♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

„Geschwafel und Geschwätz: Ab wann ist es Zeitverschwendung?“

Es wird viel geschwafelt und es wird viel geschwätzt. Es wird viel um den heißen Brei herumgeredet, anstatt geradewegs zum Punkt zu kommen. Ein immer wieder kehrendes Phänomen von uns Menschen, die entweder viel zu sagen haben oder nicht wissen, wann sie aufhören könnten.

Geschwafel beinhaltet vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne oder inhaltsleere Aussagen. Mit anderen Worten, man redet und redet um ein Thema herum, allerdings ohne zum Kern dessen zu kommen. Es wird viel geschwafelt, sei es ganz normal unter uns Menschen, wenn wir uns spontan und salopp unterhalten, aber auch in höheren Diskussionen, sei es in der Politik, oder in religiösen oder weltlichen Belangen. Geschwafel wird auch verwendet, um einen schlechten Argumentations- oder Redestil zu tadeln, und kann des Weiteren als unsinniges, irrelevantes und nerviges Gerede verstanden werden.

Um mal ein persönliches Beispiel zu geben:

Meine bessere Hälfte fragt mich hin und wieder mal, ob es mir eigentlich auffallen würde, dass ich bei direkten Fragen so gut wie nie direkte Antworten gebe, sondern weit aushole und lange brauche, bis ich die Antwort zusammengefasst habe. Es könnte durchaus schneller und vereinfachter gehen, aber vielleicht ist mir dieses Talent nicht gegeben, sondern eher die Eigenschaft lang und breit erklären zu wollen. Manchmal ist diese Gabe sinnvoll, und manchmal völligüberflüssig. Vielleicht ist das die Wissenschaftlerin (oder Philosophin?) in mir, dass ich nicht sofort faktisch und analytisch zum Punkt kommen kann und dadurch noch immer in einem Lernprozess zu sein scheine. Eine knappe Antwort wäre ja zu einfach.

Steine Kraft

 

 

 

 

Dann fällt mir auf, dass ich nicht die Einzige bin, die oft auch unbewusst am Schwafeln ist. Insbesondere beim schriftlichen Diskutieren, oder aber auch bei manchen Korrespondenzaustauschen scheint mir manche Person sehr langatmig und wie oben schon erwähnt inhaltsleer zu sein, wenn es um die Kommunikation angeht. So manches Gespräch oder so manch schriftlicher Austausch könnte um ein Vielfaches verkürzt werden, wenn man nicht lange herumreden, sondern zum Kern der Sache – egal welcher – kommen würde. Dass das natürlich nicht immer geht, und man sich in vielerlei Situationen eines Ausholens der Erklärung zum besseren Verständnis bemächtigen muss, sollte nachvollziehbar sein. Zugleich ist es die Herausforderung abzuwägen, was den Gegenüber interessiert und was man an Zeit und Text sich sparen kann.

Es wird immer schwieriger und herausfordernder sich mit Mensch über Dinge zu unterhalten, die für einen eine gewisse Bedeutung haben. Wie oft merkt man, dass es einfacher ist sich über Nichtigkeiten zu unterhalten, wie z.B. salopp unter Frauen gesagt die drei Ms (Männer, Mode & Makeup), über Stars und Sternchen, obwohl wir nichts mit ihnen zu tun haben und sie unser Leben kaum bis gar nicht beeinflussen (so Gott will), oder irgendwelche Shows im Fernsehen, die uns letztendlich zur Verdummung verdammen. Die Frage ist: Lassen wir uns darauf ein, oder können wir differenzieren, was wichtig und was eher unnötig ist?

fatih.jpg

 

 

 

Gott wünscht sich kein derartiges Verhalten von uns, sondern empfiehlt in der Sure „Die Geschichte“, dass wir uns von Oberflächlichkeiten fernhalten:

„Und wenn sie (die Gläubigen) leeres Gerede hören, so wenden sie sich davon ab und sagen: „Für uns (seien) unsere Taten und für euch (seien) eure Taten. Friede sei auf euch! Wir suchen keine Unwissenden.““ (Qur’an 28:55)

Wir kommen nicht weiter, wenn wir uns nur über Nichtigkeiten oder leere Inhalte unterhalten. Fakt ist, dass wir erstens durch leeres Gerede, also auch Geschwafel oder Geschwätz, wozu ich gleich noch kommen werde, nicht in der Lage sein werden, Dinge zu tun, die über den Erhalt unseres eigenen Lebens hinausgehen, und zweitens mit dieser Eigenschaft unsere Umwelt, also Gesellschaft nicht voranbringen, sondern eher zu einem Stillstand oder gar Rückstand zwingen. Wenn man etwas erreichen möchte, muss man sich im Klaren sein, dass es wenig bringt sich mit oberflächlichen Menschen zu unterhalten, abgesehen vom Smalltalk versteht sich, denn solche Menschen interessieren sich selten für das Tiefergehende, Tiefsinnige oder gar Weiterbringende. Man muss es nur beobachten, dass diese Menschen nur für den Moment unterhalten werden wollen.

fatih.jpg

 

 

 

In der Sure „Die Gläubigen“ heißt es:

