Konvertitinnen wehren sich…

…gegen die Vorurteile, die ihnen oftmals entgegengebracht oder vorgeworfen werden.

Koran1Hallo und Salam Alaikum,

Der folgende Artikel (leider nur in englischer Sprache) beschreibt die Gefühle von einigen amerikanischen Konvertitinnen zum Islam, welche sich nach dem Attentat von Boston zur Wehr setzen als Gehirn gewaschen beschrieben und denunziert zu werden.

Anlass dazu gab die Bekanntmachung, in der es heißt, dass die Ehefrau eines der Tatverdächtigen eine amerikanische Konvertitin zum Islam sei, und sie womöglich zu dieser Entscheidung überredet worden sei.

http://usnews.nbcnews.com/_news/2013/04/26/17897741-not-brainwashed-american-women-who-converted-to-islam-speak-out

Fakt ist, dass Menschen konvertieren aus denunterschiedlichsten Gründen zu einer Religion konvertieren. Einige aus Liebe zu einem Menschen, der oder die Muslim(a) ist. Andere konvertieren zum Islam, weil sie ihr spirituelles Zuhause gefunden haben. Und wiederum andere nehmen den Glauben an, weil sie tatsächlich in irgendeiner Art und Weise dazu überredet, genötigt oder gezwungen worden sind oder werden. Deshalb gibt es unterschiedliche Rubriken von religiöser Konversion. Dass diese amerikanischen Konvertitinnen aufstehen, sich wehren und erklären, kann ich nachvollziehen. Sie wollen nicht wegen den Aktionen einer Person alle in einen Topf geworfen werden.

Es gibt unterschiedliche Arten der religiösen Konversion. Eine davon ist die forcierte oder erzwungene Konversion (auch wenn sie nach dem Qur’an nicht rechtmäßig ist – siehe Qur’an 2:256). Der Experte für religiöse Konversion (allgemein) Lewis R. Rambo hat dazu viel geschrieben. U.a. über unterschiedliche Arten der religiösen Konversion. Sein Buch „Understanding Religious Conversion“ mag zwar trocken für den Freizeitleser zu sein, aber ist durchaus hilfreich, wenn man die Facetten der religiösen Konversion wie auch seine diversen Prozesse (vor, während und nach der Konversion) kennen lernen und verstehen möchte.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

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Was verbinden Sie mit dem Islam?

Hallo und Salam Alaikum,

viele Menschen sind der Ansicht, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, während viele andere dieser Meinung widersprechen und sagen, dass der Islam definitiv ein Teil Deutschlands sei.

Diese kleine Umfrage zeigt, wie sich das Bild des Islams in den Köpfen unserer MitbürgerInnen zu manifestieren scheint:

Geht es hier aber wirklich um den Islam, oder geht es um die Muslime?

Wird ein Unterschied zwischen dem Islam und den MuslimInnen gemacht?

Welche Rolle spielt der Islam bzw. die MuslimInnen für Sie/ Dich in Deutschland?

Über Kommentare hierzu sowie Verbesserungs- bzw. Änderungsvorschläge würde ich mich sehr freuen.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

Selbstvertrauen

Selbstvertrauen

Du bist es Dir wert Du selbst zu sein. Lasse niemals andere über Dein Leben, Deine Gefühle, Deine Möglichkeiten, Deine Stärken oder Schwächen bestimmen. Nur Du alleine weißt, wozu Du in der Lage bist, was Du erreichen kannst, und Instinkt wird Dir verraten, wem Du vertrauen kannst.

Es begleiten Dich Menschen in diesem Leben, sei es im Guten oder im Schlechten, aber beide erfüllen eine Funktion: Sie lehren Dich, auch unbewusst, wer Du bist und was Du aus Dir machen kannst. Sie mögen Dir ein Vorbild, aber auch gleichzeitig eine Prüfung sein.

Erwarte nicht von anderen, dass sie verstehen, was Du machst, oder was Dir Deine Erfolge und Ziele bedeuten. Nur Du selbst kannst wissen, was Dich bewegt und ermutigt auf dem Pfad weiterzumachen, den Du Dir im Guten selbst auferlegst.

