♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

’Aqida – Was genau ist das?

Durch die vielen Gespräche, Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Glaubensgeschwistern kommt immer wieder das Wort „’Aqida“ zum Vorschein. Oftmals wird mit diesem Wort, aber auch mit anderen theologischen Ausdrücken um sich geworfen, ohne dass man sich inhaltlich wirklich mit der Bedeutung auseinandersetzt oder auseinandergesetzt hat.

Da viele von uns Musliminnen und Muslimen zwar glauben, dass sie die Bedeutung von ’Aqida kennen und genau deshalb versuchen anderen Glaubensgeschwistern diese nahe zu bringen, möchte ich den heutigen Freitagstext zum Anlass nehmen, um ein wenig über mein Verständnis von ’Aqida mitzuteilen, wie ich es gelernt habe und heute verstehe. Warum mache ich das? Die Antwort dazu ist eigentlich ganz einfach, wenn auch etwas deprimierend zugleich:

Viele von uns – damit meine ich nun ausschließlich Muslime, da ich bisher keinen Nichmuslimen begegnet bin, die aggressiv mit theologischen Begriffen um sich werfen – glauben, dass wenn sie ein paar islamische Fachbegriffe (vermeinen zu) kennen, dass sie damit auch das komplette Wissen über den Glauben für sich vereinnahmt haben und sich dann in der Lage glauben zu befinden, andere Menschen, die nicht nach deren Fasson denken, verstehen, leben und/ oder praktizieren, das „Richtige“ beibringen zu wollen. Die Krux an der ganzen Sache ist aber, dass Begrifflichkeiten hochsensibel und man sich erst inhaltlich damit auseinandersetzen sollte, bevor man mit diesen in der Welt um sich wirft. Ich muss oft lesen (Gott sei Dank selten hören), wie einem die ’Aqida abgesprochen wird, sei es bei meiner Wenigkeit, aber leider auch bei vielen anderen Glaubensgeschwistern. Es wird sich als „Alleinherrscher(in)“ und „Alleswisser(in)“ aufgespielt, und am Ende kommen, wenn es keine rationalen und religiösen Argumente mehr gibt, Beleidigungen, das Absprechen des Glaubens, und Vorhaltungen, dass man ja kein islamisches Wissen habe. Um diesem immer wiederkehrenden Tenor mal auf die Füße zu treten, fühle ich mich dazu verpflichtet zum Thema ’Aqida ein paar grundlegende Erklärungen abzugeben, damit man mal weiß, was dieser Begriff bedeutet und was er beinhaltet.

Aqida

 

Die Bedeutung von ’Aqida

Al-’Aqida ist die Gesamtheit der auf den primären Quellen, dem Qur’an und der Sunnah, basierenden Iman-Inhalte, die Muslime bewusst als unbestreitbare Gewissheiten verinnerlichen. Metaphorisch betrachtet, bilden die Iman-Inhalte zusammen mit der Persönlichkeit der Muslime, ihrem Geist und ihrer Seele eine untrennbare Verbindung.

 

Kerze und Feder

 

Was beinhaltet die ’Aqida?

 

Ihr Inhalt wird – im sunnitischen Islam – durch die sechs Iman-Artikel definiert:

1. Der Iman an Gott, an Seine Einheit und Einzigartigkeit;
2. Der Iman an die Engel;
3. Der Iman an die von Gott hinabgesandten Schriften;
4. Der Iman an die Gesandten Gottes und an Muhammad saw als den letzten Gesandten;
5. Der Iman an den Jüngsten Tag;
6. Und der Iman an Al-Qadaa und Al-Qadar, an das Vorauswissen und die Bestimmung Gottes über Seine Geschöpfe.

Diese Iman-Artikel sind der Inhalt der ’Aqida und werden von Muslimen mit Hilfe sowohl des Qur’ans und der Sunnah als auch deren Vernunft, im spirituellen, emotionalen aber auch rationalen Sinne verinnerlicht.

Quran

 

 

Was sagt der Qur’an dazu?