„Wahrlich, einen glückseligen Zustand werden die Gläubigen erlangen: jene, die in ihren Gebete voller Demut sind, und die sich von allem abwenden, was leichtfertig ist, und die innere Reinheit erstreben.“ (Qur’an 23:1-4)

Da wir im Hier und Jetzt – im Diesseits – leben, müssen wir uns mit der Realität beschäftigen und aktiv werden. Wir müssen ansprechend für andere wirken, damit sie sich den Dingen zuwenden, die Bedeutung haben, denn Gott hat diese Welt nicht zum Zeitvertreib geschaffen. Wir sind alle hier, weil wir eine Aufgabe zu erfüllen haben, wie auch immer sie jeweils aussehen mag. Unsere Zeit hier ist begrenzt, denn wir sind, wie der Prophet Muhammad saw schon sagte, Reisende. Während unserer Reise, also der Zeit im Diesseits, sollten wir uns bewusst werden, dass alles, was wir machen, Zeit kostet, und Zeit kostbar, also nicht zu verschwenden ist. Ich möchte damit nicht sagen, dass wir nicht auch einfach mal bequem sein dürfen, denn das ist natürlich auch wichtig, aber man sollte eben bestimmte Dinge nicht aus den Augen verlieren.

Drum in mancher Situation:

Schweigen oder die Tastatur ruhen zu lassen ist besser als Geschwafel oder Geschwätz.

LeichtigkeitDas Geschwätz hingegen hat oftmals nicht nur mit Sachverhalten, sondern eventuell auch mit Personen zu tun. Es wird als dummes, belangloses Gerede bezeichnet, welches weder dem Redner noch dem Zuhörer von Nutzen ist. Es kann allerdings eine negative Wertigkeit vorbringen, insbesondere, wenn man über andere Personen in deren Abwesenheit abwertend spricht.

Der Klatsch der Stars und Sternchen ist z.B. Geschwätz, den die Welt nicht braucht und den normalen Menschen weder etwas bringt noch ihn (meist) zu etwas Positiven anleitet.

Es gibt den berühmten Satz: Höre nicht auf das Geschwätz der anderen. Nicht so einfach, wenn es entweder über einen selbst geht, oder man in eine Angelegenheit des Klatsches über einen Dritten – bewusst oder unbewusst – involviert ist.

Ich erinnere mich dabei an eine indonesische Glaubensschwester, die ich wirklich sehr schätze, welche mich vor einigen Jahren fragte, warum ich ihr dies und das erzählte, sie könne mit dem Inhalt meiner Erzählung wenig anfangen und diese nicht für sich verwerten. Beim ersten Mal fühlte ich mich ein wenig vor den Kopf gestoßen, da ich mit ihrem „Ausbruch“ nicht viel anfangen konnte und nicht dachte etwas Falsches gesagt zu haben. Das hatte ich letztendlich auch nicht, nur war es für sie völlig uninteressant und belanglos, dass sie mir das auch mitteilte. Sie sagte mir, dass sie sich nur mit klar durchdachtem Gerede beschäftige und alles Unnütze versuche von sich fernzuhalten. Dementsprechend würde sie anderen sagen, dass wenn man ihr etwas erzählen würde, was für sie völlig irrelevant und wenig hilfreich wäre, dass es sinnvoller wäre, zuerst zu überlegen, was man anderen sagt, ob diese mit der Information etwas anfangen und für sich verarbeiten könnten, oder ob es nicht doch wertloses Geschwätz sei.

Als diese besagte Schwester ein zweites (anderes) Mal das Gleiche zu mir sagte, war ich vom ersten Mal vorgewarnt und konnte dementsprechend entspannter reagieren UND hatte mir von diesem Zeitpunkt, zumindest bei dieser Person, gemerkt, dass unnützes Geschwätz weder sie noch mich weiterbringen würde. Hier zog ich eine gewisse Lehre, welche ich letztendlich auch bei anderen anwenden konnte. Zwar bin ich nicht immer fehlerfrei, auch nicht in dieser Hinsicht, aber es hat mir zu verstehen gegeben, dass wir mit Geschwätz und Klatsch weder uns noch andere bereichern. Ganz im Gegenteil: Wir machen es uns selbst nur schwer, was wiederum nicht notwendig ist.

Blaues Mosaik

Ibn Mas’du sagte: „Der größte in Sünden am Tag des Jüngsten Gerichts wird derjenige sein, der am meisten über Unnützes und Unmoralisches geredet hatte.“

 

Das Hüten der Zunge ist eine Herausforderung für jeden von uns.  So sagt Imam Nawawi:

Blaues Mosaik„Jede rechtlich verantwortliche Person sollte nichts sagen, es sei denn, es besteht ein klarer Vorteil in Sprechen. Wenn Sprechen und Schweigen gleiche Vorteile haben, ist es Sunnah zu schweigen, weil erlaubte Rede schnell zu unerlaubter oder verabscheuungswürdiger Rede führt, wie es fast immer passiert – und es gibt kein Ersatz für Sicherheit.“

