♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Salam Alaikum,

Cuma

 

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

 

 

Irgendwie stirbt gutes Benehmen aus. Zumindest habe ich das Gefühl. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber meiner Meinung wird es immer weniger, dass sich Mühe gegeben wird, anderen Menschen gegenüber ein wenig rücksichtsvoll und höflich zu verhalten. Es kann natürlich sein, dass ich das übertrieben sehe, aber eigentlich sind doch die meisten von uns so erzogen worden, dass wir unseren Mitmenschen gegenüber Respekt und vor allen Dingen Achtung zeigen sollten. Das schließt das eigene Verhalten, also gutes Benehmen, mit ein.
RespektLeider scheint es in der heutigen Gesellschaft kaum mehr wichtig zu sein, wie man sich seinen Mitmenschen gegenüber verhält. Insbesondere das Internet ist eine Falle, in die fast jeder von uns tappt. In der Realität geht man immer noch ein wenig besser miteinander um, da man sich kontrollieren und seinem Gegenüber in die Augen schauen muss.

 

Abstriche muss man sicherlich auch hier machen, aber wenn man genau hinschaut, wird sich die Mühe guten Benehmens in der Öffentlichkeit eher als im Internet gemacht.Ich möchte den Zeigefinger nicht nur auf andere richten, denn ich selbst bin von solchen Momenten nicht befreit, dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass es doch in der Seele weh tut, wenn man sieht, wie wir miteinander umgehen. Bevor ich auf religionsbedingte Missverständnisse und Streitigkeiten eingehe, möchte ich zum allgemeinen Verhalten von uns etwas schreiben. Warum sind wir eigentlich so geworden? Selbst bei Kleinigkeiten, die nun wirklich nicht einer Rede oder Diskussion wert sind, gehen wir in die Luft und wollen unseren Gegenüber in die Ecke drängen, um selbst recht zu haben. Dabei scheint im Kopf irgendein Mechanismus frei geschaltet zu werden, der einem ein Machtgefühl und vielleicht sogar für einen Moment eine gewisse Befriedigung verschafft. Nur haben Sie schon mal bemerkt, dass dieses vermeintlich gute Gefühl der Überlegenheit nur von kurzer Dauer ist?

In Bezug auf Religion sind wir alle, egal ob wir gläubig –unabhängig welcher Religion man angehört – oder nicht sind, sehr empfindlich geworden. Es fällt mir auf, dass meine Wenigkeit sich zwar in den letzten Jahren ein dickes Fell in Bezug auf religiöse Auseinandersetzungen angeeignet hat, dennoch war es mir immer wichtig authentisch zu bleiben und zu meinem Glauben zu stehen. Dabei ist mir bewusst geworden, dass man es natürlich nicht jedem Menschen recht machen kann, aber auch nicht muss.

Nichtsdestotrotz ist mir wichtig geblieben, dass man trotz Differenzen eine gewisse Zurückhaltung und Höflichkeit an den Tag legen sollte, und frei nach diesem Motto versuche ich mich zu entwickeln. Diejenigen, die mich (auch) persönlich kennen, oder meine religiöse Entwicklung in den letzten zwei/ drei Jahren mitbekommen haben, werden sich ihren Teil denken. Ob sie mir zustimmen oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Aber was die Höflichkeit, insbesondere im Internet angeht, so kann man mir zustimmen, wenn ich schreibe, dass ich zwar immer noch sehr bestimmt in meinen Gedanken, jedoch weicher in deren Ausführungen geworden bin. Das will heißen: Mit Aggression kommt man nicht weit und man macht sich damit nicht beliebt…ganz im Gegenteil. Diese Lektion habe ich gelernt. Es ist ein langer Weg gewesen, aber Gott hat mir gezeigt, dass man sich auch anders – eben höflich und respektvoll – artikulieren kann.