Wenn Du Dir ein Ziel bestimmst, bedenke, dass es immer Hürden gibt, die es gilt zu überwinden, aber denke auch daran, dass das Ziel Dein Erfolg (und der anderer vielleicht auch) sein wird und Dir den Anreiz geben sollte darauf hin zu arbeiten. Es wird Menschen geben, die Dir Steine in den Weg legen (werden), Neid suggerieren (werden), aber es wird Menschen geben, die Deinen Weg mitgehen und Dich unterstützen werden.

Vertraue Dir selbst, dass Du die Ziele, die Du Dir selbst setzt, erreichen kannst. Denn wenn Du es wirklich willst, wirst Du es auch schaffen.

 

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Salam Alaikum,

Cuma

 

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

Die Neider sterben wohl, doch niemals stirbt der Neid*

 

Versteckter NeidWas versteht man unter Neid? Die Definition könnte unter anderem wie folgt lauten:

„Es ist das moralisch vorwerfbare, gefühlsmäßige emotionale Verübeln der Besserstellung konkreter Anderer…fehlt es am ethischen Vorwurf, spricht man auch von Unbehagen gegenüber Vorteilen anderer – Besitz, Status, Privilegien, Macht -, die man selbst nicht hat.“

 

Der NeidNeid (arab. Hasad) kann auch wie folgt verstanden werden:

„Wenn der Neider nicht zufrieden ist, solange der Beneidete den Gegenstand des Neides nicht verliert.“

 

Negativer versus positiver Neid

Laut Götz Aly, ensteht „Neid aus Schwäche, Kleinmut, mangelndem Selbstvertrauen, selbstempfundener Unterlegenheit und überspanntem Ergeiz…“. Hinzufügen würde ich noch gewisse Selbstüberschätzung, aber auch ein Überlegenheitsgefühl, welches sich allerdings negativ manifestiert.

TriebfederNeid kann durch die unterschiedlichsten Situationen ausgelöst werden. Man wird neidisch, wenn ein anderer als einer selbst einen bestimmten Besitz (Materielles sowie Wissen), Privileg oder Vorzug hat. Weitere Auslöser des Neides sind die eventuelle Schönheit des/ der anderen, sei es im körperlichen oder geistigen Sinne, die Gesundheit, der soziale Status oder die Stellung eines einzelnen Menschen.

 

Es gibt auch eine positive Definition des Neides, indem man mit Neid eine Bewunderung oder Anerkennung für eine Person ausdrückt, und gleichzeitig dieser Person diesen Besitz nicht missgönnt.

 

Neid im Islam

Emotionen und NeidIm Qur’an gibt es einige Verse, in denen der Neid erwähnt wird. Ein Neider zu sein bzw, neidisch im negativen Sinne zu sein suggeriert Unzufriedenheit mit sich selbst, und wie kann die Liebe und Zuneigung zum Glauben/ zu Gott mit dem Neid gegenüber einem (oder mehreren) Menschen in einer Person Platz finden, ohne das eine Seite überhand nimmt?

Um Zufriedenheit zu erlangen, muss man sich vom Neid lösen, denn letztendlich schadet sich der Neider nur selbst, nicht andere. Oftmals ist es so, dass der Neid zu Fehlverhalten und schlechtem Benehmen führt. Auch leitet er zu Feindseligkeit, schlechtem Denken über die Absichten Anderer, zum Lästern, Verbreiten von Gerüchten, Lügen, und lässt den/ die Einzelne(n) sich von anderen (und auch in seiner/ ihrer Beziehung zu Gott) entfernen.

In den islamischen Quellen gibt es viele Beweise, die sich mit dem Neid auseinandersetzen und beschäftigen. Im Qur’an befinden sich Schutzsuren und Schutzverse; auch durch Bittgebete (arab. Du’a) kann sich der/ die Einzelne mit Gottes Hilfe for einem Neider/ vor Neidern schützen.