Egal ob es Geschwafel oder Geschwätz in redlicher oder schriftlicher Form ist, wir sind dazu angehalten, auf unsere Worte Acht zu geben. Diejenigen, die sich ihrer Zunge und Schreibart bewusst sind, wissen, ob sie durch ihr Handeln Vor- oder Nachteile genießen. Diejenigen unter uns, die bekannt sind für ihre angenehme, liebevolle und positive Rede und versuchen unnötiges und negatives Geschwafel und Geschwätz zu vermeiden, werden von anderen respektiert und geachtet werden. Zudem ernten sie das Vertrauen der anderen, wenn es um Fragen und Ratschläge geht. Auch wenn es vielleicht nicht jedem leicht fällt, das Hüten der Zunge, aber auch das reifliche Überlegen vor dem Schreiben oder Sprechen kann gelernt werden. Als Ergebnis wird man Dankbarkeit, Zuneigung, Freude und Liebe empfangen wie auch geben können.

„Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der soll Gutes sprechen oder schweigen.“ (Hadith Sahih, Bukhary und Muslim)

Ab wann Geschwafel oder Geschwätz Zeitverschwendung ist, liegt im Ermessen jeder einzelnen Person. Bemerkt man, dass das eigene Gerede oder Geschreibsel überflüssig und unsinnig ist und keiner davon zehren kann, dann kann man davon ausgehen, dass man seine eigene und die Zeit anderer verschwendet. Diese könnte man anderweitig sinnvoller nutzen.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

Advertisements

Frömmigkeit und Freundlichkeit

Hallo und Assalamu Alaykum,

Konvertiten zum Islam scheinen oftmals das Klischee zu haben, dass sie alles innerhalb der Religion richtig und 150%ig machen wollen…und es auch oft tun bzw. sich bemühen es zu versuchen. Mal ist es mit einer Rationalität und Organisation, von der sich so manch anderer eine Scheibe abschneiden kann; mal ist es mit Herz und Seele, dass das Wissen und die Praxis in Einklang miteinander gebracht werden. Konvertiten wird auch nachgesagt, dass sie sich häufig besser innerhalb der Religion auskennen als ihre Glaubensgeschwister, die den Islam schon mit der Muttermilch eingeflößt bekommen haben.

Auch wenn es dafür durchaus Beweise gibt, und viele geborene Muslime eine Hochachtung vor Konvertiten haben und sie herzlich in ihre Mitte aufnehmen, um mit und von ihnen zu lernen, so gibt es auch welche, die durch ihr geborenes Muslimsein glauben, die religiöse Obrigkeit gepachtet zu haben und bringen diese leider nur zu oft zum negativen und eher unfreundlichen Ausdruck. Das ist sehr schade, denn nur weil man in den Glauben hineingeboren worden ist, ist man noch lange nicht automatisch wissenstechnisch dingfest, sondern muss es sich, wie der Konvertit, erst einmal erarbeiten bzw. es erlernen.

Wir lernen ein Leben lang über unsere Religion, über Gott, und letztendlich dadurch auch über uns selbst.

Freundlichkeit

 

 

 

 

Gott erschuf die Menschen gleich, Er unterscheidet sie nur in ihrem Glauben und ihrer Frömmigkeit.

Der Prophet Muhammad saw sagte:

„Oh ihr Menschen! Euer Gott ist Einer und euer Stammvater (Adam) ist einer. Ein Araber ist nicht besser als ein Nicht-Araber, und ein Nicht-Araber ist nicht besser als ein Araber, und ein roter (d.h. weiß mit rötlichem Schimmer) Mensch ist nicht besser als ein schwarzer Mensch und ein schwarzer Mensch ist nicht besser als ein roter Mensch, außer in der Frömmigkeit.“

Deshalb:

Meine lieben Glaubensgeschwister, die Ihr in diesem wunderschönen Glauben hineingeboren worden seid – beschäftigt Euch mit der Religion, bevor Ihr versucht Eure konvertierten Glaubensgeschwister zu belehren. Vielleicht könnt Ihr von ihnen lernen, so wie sie von Euch, nachdem (!) Ihr Wissen erworben habt, lernen können.

Deshalb auch:

Meine lieben Glaubensgeschwister, die sich dem Islam zugewandt und sich für Ihn entschieden haben – Ihr lernt ein Leben lang, wie auch Eure geborenen Glaubensgeschwister ein Leben lang lernen. Nicht die Länge der Zeit macht den Umfang Eures Wissens aus, sondern das Erlernte und im Guten Angewendete. Lasst Euch nicht von anderen zum Schweigen bringen, sondern erhebt Eure Stimme, im Guten und im Wissenden.

„Lies im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat, den Menschen erschaffen hat aus einem Anhängsel. Lies, und dein Herr ist der Edelste, Der (das Schreiben) mit dem Schreibrohr gelehrt hat, den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.“ (Qur’an 96:1-5)

Möge Gott uns stets, wenn wir unser Wissen mit anderen teilen, nah sein. Amin.

Danke

 

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

„Muslimfeiertag“?!

FragezeichenWas soll der Blödsinn der türkischen Gemeinde einen gesetzlichen“Muslimfeiertag“ einfordern bzw. haben zu wollen? Sorry liebe Glaubensgeschwister, aber das ist Bid’ah. Wir haben unsere islamischen Feiertage, da muss man nichts noch dazu dichten!

