♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,
Cuma

 

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 
Soziale Netzwerke: Im Dienste anderer oder sich selbst?!

Soziale Netzwerke stehen in diesen Zeiten für „lose Verbindungen von Menschen in einer Netzwerkgemeinschaft“. Wie die meisten von uns wissen, ist Facebook zurzeit das größte globale soziale Netzwerk mit über einer Milliarde von registrierten Nutzern. Aber auch wenn Facebook aktuell der Renner ist, so gab es vor Facebook oder in seinen Anfängen noch andere Internet Social Networks, wie zum Beispiel „wkw“ (wer kennt wen), „stayfriends“, „studivz/ meinvz“, in denen sich Nutzer tummel(te)n, um mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben oder zu kommen.

Ich habe mich monatelang geweigert mich auf Facebook anzumelden, denn mir war diese Online-Community nicht geheuer. Meine eindeutige Präferenz war mit Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben, aber durch andere Kommunikationsmöglichkeiten, wie Telefonieren, Emails oder sogar handschriftliche Briefe schreiben. Ich weiß, dass es altmodisch klingt, aber das Persönliche lag mir schon immer mehr als im blauen Dunst oder Nirvana als ein Nobody oder ein User von vielen zu verschwinden. Nicht, dass ich einzigartig sein wollte, nur fand ich den Gedanken eher unschön in der Masse möglicherweise verschluckt zu werden. Und man kann es nicht anders sagen: Man wird in der Masse der User von sozialen Netzwerken, wenn man nicht „besonders“ ist, verschluckt.

Social Networks

Dann kam der Tag X, an dem mein Bruder mich besuchen kam und meinen Rechner sah, mich fragte, ob ich „on“ sei und nachdem ich bejahte, richtete er mir meinen Facebook Account ein.

 

Meine Begeisterung hielt sich in aufrichtigen Grenzen, denn eigentlich hatte ich zu solch einer Zeitverschwendung gar keine Lust und bevorzugte die altmodische Art der Kontaktpflege, die persönlicher war bzw. ist, als die innerhalb der sozialen Netzwerke. Nun war Facebook eingerichtet und wenn ich mir heute Gedanken mache, welche Geschichten mein Profil von damals bis heute erzählen könnte, dann wäre ich in der Lage ein Buch darüber zu schreiben. Wobei…so öffentlich wie die Profile einsehbar sind (auch wenn man sie privatisiert), können auch andere Bücher über einen schreiben, denn die Informationen, die wir von uns preis geben, sind schier unglaublich.

Laut Tante Wiki weisen die sozialen Netzwerke des Internets Parallelen zu Briefformen auf, wie sie im 16. Jahrhundert in Europa üblich wurden: Um Mitteilungen gleich größeren Kreisen zukommen zu lassen, richtete der Briefeschreiber sein Schreiben nicht mehr nur an Einzelne, sondern in der Hauptsache gleich an eine größere Anzahl von Gesinnungsgenossen. Weit verbreitet waren damals Briefe, die aus zwei Teilen bestanden: dem „intimen“ Teil – entsprechend einer privaten Nachricht in einem sozialen Netzwerk – der sich nur an einen Adressaten richtete, und einen lose ins Couvert gelegten halböffentlichen Teil – die Nachricht an die Freunde in dem sozialen Netzwerk – der an Bekannte und Gleichgesinnte weitergereicht werden sollte, wenn er ihn für interessant hielt.

Wenn ich mir die vergangenen sechs Jahre anschaue, dann muss ich gestehen, dass es eine rasante Zeit gewesen und weiterhin ist und ich mich anhand meiner Online-Aktivitäten sehr verändert habe. Deshalb glaube ich, dass jeder Mensch, der sich mit Online-Aktivitäten beschäftigt, sich viel in der virtuellen Welt aufhält, sehr viel lernen muss, um sich zurechtzufinden und um herauszufinden, was in dieser virtuellen Welt echt ist, und wie man sich vor Gefahren dessen schützen kann.