So heißt es in der 13. Sure (Al-Falaq: Die aufgehende Morgendämmerung):

Quran

Sag: „Ich suche Zuflucht bei dem Erhalter, der aufgehenden Morgendämmerung, vor dem Übel von etwas, das Er erschaffen hat, und vor dem Übel der schwarzen Finsternis, was immer sie herabkommt, und vor dem Übel aller Menschen, die auf okkulte Bestrebungen aus sind, und vor dem Übel des Neiders, wenn er neidet.“

Diese kurze Sure ist zum Schutz des Menschen vor jeglichem Übel bestimmt und enthält die Bitte an Gott, den Barmherzigen und Allerbarmer, um den Schutz vor dem Übel im Allgemeinen. Diese Sure ist ein Bittgebet und wird oft als Teil des rituellen Gebetes rezitiert.

Der Prophet Muhammad saw wird in einer Überlieferung wie folgt zitiert:

Hadith„Habt keinen Zorn aufeinander, beneidet einander nicht, befeindet euch nicht und seid, oh Leute, Brüder. Wenn ihr euch doch verzankt habt, so lasst den Zank nicht länger als drei Tage dauern, und versöhnt euch möglichst schneller, maximal im Laufe von drei Tagen.“ (Hadith Sahih Bukhari)

Hierbei würde ich hinzufügen, dass Schwestern, also Frauen, natürlich auch damit angesprochen sind. Und selbst wenn man kein(e) Muslim(a) ist, so kann man sich aus dem Obigen einiges herausnehmen und dennoch anwenden, oder sich zumindest ein paar Gedanken darüber machen. Denn abgesehen von religiösen Quellen, ist es eine Frage von Moral und Ethik, und die Erarbeitung der eigenen Zufriedenheit, in der Neid einfach keinen Platz hat.

Schöner ist es, wenn man anderen Menschen eine Gunst erweist, ihnen gegenüber wohlwollend ist.

Freude

 

Ein abschließendes Zitat von Joseph Freiherr von Eichendorff:

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er in die weite Welt,
dem will Er Seine Wunder weisen
in Berg und Tal und Strom und Feld.“

 

 

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam Alaikum

Hannibal-Nur 🙂

* Molière

Der Weg nach Mekka (Doku)

Hallo und Salam Alaikum,

Muhammad Asad

 

Der 1900 in Österreich geborene Jude Leopold Weiss konvertierte 1926 zum Islam, benannte sich in Muhammad Asad um und blieb durch seine Reisen im Kampf für den Frieden und Völkerverständigung in der Erinnerung der Österreicher.

Der Dokumentarfilm zeigt die Stationen seines international bedeutenden Lebens und gleichzeitig die immer noch anhaltenden Diskrepanzen zwischen Ost und West.

A Road to Mecca

Viele Muslime und Musliminnen, insbesondere KonvertitInnen zum Islam, beherbergen eine Affinität zu Muhammad Asad, der ihnen durch seine Übersetzung des Heiligen Qur’ans und seines Tafsirs (Qur’anexegese/ Erläuterungen) den islamischen Glauben näher bringt, emotionaler erscheinen und vom Gefühl wie auch in der Praxis einfacher und besser umsetzen lässt.

 

A Road to Mecca„:

Ein Film, nicht über die Vergangenheit, sondern für die Gegenwart ?
Einer, der sich einlässt auf eine aktuelle Debatte von zunehmender Dringlichkeit.

(Wenn Ihr bei dem Trailer keine Gänsehaut – im Guten 😉 – bekommt, dann weiß ich auch nicht weiter)

Die ganze Dokumentation ist auf folgendem Link zu sehen (auf Englisch/ Deutsch und mit Untertiteln):

http://islamicmultimedia.blogspot.de/2012/09/a-road-to-mecca.html

Sehr spannend, aufrührend, berührend und bereichernd.

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

Kurzurlaub Rom

Hallo und Salam Alaikum,

bei Musik des Filmes „Der Pate“ und anderen italienisch anmutenden Klängen sitze ich nun hier und sinniere über meine Reise nach Rom in der vergangenen Woche.

