Deutschsprachige Freitagspredigt? Ja, sicher…

Hallo und Salam Alaikum,

da ich die heutige Freitagspredigt in deutscher Sprache in der Fatih-Moschee so hoch angepriesen und dafür geworben hatte dorthin zu kommen, muss ich leider gestehen, dass meine Erwartungen nicht erfüllt worden sind.

Nun, ein paar Stunden nach dem Besuch der Moschee, bin ich wieder auf einem Niveau, wo ich sagen kann, dass ich mich etwas beherrschen und mehr über die Zeit dieses Besuches reflektieren kann als es direkt nach der Freitagspredigt hätte sein können. Manchmal ist es besser sich ein wenig Distanz zu verschaffen, sonst endet mancher Kommentar schlimmer als er intendiert ist.

Aber da man mittlerweile meine Art kennt, werde ich heute keine Streicheleinheiten verteilen, denn diese sind, zumindest was den Moscheebesuch und meine Erwartungen an ihn angehen, nicht verdient.

Die Moschee macht seit Jahren Werbung auf ihrer Webseite, dass sie jeden letzten Freitag im Monat ihre Freitagspredigt auf Deutsch hält. Genauer Wortlaut auf ihrer Homepage ist wie folgt:

„Jeden letzten Freitag im Monat wird die Freitagspredigt in der Fatih-Moschee in deutscher Sprache abgehalten. Eine Freitagspredigt auf Deutsch öffnet nicht nur die Moschee für alle Muslime unabhängig von ihrer Herkunft, sondern ermöglicht unseren Kindern und Jugendlichen die Probleme mit der Muttersprache haben, dieses besser zu verstehen und weiter zu vermitteln.“

Das erste Mal war ich in 2009 zu einem dieser Freitagsgebete mit einer weiteren konvertierten Muslima aus meinem Freundeskreis. Außer „Bitte schalten Sie Ihre Handys aus“ bekamen wir nichts Deutsches in dieser Freitagspredigt mit. Nur verständlich, dass wir enttäuscht waren, schließlich waren wir extra wegen der auf der Homepage angepriesenen Freitagspredigt auf Deutsch in der Moschee erschienen. Unser Türkisch ist schlichtweg nicht-existent, und da möchte man bei deutschsprachigen Angeboten natürlich zugreifen…wenn es sie denn auch gäbe. Es reicht eben nicht aus Werbung auf der Homepage zu machen und es dann aber nicht in die Tat umzusetzen.

In 2011 war ich mehrere Male zu diesen umworbenen Freitagspredigten, aber auch wenn es sich gegenüber 2009 bezüglich der Freitagspredigten in deutscher Sprache verbessert hatte, so war es dennoch enttäuschend. Ich fragte mich immer, ob es daran liegt, dass einfach das Interesse an deutschsprachigen Freitagspredigten nicht vorhanden ist und sich deshalb so wenig Mühe in deren Vorbereitungen gegeben wird, oder ob die deutsche Sprache ein Problem für die regelmäßigen BesucherInnen darstellt, so dass sich dementsprechend nicht weiterentwickelt wird.

Heute war es ein sagenhaftes Armutszeugnis! Es tut mir sehr leid, wenn ich das so formulieren muss, aber nach heutiger Freitagspredigt kann ich nur sagen, dass die Werbung auf der Homepage ihren Platz dort nicht (!) verdient hat. Ich habe vor 9 Tagen „Werbung“ auf meinem Blog und auf Facebook (in unterschiedlichen Gruppen) für den heutigen Besuch dieser deutschsprachigen Freitagspredigt gemacht, auch in der Hoffnung, dass es eben auch nicht-türkische BesucherInnen anzieht sich das einmal anzuschauen. Persönlich sage ich: Es ist gut, dass Sie/ Ihr nicht gekommen seid, denn es wurde zu wenig geboten:

Zwei Schwestern (eine davon konvertiert) haben mich begleitet, in der Hoffnung (und auch durch meine Werbung angereizt) auf eine deutschsprachige Freitagspredigt. Wir waren pünktlich dort, und der Hoca (Imam) hatte bereits mit seiner Ansprache angefangen…natürlich auf Türkisch! Ich war zu dem Zeitpunkt noch in der Hoffnung, dass wenn er zu Ende gesprochen hatte, dass der deutschsprachige Teil genauso lang und emotional sein würde. Sorry, aber Pustekuchen! Es wurden nach seiner Ansprache vier Rakat gebetet, und dann haben wir einen Moment gewartet…und dann kam tatsächlich ein deutschsprachiger Teil, aber der ist meiner Meinung nach kaum erwähnenswert, denn er war so enttäuschend und kurz, dass ich meine Emotionen in der Moschee nicht zurückhalten konnte (Einzelheiten erspare ich Ihnen/ Euch hier).