Soziale Netzwerke haben meines Erachtens ihre Vor- aber auch ihre Nachteile:

Vorteil NachteilDie Vorteile, grob zusammen gefasst, sind, dass man mit Menschen aus der Vergangenheit in Kontakt wieder kommen, neue Menschen, Gleichgesinnte (oder auch KritikerInnen) kennen lernen und sich über alles und nichts, Gott und die Welt schon fast zwanglos austauschen kann.

Die Nachteile, grob zusammen gefasst, sind, dass man oftmals nicht weiß, mit wem man wirklich in Kontakt tritt, wen man so „nah“ an sich heran lässt und wie weit Menschen gehen, um Dein Vertrauen zu bekommen oder wirklich zu erschleichen.

Wie alles, was man im Leben macht, haben auch die Dienste der sozialen Netzwerke ihre positiven, aber auch ihre Schattenseiten. Je nachdem wofür man die sozialen Netzwerke nutzt, je nachdem ob man seinen eigenen wirklichen Namen oder ein Pseudonym verwendet, je nachdem aus welchen persönlichen, beruflichen, sozialen, kulturellen oder religiösen Motiven diese Dienste in Anspruch nimmt, Fakt ist: Du wirst im Netz eingesponnen und aufgesogen, und wenn man nicht höllisch aufpasst, dann nutzt das Netzwerk Dich aus, anstatt dass Du es zu Deinem Vorteil ausnutzt.

Meine bisherigen virtuellen Erfahrungen sind sehr vielfältig gewesen, sei es, dass ich studivz und meinvz frequentiert hatte, oder in diversen religiösen Foren, deutsch- wie englischsprachig, meine Kontakte suchte, um meinen Horizont zu erweitern und zu lernen. Und ganz ehrlich? Nicht immer ging das so gut aus, wie ich es mir erhofft hatte. Naiv war ich nicht, aber wahrscheinlich oftmals zu guter Dinge und positiver Hoffnung, dass der Versuch da war sich Freunde zu machen, wo es eigentlich keinen Bedarf gab. Die sozialen Netzwerke – abgesehen von Facebook – konnte ich binnen von zwei Jahren wieder verlassen. Es lag daran, dass die Communities allesamt zu Facebook und Twitter etc. hinüberliefen, und auch ich fühlte mich mehr oder weniger gelangweilt, denn mein ursprünglicher Grund diesen Netzwerken beizutreten war lediglich der, Kontakte für meine damalige Dissertation sowie in meiner Anfangszeit als „Neumuslima“ andere KonvertitInnen zu suchen und sich mit ihnen auszutauschen. Es war eine Erleichterung sich aus diesen Netzwerken zu entfernen und sich nur noch auf ein internationales Netzwerk zu konzentrieren, aber so einfach wie ich mir auch das vorgestellt hatte, war es nicht.

face

Die Liste der Freundesanfragen wurde immer länger. Leute woll(t)en Teil meines Netzwerkes sein, obwohl ich sie überhaupt nicht kannte oder im jetzigen Zustand nicht kenne. Ich habe mich immer gefragt, warum man „mein Freund“/ „meine Freundin“ sein möchte, obwohl man keinen blassen Schimmer hat, wer ich bin, was ich tue und wie ich persönlich wirklich drauf bin.

Bis heute kann ich es nicht verstehen. Mir war es von Anfang an wichtig mit offenen Karten zu spielen. Ich wollte im Internet genauso gesehen und verstanden werden, wie ich auch in der realen Welt kennen zu lernen bin. Deshalb habe ich Pseudonyme oder Fake-Profile in all meiner Zeit und Erfahrungssammlungen in diversen Netzwerken nie verstehen können. Wenn man etwas zu sagen hat, dann sollte man dahinter stehen, egal ob man dies nun in aller Öffentlichkeit, in der realen oder in der virtuellen Welt macht. Für mich kam der Knackpunkt auch noch dazu: Gott kann man nichts vormachen! Auch wenn man sich im Internet nur unter einem Fake oder Pseudonym gibt, Gott sieht alles, weiß alles und Er kennt Deine Absicht, noch bevor Du sie überhaupt gehegt hast.