Lieber neuer Herr Innenminister, bitte verschwenden Sie am Montag nicht Ihre Zeit und widmen sich lieber den wirklich wichtigen Themen, die unsere muslimische Community betreffen. Vielen Dank.

Moschee und deutsche Fahne

 

 

Meine Meinung und/ oder Argumentation:

 

 

Dies wäre ein erfundener Feiertag für Muslime, was islamisch einfach nicht korrekt ist. Sinn, wenn überhaupt, wäre es, die bestehenden islamischen Feiertage gesetzlich zu integrieren, nicht aber etwas dazu zu dichten. Demnach könnten das Fastenbrechenfest nach Ramadan und/ oder das Opferfest sicherlich als religiöse Feiertage einbezogen werden.

Es ist Unsinn ist einen Muslimfeiertag zu erfinden, um ihn dann Bundesrepublik flächendeckend einzuführen, wo es zwei offizielle islamische Feiertage gibt, die man durchaus dann auch nutzen sollte, wenn man etwas religionsbedingt etwas durchsetzen möchte. Etwas nur um des Willens wegen zu erfinden, was nicht einmal religiös legitimiert werden kann, hat mit Islam nichts mehr zu tun.

Ein solcher Feiertag ist meiner Meinung nach nicht unerwünscht, solange es islam-konform ist. Wenn einer der bestehenden islamischen Feiertage dafür genutzt wird, dann sehe ich das weniger als ein Problem. Sollte aber einer extra erfunden werden, würde ich das als Blödsinn und eben Bidah bezeichnen. Man kann sich als Muslim jetzt schon am islamischen Feiertag frei nehmen und Kinder müssen nicht in die Schule.

Bevor ein muslimischer Feiertag gesetzlich integriert wird, wird sowieso erst einmal ein jüdischer Feiertag seinen Vortritt haben.

…und all das nur mal am Rande zusammengewürfelt. 😉

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

Integration ist weder Assimilation noch Isolation

Hallo und Assalamu Alaykum zusammen,

Kalligraphie

 

Weise Worte, u.a. des Imams Benjamin Idriz, die Wirkung auf mich (und vielleicht andere) haben:

Ein arabisches Sprichwort sagt:

„Wenn Du 40 Tage mit einem Volk lebst, bist Du einer von ihnen.“

 

Hier in Deutschland leben wir zusammen, Muslime und Nichtmuslime unterschiedlicher Herkunft, und doch leben wir oft nebeneinander anstatt miteinander. Eigentlich nicht im Sinne von Qur’an 49:13.

Der Prophet saw soll mal gesagt haben:

„Der Muslim, der sich in die Gemeinschaft einfügt und integriert und so die Beschwernisse auf sich nimmt, die von Menschen kommen könnten, ist besser als diejenigen, die Beschwernisse meiden.“ (Tirmidhi)

Der Qur’an sagt in 2:143:

„Und also haben Wir gewollt, dass ihr eine Gemeinschaft des Wegs der Mitte seid.“

Viele von uns müssen diese Mitte wiederfinden und anwenden. Eigentlich stellt sich nicht die Frage, ob der Islam integrierbar ist, denn letztendlich hängt das vom individuellen Charakter der einzelnen Gläubigen ab, nicht aber wirklich am Glauben selbst.

Der Islam verlangt den Weg der Integration, ohne sich in die Assimilation oder Isolation zu verirren. Den Mittelweg diesbezüglich zu finden und dann zu begehen ist noch so mancher Menschen Herausforderung, aber durchaus machbar…im Sinne des Qur’ans und des eigenen Verstandes.

LG und Salam

Hannibal-Nur

♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

„Was ist eine Fatwā und wie geht man mit ihr um?!“

Viele Menschen glauben, dass eine Fatwā ein islamisches Rechtsgutachten bzw. ein Richterspruch ist, welches für alle Muslime verbindlich zu sein scheint. In der Tat gibt es islamische Gruppierungen, die sich teilweise darauf berufen und in Beweisfällen eher eine Fatwā als Erklärung vorbringen als ein Beweis aus dem Qur’an oder aus den Überlieferungen des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm) und seiner Gefährten.

Man kennt den Begriff „Fatwā“ vermutlich am Besten durch den ehemaligen Staatsführer Ayatollah Khomeini, welcher im Jahre 1989 eine Todesfatwā über den Schriftsteller Salman Rushdie sprach, der in seinem Buch „Die satanischen Verse“ wegen angeblicher Gotteslästerung und Abfall vom Islam bestraft werden sollte. Gleichzeitig muss man dazu sagen, dass die Gültigkeit dieser Fatwā von den meisten Muslimen angezweifelt wird.

Auch Osama Bin Laden verkündete eine Fatwā, die den heiligen Krieg aller Muslime gegen die USA und ihre Verbündeten zur Pflicht machen sollte. Jedoch muss man in diesem Falle sagen, dass diese Fatwā völlig unverbindlich war, da Bin Laden nicht die notwendige religiöse Ausbildung dafür besaß, um islamische Rechtsgutachten aussprechen zu dürfen. Nichtsdestotrotz, selbst wenn er diese Bedingungen erfüllt hätte, würde sich nicht automatisch eine verbindliche Rechtsgültigkeit seiner Fatwā daraus ableiten.