Rom Vor 15 Jahren hatte ich schon einmal die Ehre diese sehr besondere Stadt zu besuchen. Damals gerade ein Jahr zuvor Abitur gemacht, einen Leistungskurs in „Klassische Zivilisationen“ (Römische und Griechische Geschichte und Mythologie) belegt und absolut fasziniert von diesen Epochen und Imperien, wurde ich eingeladen nach Rom zu reisen, um mir selbst ein Bildnis zu machen. Ich habe nicht mehr viel Genaues in Erinnerung, allerdings weiß ich, dass ich von der Stadt damals sehr beeindruckt war und sie meine damaligen Erwartungen absolut erfüllt hatte.

Ich war begeistert von allem, was mich dort umgab: Den antiken Gebäuden, den Kirchen, Basiliken, dem Petersdom, dem Kolosseum, Forum Romanum, Palatino, Fontana di Trevi (habe ich in besonderer Erinnerung). Insbesondere der kleine Stadtstaat, der Vatikan, hatte mich umgehauen. Als ich wieder nach Hause flog, war ich in einem Rausch, der sich durch die Monumentalität und dem Reichtum der Stadt in mir manifestiert hatte.

Das jede Stadt, trotz ihrer schönen und wunderbaren wie auch teilweise imposanten Seiten, auch ihre Ecken und Kanten hat, war mir in jenem Alter vielleicht nicht ganz so bewusst, wie es mir heute auffällt. Möglicherweise achte ich viel mehr auf Kleinigkeiten, die das Besondere ausmachen, oder aber auch die kleinen und großen Makel aufzeigen. Kein Mensch ist perfekt, somit kann auch keine Stadt perfekt sein. Allein die Natur kann uns einen Hauch von Perfektion präsentieren.

Mein diesjähriger Besuch in Rom hat unterschiedliche Eindrücke hinterlassen, die sich auf der einen Seite als wunderschön, atemberaubend, staunend und spannend, und auf der anderen Seite als erdrückend und etwas stressig zu erklären sind. In Wahrheit: Der Funke, den ich noch vor 15 Jahren hatte, war dieses Mal leider nicht übergesprungen. Vielleicht waren meine Erwartungen immer noch die eines sehr jungen Menschen, dabei habe ich meine Lebenserfahrung, die ich seitdem angesammelt habe, und intensiven persönlichen Veränderungen nicht allzu sehr bedacht.

Aurelianische MauerDie Aurelianische Mauer, Roms Stadtmauer, ist imposant. Leider habe ich nur einen kurzen Blick darauf haben können, und das mitten in der Nacht, als es mit dem Bus vom Flughafen in die Stadt ging. Sollte ein weiterer Besuch Roms stattfinden, würde ich gerne dorthin, sowie auch entlang der ältesten Straße Rom, der Via Appia Antica, laufen oder vielleicht sogar radeln.

IMG_9850Angekommen beim Termini, dem Hauptbusbahnhof Roms, fielen mir sofort die vielen Halal-Imbisse auf, die sich entlang des Terminis erstreckten: Von „Indian Arabic Food“ bis „Best Turkish Kebab“ gab es alles, was das Herz haben wollte. Für einen Moment fühlte ich mich gar nicht so, als wäre ich in Rom, geschweige denn in Italien überhaupt. Zumindest hatte ich, hätte ich etwas essen wollen, die ausgiebige Möglichkeit gehabt. Naturgemäß gab es viele andere Imbisse und Cafes, so dass man immer die Möglichkeit hatte, seinen Kaffeedurst (Cappuccino e Espresso etc.) und seinen Hunger zu stillen.