Nach Rücksprache mit den beiden Schwestern, die mitgekommen waren, sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass dieser deutschsprachige Teil kurzfristig aus dem Internet zusammengesucht und ausgedruckt wurde, damit ein Bruder den vorlesen kann. Und ja, er hatte ihn vorgelesen ohne Emotionen, ohne Persönlichkeit zu demonstrieren. Ich glaube, dass alles nach 3 Minuten vorbei war. Gut, die Essenz – Als Muslim, egal ob Mann oder Frau, hat man die Pflicht sich zu bilden – ist durchaus rüber gekommen, aber mehr gab es nicht. Danach wurde der deutsche Text ins Türkische übersetzt (welcher, ohne dass ich des Türkischen mächtig bin, sich deutlich entspannter anhörte), noch einmal 2 Rakat mit dem Hoca gebetet, Salawat und Duaas gemacht, und dann war alles vorbei.

Vielleicht habe ich zu hohe Erwartungen, aber wenn etwas angepriesen wird, und das seit vielen Jahren, sich aber kaum Mühe diesbezüglich gemacht wird, dann fühlt man sich doch etwas veräppelt. Ich habe in den vergangenen Jahren einige Freitagspredigten in deutscher Sprache erleben dürfen – einige sehr gut, einige weniger gut – aber es war nie nach 3 Minuten (okay, vielleicht 5, wobei das großzügig gedacht ist) abgehakt.
Es gibt viele MuslimInnen, die kein Türkisch (oder wahlweise Arabisch in arabischen Moscheen) können. Auch gibt es viele KonvertitInnen, die kein Türkisch (oder Arabisch) können. Wenn dann Angebote in der Muttersprache oder Sprache des Aufenthaltslandes kommen, stürzt man sich drauf wie ein verhungernder Wolf, und möchte dementsprechend (mit Wissen etc.) gefüttert werden.

Ich bin heute hungrig aus der Moschee gekommen – kein gutes Zeichen.

Als Konvertitin ist man von Anfang an eine „zum Islam Zugezogene“, somit fühlt man sich allein schon kulturell, aber auch sprachlich, „benachteiligt“, wenn man sich in der muslimischen Community aufhält bzw. aufhalten will, aber man nichts versteht. Da man nicht in den Glauben/ die Community hingeboren worden ist, sondern sich (meist) aus freiem Willen dazu entschieden hat, ist man von vorneherein ein Außenseiter. Klingt blöd, ist aber so…außer man schwimmt mit den Strom bestimmter Gruppen, aber selbst dann ist man oft mit der Sprache herausgefordert.

Wie soll die Muslime zueinander finden, wenn sich nicht ein wenig mehr um die gemeinsame Sprache gekümmert wird? Hier in Deutschland benötigen wir mehr als nur 3 Minuten auf Deutsch in einer Moschee. Glauben Sie mir, dass es so viele Menschen gibt, die allein aufgrund der Verständigungshindernisse keinen Schritt in eine Moschee wagen. Warum auch? Was sollten sie dort, wenn sie nichts verstehen werden? Sich langweilen und sich Gedanken machen, was für ein Verein die Muslime eigentlich sind?

Es gilt sprachliche Barrieren abzubauen und ich kann den Moscheen nur raten, dass es sinnvoller wäre sich besser und gründlicher auf eine deutschsprachige Freitagspredigt vorzubereiten, so dass alle davon etwas haben. Es reicht nicht aus, wenn man zu deutschsprachigen Seminaren in den Moscheen eingeladen wird. Die Freitagspredigt macht es…und genau daran muss etwas geändert werden. Nur Werbung zu machen und dann es so schlecht auszuführen geht gar nicht!

Ganz ehrlich – ich habe mir mehr erwartet, aber so hat es den Anschein, als wolle man unter sich bleiben.

Und DAS ist nicht islamisch.