In simplen Worten:

Gläubige entscheiden selbst, ob sie eine Fatwā annehmen oder ablehnen wollen. Ihre Entscheidung müssen sie allein vor Gott verantworten.

Papier und Feder

 

 

Was genau ist eine Fatwā?

 

Fatāwā (pl.) sind Lehrmeinungen von islamischen Gelehrten zu nicht eindeutigen Regelungen innerhalb der Schari’a. Die Umsetzung von Fiqh- und Scharia-Normen muss man deshalb auch unterteilen, indem man verstehen lernt, dass Gerichtsurteile ah-kaamu qadaa sind, während eine Fatwā als ah-kaamu diyaanah verstanden wird.
Eine Fatwā appelliert in der Regel an das Gewissen des bzw. der Fatwā-Erfragenden und hat oftmals jenseitige Dimensionen, während, um ein Gegenbeispiel aufzuzeigen, ein Gerichtsurteil auf Basis überprüfbarer Fakten gründet und diesseitige Dimensionen hat, die von der Verantwortung im Jenseits nicht befreien. Eine Fatwā ist nichts anderes als ein Rechtgutachten eines islamischen Rechtsgelehrten. Es ist, wie obig schon geschrieben, kein Urteil eines Richters (arab. Kadi), sondern eine Empfehlung eines/ einer Wissenden (arab. Faqih oder Mufti).

Braucht eine Muslimin/ ein Muslim einen Rat, so geht sie bzw. er zu einem/ einer Wissenden und fragt nach deren gelehrter Meinung zu einem offenen Problem. Auch wenn viele der Ansicht sind, dass Muslime diesen Lehrmeinungen blind folgen, so ist die Realität eine andere, und es gibt, wie so oft im Islam, die Möglichkeit, diese Gelehrtenmeinung anzunehmen oder abzulehnen. Des Weiteren kann der/ die FragestellerIn mit demselben Anliegen auch zu anderen Gelehrten gehen und sie nach ihrer Meinung befragen. Möglicherweise kommt dann ein angenehmeres Ergebnis als Ratschlag dabei heraus.

Papier und Feder

 

 

Aus was besteht eine Fatwā?

 

In der Regel besteht eine Fatwā aus zwei Teilen:

1. Schilderung des Sachverhalts, die mit der Frage des/der Ratsuchenden abschließt.

2. Antwort des Faqih/ Mufti, die aus einer einfachen Zustimmung oder Ablehnung bestehen kann. Bei schwierigeren Fragen wird die Antwort begründet, zum Teil unter Angabe de Quellen, auf die er oder sie seine oder ihre Entscheidung stützt.
Es reicht nicht aus, dass ein(e) Wissende(r) das Problem nur erörtert und auf andere Rechtsgelehrte hinweist. Er oder sie muss eine Entscheidung fällen, und sich dann auch selbst nach ihr richten.

Papier und Feder

 

 

Wer darf eine Fatwā erstellen und herausgeben?

 

Diese Normen werden von weiblichen wie männlichen qualifizierten Gelehrten aus dem Qur’an und den Überlieferungen des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm) und seiner Gefährten abgeleitet. Zur Qualifikation dieser Gelehrten gehört folgendes:

Das Erreichen der Geschlechtsreife, die Zurechnungsfähigkeit, die Vertrauenswürdigkeit, Redlichkeit und Geradlinigkeit, das Fiqh-Talent, das Wissen über die Idschma-Fälle, die Beherrschung von Usul-Fiqh, das Wissen über den Qur’an und seine Wissenschaftsdisziplinen und insbesondere über die Verse der Normen, über das Abrogierte und Abrogierende und über die Hinabsendungsanlässe, das Wissen über die Sunnah und deren Überlieferungen und Disziplinen (fundierte Kenntnisse z.B. der Sahih-Bücher der Imame Al-Bukhary und Muslim, u.a.), sowie die Beherrschung der arabischen Sprache.

Fakt: Nicht jeder Muslim kann so einfach ein Fatwā -Herausgeber sein oder werden.

Papier und Feder

 

 

Wie war es zu Zeiten des Propheten (Frieden und Segen seien auf ihm)?

Zu Lebzeiten des Gesandten Muhammad saw lag die Autorität zur Erläuterung und zum Erlass von Fatāwā einzig und allein in seiner Person. Seine Anordnungen waren für die damaligen Musliminnen und Muslime verbindlich, hatten Gesetzescharakter und wurden von ihnen beachtet, akzeptiert und umgesetzt.

Da aber im Laufe der Zeit die islamische Gemeinde wuchs, und sich nicht alle Muslime ständig in unmittelbarer Nähe des Propheten befanden, um ihn in bestimmten Situationen des täglichen Lebens und in Zweifelsfällen nach der passenden Verhaltensweise zu fragen, begannen die Muslime bereits zu seinen Lebzeiten selbständig Idschtihad zu praktizieren, das heißt, sie bildeten sich ihr eigenes Urteil unter Berücksichtigung aller ihnen bekannten Qur’antexte und Empfehlungen des Gesandten und handelten danach.

