♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Assalamu Alaykum,

Cuma

 

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

Erwartungen

Wünsche, Erwartungen, Forderungen – wir können uns diese als ein Kontinuum vorstellen. Wenn wir uns etwas wünschen, sind wir enttäuscht, es nicht zu erhalten. Wir sind frustriert. Erwarten wir etwas, dann ist die Enttäuschung schon größer. Fordern wir etwas und unsere Forderung wird nicht erfüllt, dann werden wir ärgerlich oder gar wütend und fühlen uns angegriffen. Je mehr Erwartungen oder Forderungen wir an andere oder das Leben haben, umso mehr laufen wir Gefahr, uns als Opfer der Umstände oder anderer Menschen zu sehen. Was Erwartungen und Forderungen von Wünschen unterscheidet, ist die Einstellung, dass wir auch ohne deren Erfüllung weiterleben können.

Erwartung

 

 

 

 

Je enger eine Beziehung wird oder je bekannter eine Person wird, desto leichter fällt es uns, gegenüber dieser Person bestimmte Erwartungen zu haben. Allerdings ist es ebenso riskanter, von eben dieser Person etwas zu erwarten. Nicht, weil die andere Person zu schlecht oder zu gut wäre, denn das wird diese in der Regel nicht sein, jedoch führen Erwartungen zu Passivität UND sie vergiften die (zwischenmenschlichen) Beziehungen.

Wer etwas erwartet, ist in einer Warteposition. Statt im eigenen Interesse zu handeln, wird oft erwartet, dass andere etwas für einen tun – sich nämlich so zu verhalten, wie es zu den unerfüllten Bedürfnissen von einem selbst, des oder der Wartenden, passt. Dabei bemerken wir, die erwarten, nicht, dass wir uns regelrecht abhängig machen. Das Resultat dieser Abhängigkeit führt oftmals dazu, dass wenn die Erwatung nicht erfüllt wird, Wut und Frustration zurückbleiben.

Erwartungen in zwischenmenschlichen Beziehungen

Erwartungen machen uns Menschen einsam, klein und im größten Maße psychisch und seelisch abhängig. Unser Problem ist, dass wir die Tendenz haben aus jeder Erfahrung eine Vorstellung und schließlich auch eine Erwartung zu entwickeln. Diese wiederum „helfen“ uns, das Leben zu strukturieren und einschätzbarer zu machen. Aber ist dem wirklich so? Oder ist es nicht eher ein Wunschdenken, welches wir mit unseren eigens entwickelten Erwartungen an den Tag legen?

Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass wenn wir eine Reise vorbereiten und wir uns anhand eines Reiseführers, aber auch Erzählungen von anderen Personen, ein Bild machen, entsteht eine Vorstellung von unserem Reiseziel sowie auch bestimmte Erwartungen, was am Reiseziel geschieht oder geschehen kann. Manche würden es sicher auch Risikoabwägung nennen. Das Hauptaugenmerk an dieser Sache ist, dass unsere Erwartungen alles zu dem reduzieren, was in unserer Erwartung erwartet wird. Macht das Sinn? Also: Wir stellen uns etwas vor, wie etwas sein soll, erwarten, dass es so sein wird bzw. werden könnte, sind aber gleichzeitig in der Falle enttäuscht werden zu können. Das ist die Enge unserer Erwartungen. Was von Vorteil hierbei wäre ist, dass man dieser Tendenz der Erwartung nicht auf den Leim geht und versucht, offen für jede Situation zu sein.

Riskante Methoden unserer fordernden Erwartungen

Wir alle haben Erwartungen. Die einen mehr, die anderen weniger. Wie wir damit umgehen, macht uns einzigartig. Man kann mit ihnen im Guten wie auch im Schlechten umgehen. Fakt ist, dass wir Menschen dazu geneigt sind – vielleicht sind wir einfach Kinder unserer Zeit, die dem ausgesetzt sind und nicht anders zu helfen wissen – sehr hohe Erwartungen an andere Menschen zu haben, oftmals ganz gleich, ob wir ihnen in zwischenmenschlicher Hinsicht nahe sind oder aus der Ferne ähnliche Interessen vertreten bzw. etwas vertreten, was andere auch vertreten sollten. Darin liegt unsere Erwartung, die taktisch gesehen nicht unbedingt immer von Nutzen für uns und andere sind. Hier ist mal eine Auflistung von Methoden, die riskant sind, aber durchaus vielen unserer Erwartungen entsprechen und dann die zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen zerstören:

Erpressung, Verführung, Eifersucht, Vorwürfe, Intrigen, Trennungsdrohungen, Vergleiche mit anderen Personen, taktischer Liebesentzug.

Wenn man sich diese Auflistung zu Herzen nimmt, wird man einsehen, dass man selbst unter solchen Methoden zu leiden hat, aber auch, dass man andere Menschen mit genau diesen Methoden zwingt die eigenen Erwartungen zu erfüllen.

Grundregeln zu Erwartungen an sich selbst und andere

Respektiere das Selbstbestimmungsrecht anderer und unterlasse alle Versuche der Manipulation und erst recht jede Drohung. Statt dem Anderen die Freiheit streitig zu machen, genau das zu tun, was er oder sie für richtig hält, nimm Dir selbst die Freiheit, konsequent in Deinem eigenen Interesse zu handeln. Statt die Freiheit des Anderen zu beschränken, nimm Dir selbst mehr davon. Denn: Wer die Freiheit von anderen einschränkt, macht sich unbeliebt und selbst unglücklich und unzufrieden. Aber wer den Mut zu freiem Handeln hat, der oder die wird respektiert.

Treppe ins Licht

 

 

 

 

 

Weil Erwartungen zum Leben gehören, ist es hilfreich, wenn wir uns immer wieder bewusst werden, was Erwartungen mit uns machen und mit denen, die unsere Erwartungen spüren. Sind wir ausgeglichen und zufrieden, offen und glücklich, in Selbstbestimmung lebend, sind unsere Erwartungen geringer, und die Erwartungsspannung auf ein Minimum reduziert.

Wie erwartet man nun weniger von anderen?

Der Trick ist sich folgendes klar zu machen und vielleicht immer wieder vor Augen zu halten:

– Wir alle sind nicht perfekt und fehlbar.
– Die meisten von uns gehen gerne den einfachsten Weg.
– Wir alle haben unser Päckchen zu tragen.
– Und wir alle geben irgendwo unser Bestes, auch wenn das dem einen oder anderen oft nicht gut genug ist.

Am besten können wir unser seelisches Gleichgewicht erhalten, wenn wir jede Erwartung oder Forderung in einen Wunsch verwandeln:

„Es wäre schön, wenn ….
Ich würde mich freuen, wenn …
Ich wünsche mir, dass … passiert“.

Bleibt der Wunsch unerfüllt, bleiben wir lediglich mit dem Gedanken zurück: „Schade, dass es nicht geklappt hat. Wäre schön gewesen“.

Konrad Adenauer sagte einmal:

„Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind. Andere gibt es nicht.“

Weiße Rose

 

Und was sagt uns der Islam dazu?

„„Keiner von euch ist gläubig, solange er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.“
(An-Nawawī, Buch der vierzig Hadithe)

 

 

 

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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