht doch wertloses Geschwätz sei.

Als diese besagte Schwester ein zweites (anderes) Mal das Gleiche zu mir sagte, war ich vom ersten Mal vorgewarnt und konnte dementsprechend entspannter reagieren UND hatte mir von diesem Zeitpunkt, zumindest bei dieser Person, gemerkt, dass unnützes Geschwätz weder sie noch mich weiterbringen würde. Hier zog ich eine gewisse Lehre, welche ich letztendlich auch bei anderen anwenden konnte. Zwar bin ich nicht immer fehlerfrei, auch nicht in dieser Hinsicht, aber es hat mir zu verstehen gegeben, dass wir mit Geschwätz und Klatsch weder uns noch andere bereichern. Ganz im Gegenteil: Wir machen es uns selbst nur schwer, was wiederum nicht notwendig ist.

Blaues Mosaik

Ibn Mas’du sagte: „Der größte in Sünden am Tag des Jüngsten Gerichts wird derjenige sein, der am meisten über Unnützes und Unmoralisches geredet hatte.“

 

Das Hüten der Zunge ist eine Herausforderung für jeden von uns.  So sagt Imam Nawawi:

Blaues Mosaik„Jede rechtlich verantwortliche Person sollte nichts sagen, es sei denn, es besteht ein klarer Vorteil in Sprechen. Wenn Sprechen und Schweigen gleiche Vorteile haben, ist es Sunnah zu schweigen, weil erlaubte Rede schnell zu unerlaubter oder verabscheuungswürdiger Rede führt, wie es fast immer passiert – und es gibt kein Ersatz für Sicherheit.“

Egal ob es Geschwafel oder Geschwätz in redlicher oder schriftlicher Form ist, wir sind dazu angehalten, auf unsere Worte Acht zu geben. Diejenigen, die sich ihrer Zunge und Schreibart bewusst sind, wissen, ob sie durch ihr Handeln Vor- oder Nachteile genießen. Diejenigen unter uns, die bekannt sind für ihre angenehme, liebevolle und positive Rede und versuchen unnötiges und negatives Geschwafel und Geschwätz zu vermeiden, werden von anderen respektiert und geachtet werden. Zudem ernten sie das Vertrauen der anderen, wenn es um Fragen und Ratschläge geht. Auch wenn es vielleicht nicht jedem leicht fällt, das Hüten der Zunge, aber auch das reifliche Überlegen vor dem Schreiben oder Sprechen kann gelernt werden. Als Ergebnis wird man Dankbarkeit, Zuneigung, Freude und Liebe empfangen wie auch geben können.

„Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der soll Gutes sprechen oder schweigen.“ (Hadith Sahih, Bukhary und Muslim)

Ab wann Geschwafel oder Geschwätz Zeitverschwendung ist, liegt im Ermessen jeder einzelnen Person. Bemerkt man, dass das eigene Gerede oder Geschreibsel überflüssig und unsinnig ist und keiner davon zehren kann, dann kann man davon ausgehen, dass man seine eigene und die Zeit anderer verschwendet. Diese könnte man anderweitig sinnvoller nutzen.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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