Somit ist es immer wieder erschreckend, wenn ich das „online“-Verhalten vieler Geschwister im Glauben sehe und verfolgen muss, wie sie sich angeblich in Sicherheit wiegen, indem sie vereinzelt Zuspruch von anderen Geschwistern erhalten, welche ihr Verhalten unterstützen. Warum sind wir Muslime und Musliminnen so geworden? Warum dreschen wir aufeinander ein als gäbe es kein Morgen? Insbesondere merkwürdig ist es doch, wenn man Fragen stellt, oder zu bestimmten Themen anderer Meinung ist, dass man oftmals skeptisch befragt wird, warum man überhaupt etwas hinterfragt (laut einigen Geschwistern ist eine eigene Meinung und persönliche Einstellung verpönt, wenn nicht gänzlich verboten). Selbständiges Denken scheint bei vielen verboten zu sein. Der Haken an der Sache ist aber, dass einem zwar das selbständige Denken abgesprochen wird, nur diejenigen, die einem solches absprechen, sehen sich im Recht, dass ihr Denken als selbstverständlich angenommen wird. Nur wird es etwas anders verpackt.
Gutes Benehmen
Es häufen sich Argwohn, Skepsis, Kritik, Beleidigungen der schlimmsten Art sowie Demütigungen. So mancher kann es schlucken, aber so mancher eben auch nicht. Man kann und man soll unterschiedliche Meinungen haben und pflegen, aber wenn man in den Dialog miteinander treten möchte, dann muss man lernen sich etwas netter zu verhalten. Man muss nicht alles, was andere sagen oder denken, akzeptieren, aber man muss es respektieren, dass es nicht nur eine – die eigene Meinung – gibt.

 

Es hilft uns nicht, wenn man darauf pocht, dass Allah dies, und Allah das gesagt hat, und deswegen haben wir das alles so und so zu machen. Meine Güte, Allah hat uns als Menschen, nicht als Schafe, erschaffen, so dass wir eben auch in der Lage sind, unseren Verstand zu verwenden, uns weiterentwickeln müssen, aber auch alles hinterfragen dürfen. Es mag für manchen Bruder oder manche Schwester nur verständlich zu sein, indem man nichts hinterfragt, und alles wortwörtlich macht, wie es im Qur’an und in der Sunnah steht. Glauben Sie mir, wenn ich solche Geschwister auch verstehen kann? Doch, wirklich, kann ich. Es ist einfach, man redet nicht lange um den heißen Brei herum, sondern sieht, was (angeblich) Fakt ist. Andererseits, und da klinke ich mich ein, sieht es so aus, dass Allah uns eben Verstand gegeben hat, und wir lernen müssen, wie wir mit den islamischen Quellen umgehen sollten.
Verständnis
„(Wisse) denn (dass) Gott hoch erhaben ist, der Letzte Souverän, die Letzte Wahrheit: und (dies wissend) gehe nicht in Eile an den Qur’an heran, ehe er dir vollständig offenbart worden ist, sondern sag (immer): „O mein Erhalter, lasse mich an Wissen wachsen!“ (Qur’an 20:114)

 

 

„Lies!“ (Arabisch: Iqra!) wird uns von Allah im Qur’an befohlen. Was heißt denn das? Das heißt, wir – jeder einzelne von uns – soll lesen, soll überlegen und verstehen lernen. Der Leser/ die Leserin soll angehalten werden sich Gedanken zu machen.

Der Qur’an ist ein Wegweiser für uns alle, ein Gefühl, welches sich individuell in uns breit macht. Somit kann kein Muslim einem anderen Muslim einfach vorbeten, wie er/ sie das Wort Gottes – den Qur’an – zu verstehen hat. Egal, welches Thema es ist, es wird immer so sein, dass es voneinander abweichende Meinungen und Einstellungen geben wird, denn die islamischen Quellen werden unterschiedlich verstanden, interpretiert, ausgelegt und praktiziert.

