Vater Muslim…Kind Muslim?

Big Muslim litte Muslim Fragezeichen

 

 

 

 

 

Ist das leibliche Kind eines muslimischen Vaters automatisch Muslim?

Eine sehr interessante Frage, wie ich finde, der ich ein wenig nachgegangen bin.

Meinen Recherchen nach zu urteilen, ist im heiligen Qur’an nichts zu finden, dass ein Baby (egal ob Junge oder Mädchen) automatisch Muslim ist, nur weil der Vater/ Erzeuger des Babys Muslim ist.

Im Qur’an wird das Muslim-Sein nicht als separate Gruppe, sondern als eine innere Haltung verstanden. Das bedeutet, dass der Mensch aus freier Entscheidung – nicht die der Eltern – ein(e) Gottergebene(r) ist bzw. wird.

Entsprechend werden Abraham im Qur’an in 3:67, und Moses in 10:90 als Muslime betrachtet.

Das einzige, was aus dem Qur’an kommen kann ist, dass die Eltern bitten, dass ihre Kinder Muslime werden (siehe Qur’an 46:15) oder auch, dass Eltern ihre Kinder bitten bzw. auffordern Muslime zu sein (siehe Qur’an 2:132). Das bedeutet aber auch, dass es keinen religiösen Automatismus gibt, der von vielen Muslimen und Musliminnen vorausgesetzt wird. Somit kann man nicht einfach behaupten, dass das Kind eines muslimischen Vaters selbst automatisch Muslim bzw. Muslimin ist.

Nach dem Qur’an zu urteilen, liest man auch, dass man z.B. nur ein Mumin sein kann, wenn die innere Haltung und die dementsprechenden Handlungen passend und definiert sind. Somit geht die Gläubigkeit des Menschen nicht nach Abstammung, sondern nach individuellem Verhalten und Glauben.

Das Konzept der Fitra – jeder Mensch ist als Gottergebener (=Muslim) geboren – ist mir bekannt und auch, dass Neugeborenen aus muslimischen Familien die Schahada ins Ohr geflüstert wird.

Ersteres ist im Qur’an unter 30:30 zu finden, jedoch basiert letzteres nur auf der Sunnah, und ist mehr Tradition als Religion.

In einem Hadith von Bukhari steht außerdem drin: „„Jeder (Mensch) wird im Zustand der Fitra geboren (nach der Art und Weise des Erschaffens durch Gott). Als dann machen seine Eltern aus ihm einen Juden, Christen oder Zoroastrier.“

Das Elternteil kann nicht automatisch davon ausgehen, nur weil das Neugeborene die Schahada gehört hat, dass es nun Muslim ist. Das liegt ja am Menschen selbst, wie er sich im Laufe seines Lebens entwickeln wird. Das können die Eltern einem nicht religiös legitimiert aufzwingen. Zumindest gibt es dafür keine Basis im Islam. Religion ist im Islam nicht vererbbar.

Meiner Meinung nach sollte man seine religiösen Kenntnisse nicht nur auf Hören/ Sagen basieren, sondern sich mit den religiösen Quellen beschäftigen, damit man zu fundierten Erkenntnissen gelangt. Wichtig ist, dass man nicht nur nach den Überlieferungen oder eben Hören/ Sagen geht. Die Sunnah darf auch nicht im Widerspruch mit dem Qur’an sein…und da scheiden sich nämlich die Geister, weil viele die Sunnah dann doch vorziehen oder meinen besser als den Qur’an zu kennen.

Die Annahme, dass ein Baby Muslim ist, nur weil sein Vater Muslim ist, hat seinen Ursprung darin, dass zur Zeit der Offenbarung der Mann das Familienoberhaupt war und letztendlich die Verfügungsgewalt über alle familiären Angelegenheiten hatte. Auch ist es so, dass alle klassischen Rechtsschulen de Meinung vertreten, dass das Kind von mindestens einem muslimischen Elternteil – sei es Vater oder Mutter – automatisch als Muslim anzusehen ist. Ob man dieser Interpretation folgen möchte, sei jedem selbst überlassen.

Ein Kind „erbt“ somit im Islam nicht den Glauben seiner Eltern bzw. in diesem Sinne seines Vaters (wie es im klassischen Sinne jedoch die Annahme ist), sondern ist dazu aufgefordert, auch im religiösen Sinne, seinen eigenen Glaubensweg zu suchen und zu finden.

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4 Gedanken zu “Vater Muslim…Kind Muslim?

    • hannibalnur schreibt:

      Waalaykum Assalam Musa,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ist es aber nicht irgendwie merkwürdig, wie wir Menschen uns einfach dieses „Recht“ herausnehmen, jemanden einfach „islamisch“ zu machen, obwohl es gar nicht unser Recht ist? Ein Neugeborenes wird meines Erachtens nicht durch die Eltern islamisch bzw. muslimisch, nur weil es einen islamisch anmutenden Namen (der übrigens keine Pflicht ist – Konvertiten haben auch nicht die Pflicht sich nach ihrer Konvertierung einen „islamischen“ Namen zuzulegen) erhält oder die Schahada ins Ohr geflüstert bekommt. Oder steht das im Qur’an so drin? Ich habe nichts dergleichen gefunden. In Deinem Link stehen im Übrigen dazu auch keine religiös legitimierten Quellen (i.e. Qur’an und/ oder Sunnah). Ich tue mich somit sehr schwer, das einfach so zu akzeptieren. Deshalb mein obiges Statement. Aber wenn Du natürlich Quellen hast, die belegen, dass es so ist, dass ein Kind automatisch Muslim ist, wenn der Vater Muslim ist, dann würde ich diese gerne lesen.