Papier und Feder

 

 

Wie entstanden die ersten Fatāwā?

 

Im Qur’an steht folgendes:

„Sie werden dich fragen, was sie für andere ausgeben sollen. Sag: „Was immer von eurem Reichtum ihr ausgebt, soll (zuerst) für eure Eltern sein und für die nahen Verwandten und die Waisen und die Bedürftigen und den Reisenden; und was immer Gutes ihr tut, wahrlich, Gott hat volles Wissen davon.““ (Qur’an 2:215)

„Sie werden dich fragen nach dem Kämpfen im heiligen Monat. Sag: „kämpfen in ihm ist eine schreckliche Sache; aber Menschen vom Pfad Gottes abwenden und Ihn leugnen, und (sie abwenden von) dem Unverletzlichen Haus der Anbetung und seine Leute von dort vertreiben – (all dies) ist noch schrecklicher in der Sicht Gottes, da Unterdrückung schrecklicher ist als Töten“…“ (Qur’an 2:217).

Hier sind Gott und der Prophet Muhammad saw die Instanzen, an die sich die Muslime der medinensischen Gemeine bei Problemen und Auseinandersetzungen zu wenden hatten:

„O ihr, die Glauben erlangt habt! Gebt acht auf Gott und gebt acht auf den Gesandten und auf jene von euch, die mit Autorität betraut worden sind; und wenn ihr über irgendeine Sache uneinig seid, bringt sie vor Gott und den Gesandten, wenn ihr (wahrhaft) an Gott und den Letzten Tag glaubt. Dies ist das Beste (für euch) und am besten am Ende.“ (Qur’an 4:59).

Papier und Feder

 

 

Gibt es einen Unterschied in den Bedingungen im sunnitischen und schiitischen Islam?

Ich muss gestehen, dass ich mich mit der schiitischen Theologie kaum auskenne, allerdings habe ich es bisher so verstanden, dass innerhalb der Schia Fatāwā nur von der geistlichen Elite gemacht werden dürfen. So scheint es zu sein, dass wenn das geistliche Oberhaupt eine Fatwā herausgibt, diese für alle Schiiten bindend ist. Für private Angelegenheiten können sich schiitische Gläubige einen persönlichen spirituellen Führer suchen, dessen Fatwā sie anerkennen. So ergeben sich Gemeinden, die einem Geistlichen folgen.
Wer sich im schiitischen Islam an einen bestimmten Geistlichen bindet, und von ihm ein Gutachten erhält, ist daran auch gebunden, anders als bei den Sunniten, die gegebenenfalls bei einem zweiten Rechtsgelehrten eine neue Fatwā in Auftrag geben können.

Das war ein kleiner Einblick in die Welt der Fatāwā (islamischen Rechtsgutachten). Darüber hinaus gibt es viel mehr zu schreiben und zu berichten, nur sollten diese Gedanken eine kurze Vorlage zum Thema geben, damit Missverständnisse zum ihm aus dem Weg geräumt werden können…so Gott will.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Hallo und Assalamu Alaykum,

Baby

 

 

 

 

 

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.

Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931

♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

„Schulisch oder spirituell gelebter Glaube“

Seit geraumer Zeit gibt es endlose Debatten innerhalb der muslimischen Community, wie der Glaube gelehrt, gelernt und gelebt werden sollte, müsste oder könnte. Die erste Debatte, die mir noch in vager Erinnerung bleibt, ist die im Ramadan 2011 (und danach), welche wohl als die „liberal-konservativ“-Debatte in die Geschichte eingehen wird. Nebst dieser Debatte hat es seitdem unzählige ähnliche Diskussionsthemen gegeben, die letztendlich meist zu zwei Lagern führten: auf der einen Seite sahen/ sehen sich die traditionellen Muslime, die versuch(t)en den Islam in seiner herkömmlichen, zumeist konservativen Art und Weise weiterzugeben bzw. durchzusetzen, oder noch besser an ihm festzuhalten, und auf der anderen Seite hatte sich eine neue ‚Front’ der progressiven/ liberalen Muslime zusammengefunden. Jede ‚Seite’ schien das Recht des Glaubens, wie er gelebt werden sollte, für sich gepachtet zu haben, und dementsprechend wurde und wird sich weiterhin verhalten.

Die Debatten um das „WIE“ der Islam gelehrt, gelernt und gelebt werden soll, halten weiterhin an, nur hat sich die Tragweite dessen über die letzten Jahre sehr verändert. Somit ist sie längst nicht mehr ein Grund zu Meinungsverschiedenheiten unter Individuen, sondern nun greifen sich islamische Verbände gegenseitig an, oder noch viel tragischer, diese raufen sich zusammen, um gegen einzelne Menschen aus ihrer eigenen Mitte anzugehen und diese zu bekämpfen. Diese Auseinandersetzungen kann man schon fast als Politikum innerhalb der religiösen Gemeinschaft sehen, und wenn man sich eine Meinung dazu gebildet hat und diese auch öffentlich vertritt, so wird man sehr schnell in eine Schublade gesteckt, egal ob diese nun dem traditionellen oder progressiven Spektrum angehört. So oder so, man bekommt sein Fett weg, wenn man dazu etwas zu sagen hat. Somit besser schweigen und nur beobachten? Für den einen oder die andere wäre das sicherlich von Vorteil und man könnte sein Leben viel entspannter leben. Die Frage stellt sich nur, ob man das wirklich möchte, oder ob man die Veränderung sucht. Wenn Letzteres der Fall ist, dann sollte man seine Stimme durchaus erheben und sich für seine Gedanken und Thesen einsetzen.

