♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Salam Alaikum,

Cuma

 

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

Völlerei ist nicht nur im Ramadan nicht erlaubt

Letzte Woche behandelte ich das Thema „Abnehmen im Ramadan tabu!“, da es mir wichtig war und ist, darauf hinzuweisen, dass das Fasten im Monat Ramadan weder für das Abnehmen des Menschen geeignet noch richtig oder gar gesund ist. Gleichzeitig wies ich darauf hin, dass ich das gegenteilige Thema, besagte „Völlerei“ in naher Zukunft an Angriff nehmen würde. Somit ist mein heutiges Thema eine Erklärung und Meinung zu der „Völlerei im Ramadan“, wie wir sie (leider) oft genug miterleben.

Völlerei 1

 

 

 

 

 

Eigentlich soll die islamische Fastenzeit eine Zeit der Besinnung, Meditation, Mäßigung und Zurückhaltung sein. Doch in Wirklichkeit hat sich der Ramadan – nicht nur innerhalb der muslimischen, aber auch der nichtmuslimischen Gesellschaften – zu einem Kommerzunternehmen entwickelt. Es wird eingekauft, dass die Tüten kurz vorm Platzen sind, und sich der kulinarischen Völlerei hingegeben, dass sich die Bäuche weiten und viele am Herummaulen sind, dass sie im Ramadan zunehmen (wie könnte es anders sein, nur…Mitleid habe ich keines).

Völlerei

Die Völlerei ist ein Laster des Menschen, auch als Untugend oder Schwäche bekannt. Viele Menschen werden von dieser unschönen Angewohnheit beherrscht bzw. lassen sich von ihr beherrschen, oder gar von anderen zu ihr überreden.

 

Völlerei (lateinisch: gula) ist auch wie folgt bekannt:

Fresssucht, Schwelgerei, Gefräßigkeit, Maßlosigkeit und Unmäßigkeit.

Man kann also ganz klar davon ausgehen, dass Völlerei „eine Maßlosigkeit bei der Speiseaufnahme“ ist.

Wie schon so oft „gepredigt“, so wiederhole ich mich hier gerne, was unser Prophet Muhammad (saw) zu diesem Thema – insbesondere während der Fastenzeit – sagte:

Muhammad„Es gibt kein Gefäß, das der Mensch schlimmer als seinen Magen gefüllt hat. Der Mensch kann mit wenigen Bissen aufrecht stehen. Wenn er es schafft, gegen seine Triebseele siegreich zu sein, dann teilt er ein Drittel (seines Magens) für Nahrung, ein Drittel für Trank, und ein Drittel für Luft ein.“

 

Was sagt der Islam zu Völlerei oder Fresssucht? Im Quran 7:31 (al-A’raf – Die Unterscheidungsfähigkeit) steht folgendes geschrieben:

Koran 1„Oh Kinder Adams! Macht euch schön für den Akt der Anbetung und esst und trinkt (freizügig), aber verschwendet nicht: wahrlich, Er liebt nicht die Verschwender!“

 

Somit ist der Beweis schon aus dem Qur’an herauszulesen, dass die Völlerei verboten ist. Wie wir aber alle wissen, sieht die Realität ganz anders aus, und genau daran müssen wir – insbesondere die, die den Monat Ramadan gewissenhaft (ob fastend oder nicht) begehen wollen – alles daran setzen, dass wir uns maßvoll an Nahrungs- und Trankzufuhr halten und uns nicht unseren Trieben hingeben. Auch wenn wir das können, so sollten wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Mehrheit aller Fastenden diese Möglichkeit nicht hat, sondern, ganz im Gegenteil: Sie haben nichts oder kaum zu essen und zu trinken, und so manche von ihnen müssen zu Tode hungern und/ oder dürsten.

Ramadan (aber auch das restliche Jahr) ist eine Zeit des Teilens. Das bedeutet, dass man seine Nahrung und seine Getränke mit anderen teilt, die es nicht so gut haben, wie einer selbst. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort, dass man kein(e) gute(r) Muslim(in) ist, wenn man sich satt isst, aber der Nachbar hungrig zu Bett geht.