Im Qur’an steht:

„Nun wahrlich, Wir sind es, die den Menschen erschaffen haben, und Wir wissen, was sein innerstes Selbst in ihm flüstert: denn Wir sind ihm näher als seine Halsschlagader.“ (Qur’an 50:16)

Nicht zu vergessen, was dort weiter steht:

„(Und so), wann immer die beiden Forderungen (seiner Natur) sich gegenüberstehen, von rechts wie von links streitend, nicht einmal ein Wort kann er äußern, ohne dass ein Beobachter bei ihm ist, immer gegenwärtig.“ (Qur’an 50:17-18)

Und was heißt das im Klartext für uns in diesem Zusammenhang?

Eigentlich ist es relativ einfach, wenn man nur ein wenig nachdenkt. Auch wenn dieses Social Networking eine Bombenidee ist und ich selbst gar keinen Zweifel an den guten Seiten dieses Kommunikationsmediums habe, so weiß ich auch, wenn auch leider eher aus selbst gelernten Erfahrungen der letzten Jahre, dass auch wenn man sich diesen sozialen Netzwerken hingibt, sich damit verschmelzen lässt, sei es freiwillig oder man wird einfach hineingesogen, so weiß Gott am Ende noch immer am Ehesten Bescheid, ob Deine Absicht, wie Du in diesen Netzwerken agierst, eine reine und fromme ist…oder eben nicht.
Diese sozialen Netzwerke lehren uns jeweils sehr viel, auch unterbewusst, wie andere Menschen ticken. Gut, nicht immer, denn Menschen sind nun einmal unterschiedlich und hin und wieder fallen wir leider auch auf Menschen herein, die nach außen hin die Unschuldigen und Gutmenschen darstellen, aber in Wirklichkeit ziemlich verbittert sind, wenn man ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt. Es sind die Fragen, die man an sich selbst stellen sollte, wenn man Teil eines sozialen Netzwerkes ist: Welche Gründe hat es, dass man in dem Netzwerk ist? Warum möchte man sich austauschen? Was hat man anderen mitzuteilen? Wen interessiert es, was Du zu sagen bzw. zu schreiben hast? Mit wem möchtest Du kommunizieren? Wie viele „Freunde“ muss man haben (oder auch nicht)? Was ist der Sinn und Zweck im Dienste eines sozialen Netzwerkes zu sein:

Ist man wirklich im Dienste anderer oder ist es ein Dienst von sich selbst?

Ich darf ich selbst sein

Nach all den Jahren im Internet habe ich gemerkt, dass, auch wenn es extrem viel zeitaufwendiger ist, die persönliche Kommunikation ein viel größeres Geschenk ist als sich mit zig Leuten zu umgeben, die einem nur nach dem Mund reden.

 

Ja, ich diskutiere gerne, insbesondere wenn es um religiöse Belange geht, aber auch im Sinne von Gerechtigkeit, Freiheit, Toleranz, Ethik, Meinungsfreiheit, Menschenrechte. Aber, die Aggressivität, welche einem heutzutage begegnet – auch unter so genannten liberal Gesinnten – nimmt mir doch oft den Atem. Und doch lerne ich damit umzugehen, indem ich mich von solchen Dingen fernhalte und mich auf Menschen konzentriere, mit denen ich Herz an Herz kommen kann: spirituell, geistig, menschlich.

Über die Jahre habe ich die unterschiedlichsten Personen übers Netz kennen gelernt, und in vielerlei Hinsicht bin ich sehr dankbar dafür, denn sie alle – obig positiv oder negativ – prägen die Person und den Charakter, was ich heute bin.