      Herzliche Grüße und Salam

      Hannibal-Nur

  1. re·con·struct·iv·ism schreibt:

    Salam Alaykum Caroline,

    hier etwa ist eine vollständige sunnitische Beweisführung über den Ahdan im rechten Ohre eines neugeborenen islamischen Kindes:

    http://spa.qibla.com/issue_view.asp?HD=7&ID=13079&CATE=1

    Als Zaidi stimme ich den Teilsatz darin nicht zu: „We should point out that these rationales are not themselves proofs“, den aus unserer Sicht: Was nicht logisch ist, kommt auch nicht von Allah. Entsprechend würde ich also auch die logischen Aspekte etwa dieser sunnitischen Beweisführung inkluieren, ja sogar an erster Stelle setzen. Das mag ja ein jeder natürlich unterschiedlich bewerten, und wir haben die Ansichten aller zu respektieren.

    Somit handelt es sich hierbei nicht um ein „Recht der Eltern“, sondern vielmehr um ein „Recht des Kindes“ bzw. eine „Pflicht der Eltern“, die wir als solche sehr ernst nehmen sollten.

    Bezüglich des islamischen Namens: Da wir am Yaum al-Qiyamah durch unseren Namen zu Allah bzw. zu den Engeln berufen werden, hat jedes von islamischen Eltern abstammendes Kind (also zumindest ein Elternteil) ein Recht auf einen schön anmutenden und islamisch bekennenden Namen. Hier geht es wiederum um ein Recht der Kinder, und eine Pflicht der Eltern (das ist ja gewiss kein „Recht der Eltern“). Bei Volljährigkeit kann ja das nun erwachsen gewordene Kind seinen islamischen Namen ablegen, den Buddhismus akzeptieren und sich fortan „Mahadeva Buddha der 12.“ nennen.

    Eine Lösung für inter-religiöse Paare ist dann oft, gleich zwei Vornamen zu vergeben, zum Beispiel „Caroline Nuriyya“ und dergleichen. Dann hat das Kind eine islamische Bekennung einerseits, und andererseits die Möglichkeit sich später im erwachsenen Alter auf den nicht-islamischen Teil zu beziehen.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg und die Segnung Allahs, Caroline bei all Deinen Forschungen.

    In Frieden,
    Musa

    • hannibalnur schreibt:

      Waalaykum Assalam lieber Musa,

      entschuldige bitte meine sehr verspätete Antwort zu Deinem Kommentar. Ich bin durch einen anderen regelmäßigen Leser noch einmal auf dieses Thema aufmerksam gemacht worden und dabei ist aufgefallen, dass ich mich zu Deinem Kommentar gar nicht geäußert habe. Das tut mir sehr leid, war nicht meine Absicht und ich versuche jetzt mal dem irgendwie gerecht zu werden.

      Ich danke Dir für die verlinkte Erklärung. Soweit ich den Inhalt verstanden habe, basiert die Erklärung mehrheitlich auf der Sunnah, jedoch fußt es nicht auf den Heiligen Qur’an. Deshalb finde ich es etwas schwierig, wenn nicht sogar herausfordernd, das einfach so anzunehmen. Es besteht somit für mich noch immer keine plausible Erklärung mit qur’anischer Legitimation, dass ein Kind von einem muslimischen Vater selbst automatisch Muslim ist. Aus der Sunnah heraus, aber eher traditions- als religionsbezogen, kann ich diesen Schritt nachvollziehen, aber mein Gefühl sagt mir, dass es nicht wirklich islamisch aufgrund des Qur’ans ist, sondern vielmehr eine menschliche Tradition, die versucht wird religiös begründbar zu sein.

      Ich würde Dir beipflichten, dass es tatsächlich ein Recht des Kindes ist, aber eben auch selbst zu entscheiden, welchen Weg des Glaubens es gehen möchte. Gott lädt den Menschen ja ein in Seine Gemeinschaft zu kommen, aber nur der Mensch selbst kann für sich entscheiden, ob er dieser Einladung Folge leisten möchte oder nicht. Das kann kein anderer Mensch, auch nicht die Eltern, für einen entscheiden.

      Das mit dem islamischen Namen ist etwas, wo ich mich auch schwer tue. Die ersten Konvertiten zum Islam, zur Zeit des Propheten saw, behielten nach dem Übertritt zum Islam ihre Namen. Sie änderten sie nicht, oder wirklich nur in vereinzelten Fällen, von denen ich ganz ehrlich aber keine Ahnung habe. Somit waren die Namen selbst damals schon einfach „nur“ arabisch und hatten keine „islamische“ Bedeutung. Ist es irgendwo qur’anisch oder in der Sunnah verankert, dass man als MuslimIn einen islamischen Namen haben muss? Eine Schwester sagte mir das mal vor Monaten, konnte mir aber keine religiösen Beweise dazu geben. Und mir reicht es ganz ehrlich nicht, wenn man mir sagt, dass das einfach so ist ;-). Ich möchte für solche Statements gerne Fakten haben. Diese konnte sie mir leider nicht geben. Deshalb bin ich noch immer in der Annahme, dass es keine Pflicht ist einen islamischen Namen als MuslimIn haben zu müssen, sondern dass das eher ein traditioneller Wunsch ist, der aber keiner religiösen Beweislage entspricht.

      Letztendlich glaube ich, dass man nicht den Einfluss besitzt jemandem, auch wenn es ein Baby ist, zum Muslim oder zur Muslimin zu machen. Es mag auf dem Papier so stehen, aber ob es im Herzen ist, daran kann nur der Mensch selbst und seine Beziehung zu Gott etwas ausrichten…jedoch niemals Dritte.

      Aber Allahu Aleem.

      Vielen lieben Dank noch einmal für Dein Input. InshaAllah bald wieder. Dir eine gute und segenreiche Zeit.

      LG und Salam

      Hannibal-Nur

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