Teilen macht glücklich

 

 

 

 

 

Man muss sich wirklich überlegen, wie man den Ramadan begeht, wie man mit seinen Nahrungsmitteln umgeht, ob man einen weiteren Einkauf wirklich so dringend benötigt oder ob es nicht reicht, die Nahrungsmittel und Getränke, die man noch zuhause hat, aufzubrauchen. Die Fastenzeit scheint leider immer mehr zu einer Einkaufsorgie zu werden, dabei sollte man gerade dann genau darauf verzichten und mit dem zurechtkommen, was man hat.

Ernsthaft: Wenn man zuhause in die Regale, in den Kühlschrank und ins Gefrierfach schaut, so haben die meisten hier in Deutschland ein recht gut gefülltes Sortiment an Lebensmitteln. Oftmals ist es sogar mehr als man benötigt und so manche Sachen liegen wochen- oder monatelang rum, nur weil man keinen Appetit darauf hat. Wenn man aber jetzt mal drüber nachdenkt, dann fällt einem schnell ein, dass viele diese Möglichkeit der Wahl gar nicht haben, sondern sich mit dem zufrieden geben müssen, was sie essenstechnisch in die Hände bekommen. Bei vielen geht es schlichtweg ums Überleben, nur scheint man hier im tatsächlich reichen Europa solche Umstände zu vergessen. Auch wenn wir dieses nicht tagtäglich sehen, so sollten wir uns bewusst machen, wie gut wir es haben und dankbar dafür sein, dass wir eben nicht hungern und dürsten müssen.

Kühlschrank

Es kann ja eigentlich nicht sein, dass es sogar schon Zeitungen und Magazine gibt, die Anweisungen geben, wie man abends das „Fasten auf gesunde Weise bricht“ und was die Auslöser für bestimmte körperliche (und auch seelische) Probleme sein könnten, wenn man den Ramadan nicht so begeht, „wie es eigentlich nach logischem Verständnis sein sollte“. Natürlich sind bei manchen Fastenden gesundheitliche Probleme und/ oder Defizite Begleiterscheinungen des Ramadans, denn wer von kurz vor Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder isst noch trinkt, wird einen gewissen „Entzug“ verspüren. Das ist aber auch – solange es nicht gesundheitsgefährdend ist – für den gesunden Fastenden kein Problem.

Sich abends beim Iftar (Fastenbrechen) die diversesten Variationen an Essmöglichkeiten reinzuschaufeln, ist nicht gesund, und kann sich auf den/ die Fastende(n) negativ auswirken. Es ist eben nicht förderlich für den Körper sich Unmengen von Nahrung und Trank hineinzustopfen, denn die Konsequenzen sind meist unangenehm: Bauchschmerzen, Völlegefühl, Schlappheit, Trägheit und vieles mehr.

Der Prophet Muhammad (saw) sagte:

Hadith„Derjenige, der in der Welt am sattesten ist, wird im Jenseits am hungrigsten sein.“

 

Er sagte auch:

Hadith„Sättigt nicht eure Bäuche, denn dies hat körperliche Verdorbenheit, Krankheit, Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit beim Gottesdienst zur Folge.“

 

Meiner Meinung nach braucht man kein 3 oder 4-Gängemenü, und sollte es dennoch so sein (weil man Gäste hat), dann kann man diese immer noch gering halten und fette Suppen, fette Hauptspeisen und zuviel Süßkram vermeiden, denn: Der Mensch braucht dieses ganze Zeug nicht. Es würde z.B. völlig ausreichen, wenn man das Fasten mit folgendem Menü bricht (es ist NUR ein Beispiel! 😉 ):

– Mit einer Dattel und einem Glas Wasser (oder Milch) das Fasten brechen.
– Das Abendgebet verrichten
– Vorspeise:Eine leichte (!) Suppe (mit oder ohne Brot) servieren -> eine Schale reicht!
– Hauptgang: Es muss nicht immer Fleisch oder Fisch sein, ein vegetarisches Gericht, das sättigt, reicht auch vollkommen aus. Ein Teller reicht! Eventuell noch Salat als Beilage.
– Nachtisch: Obst (sei es Obstsalat, Obst mit Joghurt, Obst alleine -> kann man ja liebevoll anrichten)
– Getränke: Wasser (alles andere ist optional natürlich)