Prayer room

 

 

 

 

 

Die Frage hier stellt sich nicht, ob man nun dem konservativen oder liberalen Spektrum angehört. Es ist nebensächlich, ob andere einen in die eine oder andere Schublade stecken, denn egal in welche man von anderen hineingesteckt wird, man kann es selbst meist nur wenig beeinflussen. Je nach Charakter und auch Lebensart steckt in jedem Menschen ein gewisser Automatismus Schubladendenken anzuwenden. Das macht es einfacher zu kategorisieren und einzuteilen, wer zu wem gehört, wem man vertrauen kann und verstärkt das Gruppenzugehörigkeitsgefühl.

Herausgefunden habe ich, dass der Glaube von uns Musliminnen und Muslimen in unterschiedlicher Art und Weise gelebt wird, daher auch meine Überschrift „Schulisch oder spirituell gelebter Glaube“.

Was bedeutet das genau?

Es gibt Glaubensgeschwister, die den Islam schulisch/ akademisch lehren, lernen und leben.

Es gibt Glaubensgeschwister, die den Islam auf spirituelle Art und Weise lehren, lernen und leben.

Und es gibt Glaubensgeschwister, die den Islam schulisch erwirkt spirituell leben.

In allen drei Gruppen gibt es Musliminnen und Muslime, die dem ‚konservativen’ oder dem ‚liberalen’ Bereich angehören, jedoch gibt es auch welche, die sich in keine dieser Kategorien wieder finden werden.

Erhellendes

Was ist denn ein schulisch gelebter Islam?

Ich kann hier nur meine Gedanken wiedergeben, aber für mich ist der Islam vieler neuer Muslime oder Muslime, die sich gerade im Glauben wieder finden bzw. wieder gefunden haben, die einen angelernten Islam praktizieren.

 

Es wird somit etwas Faktisches gelehrt, und dann oftmals eins zu eins in die Tat umgesetzt. Gefühle und Emotionen sind dabei meist nebensächlich. Wichtig ist, dass man den religiösen Pflichten nachkommt, diese einhält und dabei versucht mit bestem Wissen und Gewissen Gott durch eben diese Einhaltung zu gefallen. Dieser Islam wird an Schulen, Koranschulen, Moscheen und anderweitigen Lehrinstituten und vielleicht, wenn auch eher selten, zuhause gelehrt und dann (oftmals) konsequent praktiziert. Ob dabei wirklich Emotionen vorkommen oder nur die Angst, dass etwas passieren könnte, wenn man etwas nicht einhält, scheint umstritten und auch ich vermag dazu keine spezifische Meinung abzugeben, denn jeder Mensch ist anders. Es kommt zudem auf die Lehrerin bzw. den Lehrer an, wie sie bzw. er anderen etwas beibringt. Ist es mehr faktisch als emotional, wird die Praxis dementsprechend sein.

Da ich selbst an unterschiedlichen Islam-Unterrichten teilgenommen habe, liegt es oftmals am Lehrkonzept und auch an der Lehrkraft, wie man den Stoff annimmt, lernt, und dann für sich selbst umsetzt. Zu Anfang meiner Konvertierung nahm ich an einem Unterricht teil, der recht faktisch war, teils Qur’an-bezogen (überwiegend wortwörtlich verstanden) und viel auf Gelehrtenmeinungen basierend. Jahre später nahm ich an einem anderen Unterricht teil, der viele Bereiche des Islams (Qur’an, Hadithwissenschaft, Aqida, Scharia, Fiqh, u.v.m.) abdeckte, und uns Studenten lehrte sich selbst einen Reim draus zu machen.

Fakt ist, dass die meisten ReligionspädagogInnen, IslamwissenschaftlerInnen, Islam-LehrerInnen und Islam-TheologInnen einen faktischen Islam versuchen zu erarbeiten und zu repräsentieren. In Deutschland ist es besonders präsent, denn lieben wir Deutschen nicht ein wenig Ordnung und Organisation? Mögen wir es nicht Listen abzufrühstücken und unser Wissen unter Beweis zu stellen? Wir liebäugeln primär mit der Praxis eines schulisch gelehrten Islams, denn dieser ist nicht kompliziert, sondern sagt uns, wie wir am Besten unseren Glauben leben können, um Allah zu gefallen. Deshalb fällt es uns – insbesondere KonvertitInnen – weniger schwer sich an Gebote und Verbote zu halten, denn schließlich sind wir größtenteils darauf getrimmt. Das einzige Manko an der ganzen Geschichte ist, dass bei allem Eifer den Islam bestmöglich zu leben, die Spiritualität, das mit Allah „eins werden“ und Ihm wirklich zu dienen, indem man sich selbst öffnet und nicht nur streng nach den Regeln lebt, oftmals auf der Strecke bleibt.