Hop on hop offWas ich absolut für jeden Städtetrip empfehlen kann: Mach(t) eine Tour mit einem dieser „Hop on-Hop off“-Busse, wo man die Möglichkeit hat die Stadt bequem im Sitzen zu erkundigen. Wenn das Wetter auch noch mitspielt, sind solche Touren einfach grandios. Sie sind nicht besonders teuer (ein 24h-Ticket kostet um die €20-25) und vermitteln einem einen wunderbaren Überblick von den Sehenswürdigkeiten der zu besichtigenden Stadt, so dass man sich nach solch einer Tour besser entscheiden kann, was man sich noch genauer anschauen möchte. In manchen Städten Deutschlands wird diese Tour auch schon angeboten: in Berlin, Potsdam und Trier.

IMG_9876Der Besuch des Petersplatzes und insbesondere des Peterdoms ist es wert sehr früh morgens dorthin zu gehen oder zu fahren, da man ansonsten ziemlich lange anstehen muss bevor man überhaupt reinkommt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind die gleichen wie beim Flughafen, und es kommt keine(r) durch, bevor er/ sie und eventuelle Taschen nicht durchleuchtet worden sind. Wenn man einmal drin ist, dann sollte man es genießen. Die Möglichkeit bis hoch zur Kuppel (cupola) zu gehen, um einen atemberaubenden Blick auf den Petersplatz, der Vatikan-Stadt und Rom allgemein zu bekommen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Aber bitte nur, wenn man gut zu Fuß ist. Für ältere Herrschaften und/ oder Menschen mit Gehproblemen wäre es nur eine Tortur und sollte demnach lieber vermieden werden. Mein Mann und ich haben uns noch gefragt, wie oft der Papst den Ausblick in Anspruch nimmt. Mein späterer Gedanke war: Er wird nur da sein, wenn keine Touristen den Platz für sich beanspruchen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wenn man ganz alleine den Blick morgens über die erwachende Stadt streifen lässt, dass einem durchaus Emotionen beikommen würden (das war gerade mein Wunschdenken 🙂 ).

VatikanstadtDer Besuch der Vatikanischen Museen und der Sixtinischen Kapelle war sehr spannend, aber gleichzeitig auch eine absolute Katastrophe und hat mir nur zum Teil Freude bereitet. Menschenmassen, wohin das Auge nur blickte, liefen alle in eine Richtung (Ordnung muss ja sein!) und es wurde immer voller und voller. Es waren viele Schulklassen da (sorry, aber die SchülerInnen schauten eher genervt aus, als dass sie Spaß hatten), und ebenso viele oder noch mehr Touristen, so dass man die Tour gar nicht genießen konnte. Nur einen Saal fand ich beeindruckend und hatte es mir angetan: Der Saal der Landkarten. Einfach wunderschön.

Sixtinische KapelleIn der Sixtinischen Kapelle wurden die Besucher fortwährend von Wächtern nur ge-„scht“. Man merkt, dass viele allerdings auch keinen Sinn für die Heiligkeit eines Ortes haben und sich immer noch verhalten, als wären sie vom Dorf. Da helfen teilweise wohl auch keine Schilder mehr, auf denen steht, dass dies ein heiliger Ort sei und man zu schweigen hätte. Wie dem auch sei, ich hörte mir die Infos auf dem Audio Guide an (unbedingt empfehlenswert!) und freute mich ein paar Minuten meine Füße ruhen zu lassen. Die Sixtinische Kapelle hatte zwar keine spirituellen Emotionen in mir ausgerufen, aber dennoch war ich von der Gemäldekunst, insbesondere des Michelangelos, beeindruckt und habe diese auf mich wirken lassen.

CappuccinoDer Besuch vom Kolosseum, dem Forum Romanum und dem Palatino war schön, aber es hat mich nicht ergriffen. Erinnerungen von meiner Reise vor 15 Jahren kamen mir im Kolosseum ins Gedächtnis, jedoch war es nicht die von mir erwartete Reaktion mit diesem „Wow!“-Effekt, den ich mir vielleicht gewünscht hätte. Vielleicht hätte man auch einfach mehr Zeit einplanen müssen. In drei Tagen alles abzulaufen und zu besichtigen ist schon eine Herausforderung. In den Ruhegenuss sind wir erst gekommen, wenn wir uns irgendwo nett hingesetzt, durch unsere Sonnebrillen das Treiben beobachtet und einen Cappuccino geschlürft haben. Diese Momente sind für mich mit noch am Wertvollsten während dieses Trips.