 

„Der Gesandte und die Gläubigen mit ihm glauben an das, was ihm von droben erteilt worden ist von seinem Erhalter: sie alle glauben an Gott und Seine Engel und Seine Offenbarungen und Seine Gesandten, ohne einen Unterschied zwischen irgendeinem Seiner Gesandten zu machen; und sie sagen: Wir haben gehört, und wir geben acht. Gewähre uns Deine Vergebung, o unser Erhalter, denn bei Dir ist aller Reisen Ende!“ (Qur’an 2:285)

Was wichtig und nicht zu vergessen ist, dass man dieses Wissen nicht nur einfach nach Außen praktizieren, sondern verinnerlichen soll. Wie sicher schon oft von mir gesagt oder geschrieben wurde, interessiert Gott sich seltener bis gar nicht für die Äußerlichkeiten des Menschen, sondern Ihm ist es nur wichtig, dass man „verinnerlicht“:

„O ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Haltet fest an eurem Glauben an Gott und Seinen Gesandten und an die göttliche Schrift, die Er von droben Seinem Gesandten, Schritt für Schritt, erteilt hat, wie auch an die Offenbarung, die Er vordem herabgesandt hat: denn wer Gott leugnet und Seine Engel und Seine Offenbarungen und Seine Gesandten und den Letzten Tag, der ist fürwahr weit irregegangen.“ (Qur’an 4:136)

 

Licht aus islamischer Kunst

 

Die ’Aqida – ein fundamentales Element des Islams

Die Verinnerlichung der ’Aqida ist eine der Grundvoraussetzungen für die Zugehörigkeit zum Islam. Die Iman-Inhalte, zu denen Gott die Menschen eingeladen hat, sind unverändert geblieben seit Anbeginn der Botschaft an Adam bis hin zur letzten Botschaft des Gesandten Muhammad saw. Alle Gesandten Gottes haben die Menschen dazu aufgefordert, den Iman an Gott, Seine Engel, Seine Gesandten, Seine Schriften, den Jüngsten Tag, die letzte Abrechnung, Paradies und Hölle zu verinnerlichen.

Über das „Wie“ und „Warum“ lässt sich sicherlich diskutieren, denn jeder Mensch hat eine andere, eine persönliche Wahrnehmung und einen sehr individuellen Zugang zur Verinnerlichung dieser Inhalte.

Beweise

 

Was ist noch wichtig?

 

Wenn man eine Hypothese oder eine Aussage überprüfen möchte, bedient man sich in der ’Aqida einer bestimmten Form der wissenschaftlichen Methodik. Somit ist hier schon einmal festzustellen, dass die Wissenschaft ein eklatanter und nicht wegzudenkender Teil der Verinnerlichung und des Verständnisses des Glaubens ist:

1. Bei Überlieferungen muss (!) die Korrektheit nachgewiesen werden.
2. Bei Behauptungen muss (!) der Beweis erbracht werden.

Die Korrektheit einer Überlieferung wird durch den Nachweis der Richtigkeit des Überlieferungsweges, den Nachweis der Lückenlosigkeit der Tradentenkette von der Quelle bis zur schriftlichen Aufzeichnung, und den Nachweis der Vertrauens- und Glaubwürdigkeit, der Merk- und Erinnerungsfähigkeit und der kommunikativen Kompetenz aller Überlieferer, bewiesen.

 

Zusammenfassung’Aqida – einfach zusammen gefasst

’Aqida ist Teil der islamischen Theologie und die Beschreibung der Glaubensprinzipien (Glaube an Allah, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Propheten, den jüngsten Tag und die Prädestination).

Wenn Ihr also bei der nächsten Diskussion oder beim nächsten Gespräch auf Eure ’Aqida angesprochen werdet, nehmt die Vorwürfe nicht persönlich, denn Unwissen ist weit verbreitet. Orientiert Euch daran, was Ihr beim heutigen Lesen vielleicht gelernt habt, lasst Euch nicht in die Ecke drängen, sondern verinnerlicht alles für Euch selbst. Der Weg zum Ziel ist beleuchtet, man muss ihn nur gehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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