Die Liebe der Mystiker

Sufi Liebe

Die Liebe der muslimischen Mystiker ist ganz und gar Gott zugewandt, dem höchsten Ziel ihres Strebens. In dieser Hinsicht deckt sie sich vollkommen mit der göttlichen Liebe, die wir an anderer Stelle sehen und behandeln.

 

Die Differenzen in der Bewertung sind unter den Sufis jedoch so groß und oft so fein, dass es uns nützlich erscheint, die Einträge dessen zusammenzufassen.

Der Bagdader Mystiker des 11. Jahrhunderts, Qushairi, hat in seiner Risala unter dem Kapitel Mahabba die Mehrzahl der Definitionen der Liebe, welche die Sufis seiner Epoche formuliert haben, gesammelt und geordnet. Seine Arbeit stellte er unter das Motto des folgenden Qur’anverses:

Quran

 

„O ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Wenn ihr jemals euren Glauben aufgebt, wird Gott beizeiten (an eurer Stelle) Leute hervorbringen, die Er liebt und die Ihn lieben…“ (Qur’an 5:54)

 

Derselben Quelle zufolge soll der Prophet Muhammad saw gesagt haben:

Feder„Wenn Gott der Allerhöchste einen seiner Diener liebt, sagt Er zu Gabriel: ‚O Gabriel, ich liebe jenen dort, liebe du ihn auch’. Also liebt Gabriel ihn. Dann sagt Gabriel den Leuten des Paradieses: ‚Gott liebt jenen dort, liebt ihr Ihn auch’, und alle lieben Ihn. Dann öffnet Er ihm das Herz der Leute der Erde.“

Es war Brauch bei den Autoren jener Zeit, sich zunächst auf die Autorität des Qur’ans zu berufen, sodann, im Anschluß an das Wort des Propheten saw und seiner Gefährten, bevor sie die großen Sufi-Meister und zeitgenössischen Gelehrten zitierten. Auch Qushairi folgte dieser eisernen Regel.

„Die Liebe (mahabba) ist ein edler Zustand, dessen Wahrheit (sie sei berühmt!) ihrem Diener zuteil wurde. Die Wahrheit hat zur Eigenschaft, ihren Diener zu lieben, und der Diener hat zur Eigenschaft, die Wahrheit zu lieben.“ (Meister Abu Ali al-Daqqaq)

Die Definitionen der Liebe, der ständigen Neigung des streunenden Herzens, sind in sehr großer Zahl präsent und ewig wachsend. Hier sind nur einige, die ich teilen möchte:

„Liebe ist es, wenig auf das zu geben, was dein ist, und viel auf das, was des Geliebten ist.“ (Abu Yazid Bistami)

„Die Wirklichkeit der Liebe ist, dass du dein Alles dem gibst, den du liebst, derart, dass dir nichts von dir bleibt.“ (Djunaid)

„Die Liebe ist ein süßer Geschmack, der, ist er vollkommen, das Herz schrecklich verblüfft.“ (Abu Ali al-Daqqaq)

Hassan Massoudy

 

Nach al-Kattani heißt zu lieben:

den Geliebten sich selbst vorzuziehen.

 

Es sind so viele Definitionen, Erklärungen, Einschätzungen, Wertungen, Sinnsprüche und geflügelte Worte über die göttliche Liebe von muslimischen Mystikern formuliert worden. Sie hofften damit einen entscheidenden Wandel der islamischen Sitten hervorrufen zu können. Dadurch, dass sich die Liebe der muslimischen Mystiker bis heute in diversester Form erhalten hat können, zeigt es den Reichtum der islamischen Zivilisation, was die Kodifizierung der mahabba (Liebe) angeht, jenes Begriffs, der sowohl die Liebe der Menschen zu Gott bezeichnet als auch die Barmherzigkeit (rahma) Gottes gegen Seine Geschöpfe.

Khalil Gibran sagte einst so schön:

„Wird mein Herz ein Baum voll mit Früchten, die ich pflücken und geben kann?“

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