Wichtig ist es das Essen und Trinken zu genießen und richtig wahrzunehmen und nicht in sich hineinzuschlingen! Man hat als Fastende(r) Hunger und Durst, was ich vollkommen nachvollziehen und verstehen kann, aber Fakt ist, dass man den Sättigungseffekt erst nach ca. 20 Minuten bemerkt. Somit kann ich wirklich nur raten: LANGSAM und GEMÄSSIGT essen. UND dabei bedenken, dass nicht jeder solch ein Fastenbrechen-Mahl haben kann und man sich damit glücklich schätzen kann.

langsam essen

 

Auch diejenigen, die nicht fasten müssen, dürfen oder können, sollten sich im Klaren sein, was Ramadan für sie bedeuten sollte:

Besinnung, Mäßigung und Zurückhaltung!

 

Das heißt bei den nicht-fastenden Musliminnen und Muslimen, dass auch sie sich Gedanken über ihre Nahrungszufuhr machen und ihr Grenzen setzen sollten. Wie also setzt man so etwas in die Tat um? Es ist eigentlich ganz einfach:

Man isst und trinkt nur das, was man wirklich (!) braucht. Man soll sich der Maßlosigkeit lossagen und die Kontrolle übernehmen, zuhause schauen, was man noch hat und da erst einmal nach und nach alles aufbrauchen, was man hat, bevor man zum Superwahnsinnseinkauf wieder ansetzt – das gilt im Übrigen auch für die Fastenden.

Eigentlich sollte man während der Fastenzeit sehr viel Geld sparen können, denn einkaufen muss man lediglich nur bestimmte frische Nahrung, während wir viele trockene Lebensmittel schon zuhause haben. Vielleicht ist es sinnvoll eine Liste zu machen, auf der man aufgeschrieben hat, was man zuhause noch im Schrank stehen hat, wie man es verbrauchen kann und daraus Gerichte zusammensetzen. Man wird erstaunt sein, wie viel man aus den schon bestehenden Lebensmitteln machen und wie lange man mit ihnen auskommen kann, ohne etwas Neues kaufen zu müssen. Ein wenig Fantasie mag gefragt sein, aber ist der Ramadan nicht auch dafür da, dass man sich Gedanken macht? 

Oft ist weniger mehr, denn wie man schon herausgefunden hat, führt die Gefräßigkeit neben anderen gesundheitlichen Problemen, noch zu ganz anderen Lastern. Deshalb kann ich es nur wieder runterbeten:

Halte Maß mit dem, was Du isst und trinkst, denn Du bist, was Du isst (und trinkst).

Keep calm, it's Ramadan

 

In diesem Sinne wünsche ich allen weiterhin einen wunderbaren, spirituell inspirierenden und gesegneten Ramadan, einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

 

 

P.S. Wer bei Hannibal-Nurs Ramadan-Wichteln mitmachen will, hier sind noch einmal die Regeln des Mitmachens:

https://hannibalnur.wordpress.com/2013/07/08/hannibal-nurs-ramadan-wichteln-2013/

WICHTIG: Jede(r) kann mitmachen, völlig religionsunabhängig. Es soll Spaß machen und uns einander näherbringen.

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Ein Gedanke zu “♥ Djuma Mubārakah ♥

  1. wlipphardt schreibt:

    Danke Caroline, es ist wahr, Mäßigkeit auf Dauer kann mehr sein und ist für klare Gedanken hilfreich. Ich kenne das auch anderswoher und es heißt dort auch: Wenn du fastest, salbe dein Haupt mit Öl und gehe gütig mit anderen um, damit nur der Eine sieht, was Du tust.
    Aber darf ich fragen? wie schafft man das bei der Hitze am Tag über 16 Stunden lang ohne einen Schluck Wasser zu sich zu nehmen?
    Deinen Wünschen zum Ramadan schließe ich mich gerne an … und feiere ihn etwas bescheiden mit Euch gerne mit. Salam

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