Iqra

 

„LIES im Namen deines Erhalters der erschaffen hat –den Menschen aus einer Keimzelle! Lies – denn dein Erhalter ist der Huldreichste, der (den Menschen) den Gebrauch der Schreibfeder gelehrt hat – den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.“ (Qur’an 96:1-5)

 

 

Worauf möchte ich hinaus? Ich würde mir wünschen, dass wir Muslime und Musliminnen trotz unserer unterschiedlichen Ansichten und Einstellungen zum Glauben respektvoll miteinander umgehen würden. Es ist wirklich schlimm geworden, dass man sich gegenseitig verbal die Köpfe einschlägt und immer Recht haben möchte. Viel wichtiger ist es, dass man doch „im Guten miteinander streitet“. Das bedeutet, dass wir uns alle ein wenig anstrengen sollten weniger kritisch mit anderen umzugehen, sich aber selbst zu hinterfragen, ob man das, was man macht, eigentlich richtig ist. Allah sieht alles, und Ihm gegenüber müssen wir uns für unsere Taten anderen gegenüber, aber auch uns selbst, rechtfertigen.

Versuchen Sie höflich und zurückhaltend zu sein, auch wenn Sie nicht der gleichen Meinung sind. Es sind unnötige Kämpfe, Querelen und Streitigkeiten, wenn man sich ohne Nachzudenken ins Gefecht wirft. Oftmals ist es auch verschwendete Zeit, die man sicher besser hätte nutzen können.

„O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig.“ (Qur’an 49:13)

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.

LG und Salam Alaikum

Hannibal-Nur 🙂

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Ein Gedanke zu “♥ Djuma Mubārakah ♥

  1. Stefan Wehmeier schreibt:

    Selbständiges Denken

    Der Mensch lernt, indem er für das, was er richtig macht, belohnt, und für das, was er falsch macht, bestraft wird. Bei Kindern können es gute oder schlechte Schulnoten sein, bei Erwachsenen ist es in der Regel das Geld, das eine Belohnung oder Bestrafung ausdrückt. Weil aber das Geld an sich fehlerhaft ist, kann in vielen Bereichen zwischen „richtig“ und „falsch“ nicht mehr unterschieden werden und es bildet sich so etwas wie „negatives Wissen“. Es entstehen „Wissenschaften“, in denen keine Erkenntnisse mehr verbreitet werden, sondern nur noch vorgefasste Meinungen und Denkfehler.

    Was hält ein europäischer oder US-amerikanischer Ökonom von der fachlichen Kompetenz eines Kollegen, der an einer staatlichen Universität in Nordkorea „Ökonomie“ (Staatskapitalismus) studiert hat? Wahrscheinlich gar nichts. Er kommt aber gar nicht erst auf die Idee, dass er genauso wenig von Ökonomie versteht, auch wenn die Denkfehler, die er studiert hat, andere sind:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

    „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“

    Konfuzius

    Der Fehler „Europäische Währungsunion“ entstand aus dem Gedanken, „dass Staaten, die eine gemeinsame Währung haben, nie Krieg gegeneinander führen“. Dieser Gedanke war schon der zweite Fehler; der erste Fehler bestand darin, sich gar nicht bewusst gemacht zu haben, was eine Währung ist und woraus Kriege entstehen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/04/krieg-oder-frieden.html

    Dass eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in „God´s own country“ schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstehen konnte, beruht auf einer künstlichen Programmierung des kollektiv Unbewussten, die vor Urzeiten erforderlich war, um den Kulturmenschen im wahrsten Sinn des Wortes „wahnsinnig genug“ für das Unternehmen „Arbeitsteilung mit Konstruktionsfehlern“ zu machen, und die der „Unglaube“ (Ignoranz) nicht überwinden kann.

    Mythen lassen sich nicht durch Ignoranz besiegen, denn sie sind mehr als bloße Dichtung, und das in zweifacher Hinsicht: Zum einen beinhaltet ein Mythos eine tiefere Wahrheit (die umso elementarer ist, je länger der Mythos besteht), sodass seine naiven Fehlinterpretationen (so genannte Exegese) erst dann aus der Welt geschafft werden können, sobald die eigentliche, tiefere Bedeutung des Mythos erklärt und damit zugleich der Mythos selbst zerstört ist. Zum anderen beeinflussen Mythen unser Unterbewusstsein und steuern auf subtile Weise unser Verhalten, was uns auch erst dann bewusst wird, sobald der Mythos erklärt ist.

    Grundvoraussetzung des selbständigen Denkens – sofern es das menschliche Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft – ist daher der elementare Erkenntnisprozess der „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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