Herz im Baum

Was ist ein spirituell gelebter Islam?

Gelebter Glaube hat viel mit Emotionen zu tun. Es gibt Menschen, die vom Islam spirituell angezogen wurden, ohne den Qur’an in die Hand genommen zu haben. Vielleicht ist es die spezielle Eigenart des Menschen, das ihn in dieser Hinsicht so besonders macht.

Andere brauchen ihre Zeit, um in ihrem Glauben die Spiritualität lernen und fühlen zu können. Unter uns: Das Spirituelle im Islam habe ich erst Jahre nach meiner Konvertierung wahrgenommen. Wahrscheinlich musste ich erst den ‚schulischen’ Islam kennen lernen, bevor sich meine Seele dem Spirituellen öffnen konnte.

Das Spirituelle des Islams ist der Kern der Religion. Man kann sagen, dass es das Herzstück ist, welches man pflegen muss. Ist das Herz krank, weicht die Spiritualität von einem und wird vom Faktischen möglicherweise wieder überrollt. Die Spiritualität des Islams lässt sich nicht in wenige Worte fassen, sondern umfasst vielmehr ein Gefühl des Einzelnen, welches sich aber bei jedem individuell entwickelt. Das bedeutet im Endeffekt auch, dass der- bzw. diejenige, der/ die sich dem spirituellen Glaubenspfad öffnet, der schulischen Praxis eine neue Wende gibt, in der man sich viel tiefgreifender mit dem Glauben, mit Gott, und mit seinen Mitmenschen, aber auch sich selbst beschäftigen kann. Ohne die Spiritualität, dieses innere, warme, liebende Gefühl, dass einen mit Emotionen erfüllt, kann man de facto nur schulisch praktizieren. Doch Glaube will nicht nur praktiziert, sondern gelebt werden.

Weiße Rose

Manche glauben, dass es Spiritualität im Islam nicht gibt. Dass es nur Regeln gibt. Nur Gebote und Verbote. Und wer sich an die Gebote und Verbote nicht hält, dem blüht nichts Gutes. Wer sich aber über diesen faktisch gelebten Islam hinwegsetzt und sich inniger und tiefergehend mit den Eigenschaften des Glaubens, mit Gottes Attributen und mit sich selbst als Mensch und DienerIn im Angesichte Gottes beschäftigt, wird herausfinden, dass es zwar einfacher ist sich nur schulisch mit der religiösen Praxis zu beschäftigen, aber es langfristig bereichernder ist sich mit den Sinnen des Glaubens, wie Liebe zu Gott und den Menschen, Nächstenliebe, Zuneigung, Toleranz, Fairness, und Gerechtigkeit auseinanderzusetzen und diese für sich zu gewinnen, um sie dann für sich und andere anzuwenden.

Nur kurz zurück zu den Debatten, denen wir zurzeit „ausgesetzt“ sind. Es scheint endlos und nervig für die einen zu sein, wenn man nur noch zu lesen bekommt, wie sich ein einzelner Mensch gegen Massen für seine Ansichten und Thesen wehren muss. Namen müssen keine genannt werden, schließlich wissen die meisten Leserinnen und Leser, von wem ich hier schreibe. Meiner Meinung nach hat dies nichts mit einer „konservativ-liberalen“ Debatte zu tun, sondern allein mit der Angst der islamischen Verbände, die größtenteils den schulischen Islam vertreten, dass die Spiritualität des Glaubens zum Vorschein kommen könnte. Dabei ist der Islam ein von Spiritualität erfüllter Glaube, der nicht erst seit kurzem zu dieser Denkart einlädt.

Seit Anbeginn des Islams hat es schon immer Freidenker bzw. Freigeister gegeben, deren Ansichten keine bida (zu deutsch: Erneuerungen) sind, sondern sich durch die Jahrhunderte hinweg durchgezogen haben. Die traditionellen Denker haben sich letztendlich durchgesetzt, denn das ist eine meist recht einfache, aber straff organisierte Handlungsweise, wie der Glaube praktiziert werden kann. Werden die religiösen Quellen „anders“ interpretiert und verstanden, bedeutet das für viele Traditionalisten das Gefühl, ihnen wird der religiöse Boden unter den Füßen weggezogen.

Wesentliches

Sinn und Zweck ist es sich mit Kopf und Herz mit dem Glauben auseinander zu setzen, ihn verstehen und lieben lernen. Wenn dann auch noch die Akzeptanz vorhanden ist bzw. entwickelt wird, dass Andersdenkende genau das gleiche Recht haben so zu sein, wie sie es für richtig halten, dann ist schon ein großer Schritt in Richtung innerislamischer Toleranz getan. Dann gibt es auch keine Diskussionen mehr darüber, ob liberale Muslime besser als konservative Muslime oder vice versa sind, denn dann besteht nur noch die Aussage, dass der- oder diejenige besser als der oder die nächste ist, wer sich in Frömmigkeit übt – natürlich im menschlichen und spirituellen Sinne, schließlich ist die Glaubenspraxis kein Wahlkampf, sondern ein individueller Weg zu Gott.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