Das Internet ist zu einem wichtigen Teil unseres Lebens geworden und die meisten von uns nutzen es als Kommunikationsmittel, um mit Familie, Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Egal in welchem Alter wir sind – die jüngsten von uns bekommen leider schon durch ihre Eltern einen Account angelegt (wovon ich persönlich gar nichts halte, aber das ist ja Ansichtssache) und die älteren Damen und Herren bemühen sich im Laufschritt mit den 20ern bis 50ern mitzuhalten – die meisten von uns sind in sozialen Netzwerken aktiv. Viele glauben, dass sie damit mitten im Geschehen sind, aber vielleicht schon einmal darüber nachgedacht, dass wir uns durch diese Art von Kommunikation auch isolieren und abschotten? Zudem ist es so, dass falsche Informationen schnell ihren Umlauf machen und dies zu Problemen, insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich, kommen kann. Daran ist aber letztendlich nicht das Internet, sondern der Nutzer bzw. die Nutzerin schuld.

Brücken

Soziale Netzwerke können Menschen voneinander entfernen oder Menschen aus aller Welt zusammen bringen. Es bietet die Möglichkeit mit unbekannten (und bekannten) Menschen zu chatten, aber kann gleichzeitig für gute wie auch für schlechte Zwecke genutzt werden.

 

Ich habe es selbst erlebt, indem ich über die Jahre Menschen kennen gelernt habe, die ich vielleicht lieber nicht hätte kennen lernen sollen (wobei alles irgendwo seinen Grund, Sinn und Zweck hat) und dann wiederum Menschen kennen gelernt habe und weiterhin kennen lerne, die meine Seele berühren und ähnliche Gedankengänge aufweisen.

Der Qur’an sagt eindeutig:

„O Ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Keine Männer sollen (andere) Männer verspotten: es mag gut sein, dass jene (die sie verspotten,) besser als sie selbst sind; und keine Frauen (sollen andere) Frauen (verspotten): es mag gut sein, dass jene (die sie verspotten;) besser als sie selbst sind. Und ihr sollt einander auch nicht verleumden, noch einander beleidigen durch (schimpfliche) Beinamen: übel ist alle Unterstellung von Frevelhaftigkeit (,) nachdem einer Glauben erlangt hat; und diejenigen, die (dessen schuldig werden und) nicht bereuen – es sind sie, sie, die Übeltäter sind.“ (Qur’an 49:11)

Fast noch wichtiger, was ich immer wieder in sozialen Netzwerken feststelle, insbesondere, wenn ich Personen näher kenne und dann noch in Enttäuschung gerate ist, wenn etwas „Unvorhergesehenes“ passiert, aber der Qur’an Folgendes sagt:

„O Ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Vermeidet die meiste Vermutung (übereinander) – denn, siehe, manche (solcher) Vermutung ist (an sich) eine Sünde; und spioniert einander nicht nach, und erlaubt euch selbst auch nicht schlecht übereinander hinter euren Rücken zu reden. Würde irgendeiner von euch das Fleisch seines toten Bruders essen mögen? Nein, ihr würdet es verabscheuen.“ (Qur’an 49:12)

Es wird immer soviel von Anonymität im Internet gesprochen und geschrieben, doch bin ich mir fast sicher, dass dieses ganze Gerede um Anonymität wirklich eine Farce ist. Sicherlich, wenn man mit Fake-Profilen und Pseudonymen arbeitet, kann man diese Nische für sich vereinnahmen, aber wer mit seinem wahren Gesicht (und Namen) auftritt, ist nicht länger anonym. Somit ist alles, was man von sich im Internet gibt, auf alle Zeit auch im Internet, jedoch auch irgendwann in der realen Welt zu finden. Beleidigungen, Beinamen unschöner Bedeutung und Lästerei sind nicht harmlos, weder für das Opfer noch letztendlich für den Täter/ die Täterin.

Es gibt ein Sprichwort unseres Propheten Muhammad saw:

Es zählt bereits als eine Sünde, auf einen anderen Muslim herabzusehen.“(Riyâz as-Sâlihîn, 3/156)

Egal, was wir machen, wir dürfen nicht vergessen, dass Gott uns wegen unseres Verhaltens, ob in der realen oder in der virtuellen Welt zur Rechenschaft ziehen wird.
Somit kann ich nur raten, soziale Netzwerke für etwas Gutes und im Guten zu nutzen und sich „von allem Nichtswürdigen fernzuhalten“ (Qur’an 23:3)

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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