IMG_0032Last but not least, die Moschee von Rom wurde als (von mir gedachter) krönender Abschluss besichtigt. Die „Moschea di Roma“ befindet sich im Norden der Stadt an der Viale della Moschea. Wenn man sich nicht gerade von Taxifahrern ausbeuten lassen oder selbst fahren möchte, dann ist es am Einfachsten die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, mit denen man wirklich überall gut hin kommt. Wir sind mit der Metro (Linie A) vom Termini bis zur Station „Flaminio“ gefahren, und dort in eine Stadtbahn (Richtung „Viterbo“) umgestiegen, zwei Haltestellen gefahren und bei der Station Acqua Acetosa ausgestiegen. Von dort aus waren es noch ca. 10 Minuten Fußweg zur Moschee.

IMG_0012Mein erster Eindruck von der Moschee: Groß, leer, unpersönlich. Meiner Meinung nach ist soviel Geld für diese Moschee ausgegeben worden…für was genau? Als wir in den Hof der Moschee liefen, saß ein Mann (Wächter?) im Schatten und fragte uns, was wir wollten. Hannibal-Nur nahm all ihre Sprachkenntnisse (auch ihr nicht existierendes Italienisch: Scusi (Entschuldigung) versteht jeder!) zusammen, sagte: „Scusi, assalamu alaykum, we are from Germany and would like to visit the mosque“ (übersetzt: Entschuldigung, Friede sei mit dir, wir sind aus Deutschland und würden gerne die Moschee besichtigen). Der „Wächter“ fragte, ob wir beten wollen, und zeigte daraufhin zu einem Eingang, wo man sich reinigen/ waschen kann, sowie einer weiteren Tür, wo das Gebet verrichtet werden könne. Zugleich informierte er uns, dass der Hauptgebetsraum (der laut Tante Wiki mehrere tausend Leute aufnehmen kann) geschlossen und nur am Freitag zwischen 9-15 Uhr (für die Gläubigen – na hurra!) und am Samstag zwischen 9-12 Uhr (für die Touristen – super, es wird immer besser *ironieaus*) geöffnet sei. Na herzlichen Dank, dachte ich. Wie einladend! Schon mal was von Dawah gehört?

IMG_0017 IMG_0016Der Höhepunkt der ganzen Geschichte war, als ich in den separaten Gebetsraum kam, nur einen Männergebetsraum vorfand und mich fragte, wo denn die Frauen beten sollten. Ergebnis: Mir wurde „die Ecke“ (siehe Foto) zugewiesen. Ganz ehrlich habe ich gedacht: Mich tritt ein Pferd. Solch eine riesige (!!!) Moschee, und Frauen bekommen eine Ecke? Das soll doch wohl bitte ein Scherz sein, oder? Nein, war es leider nicht. Peinlicher geht es gar nicht. Okay, ich habe mein Gebet verrichtet, aber Spiritualität war gleich null.

Nach dem Gebet sind wir noch einmal über das Moscheegelände gelaufen, haben ein paar Fotos gemacht, und sind dann, nachdem ich mich dennoch freundlich bei dem „Wächter“ bedankt habe, von dannen gezogen. Gut, ich kann sagen: Ich bin bei und in einem Teil der Moschea di Roma gewesen, aber bereichert hat es mich nicht. Schade eigentlich, dass sich soviel Mühe bei dem Bau dieser Moschee gegeben wurde, aber sie weder einladend noch frauenfreundlich wirkt (und ist).

IMG_9998Fazit der Romreise:

Als Tourist durchaus empfehlenswert, wenn man an römischer Geschichte interessiert ist, wenn man die Hauptstadt des Katholizismus kennen lernen und sich ein Bild vom geschäftigen, kosmopolitischen und interkulturellen Treiben machen möchte.

…und gutes Eis gibt es auch (siehe Gelateria Giolitti) 😀

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