Heißt es nicht im Qur’an:

„Oh ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Gott ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Gott ist allwissend, allkundig.“ (Qur’an, 49:13)

Es gibt Muslime überall auf der Welt, sie haben unterschiedliche Hautfarben, Sprachen, Kulturen, aber sie haben etwas gemeinsam: Den Glauben. Und sie bilden (eigentlich) eine Einheit – die Ummah. Eine Ummah kann man nur pflegen und fördern, wenn man sich gegenseitig versteht, nicht nur vom Herzen, von Verstand und vom Glauben her, sondern insbesondere Sprache verbindet.

Ich hoffe, dass sich das bessert, inshaAllah.

In diesem Sinne, Frieden an und für alle.

Eine enttäuschte Hannibal-Nur 😦

♥ Djuma Mubārakah ♥

Hallo und Salam Alaikum,

basmala

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

Ich bin gestern darauf aufmerksam gemacht worden, dass in mancher Menschen Verständnis der Sufismus eine Sekte sei. Den meisten dieser Menschen, die ein solches Verständnis vom Sufismus haben, berufen sich darauf, dass es nur einen Weg gibt, um den Islam „richtig“ zu leben und zu praktizieren.

Wie kann es anders sein, als dass ich anderer Meinung bin? Gestern habe ich mich ein wenig mit dem Tasawwuf beschäftigt, der angeblich typisch Sufi sei, somit „nichts mit Islam zu tun hätte“.

Falsch!

Tasawwuf widerspricht dem Islam nicht im Geringsten, sondern macht sogar einen wichtigen Bestandteil der Shari’ah aus. Somit ist seine Notwendigkeit ersichtlich. Alle echten Prinzipien des Tasawwuf sind im Qur’an und in der Sunnah, inbesondere den Ahadith (Überlieferungen des Propheten Muhammad saw und seiner Gefährten), enthalten, und es sind nur wenige, die sich offensichtlich dagegen aussprechen (können).

tasawwufWas ist eigentlich Tasawwuf?

Es ist wie eine persönliche Einstellung und Formung des eigenen Charakters. Man kann sogar von Verschönerung sprechen, denn ist es nicht so, dass man den Charakter immer wieder aufs Neue verbessern kann?

Dahinter steckt die allgemein gültige Absicht, göttliches Wohlgefallen zu erwerben. Um aber Gottes Wohlgefallen wirklich erlangen zu können, sollte man im vollständigen Gehorsam gegenüber den Geboten der Shari’ah stehen. Das wiederum kann jede(r) Einzelne für sich selbst auslegen, was für sie oder ihn hiermit gemeint ist.

Ich habe gelesen, dass Tasawwuf „die Seele des Islams“ sei. Steht das auch so im Qur’an und wie kann die „Seele“ überhaupt mit dem „Recht“ zusammenarbeiten? Kann es  überhaupt eine Einheit geben oder schliessen die beiden sich grundsätzlich voneinander aus? Was sagen eigentlich die Gelehrten zu Tasawwuf?

Es beinhaltet zumindest die Reinigung des eigenen Selbst. Nicht immer einfach, und für die meisten eher eine Herausforderung, denn hierzu muss man eingestehen, dass man nicht fehlerfrei ist und an seinem Nafs arbeiten muss. Im Qur’an wird oft, wenn auch manchmal erst nach zweitem Blicke, von Tasawwuf gesprochen. Der Qur’an zeigt sich hiermit von einer nachdenklichen Seite und regt den Menschen dazu an selbiges zu tun:

Surah 89 (al-Fadschr – Der Tagesanbruch):29-30

„Oh du Seele, die die Stufe des Mutmain erreicht hat, tritt ein unter Meine guten Diener, und tritt ein in Mein Paradies.“

Surah 13 (ar-Ra’d – Donner): 28

„-Jene, die glauben und deren Herzen im Gedenken Gottes Ruhe finden – denn, wahrlich, im Gedenken Gottes finden die Herzen (der Menschen) Ruhe.“

sufiTasawwuf gründet auf die Befolgung der islamischen Gebote und Verbote. Für manche wird dies als die Shari’ah verstanden. Für andere ist es Gottes Wort zu folgen. Der Unterschied zwischen Tasawwuf und Shari’ah ist, dass letztere sich auf äußerliche Handlungen (wie z.B. das Gebet) bezieht, während ersterer sich auf innere Haltung konzentriert. Das ist gleichbedeutend mit der Reinigung des Herzens und negativen Eigenschaften des Charakters. Zeitgleich soll das Herz mit Reue, Standhaftigkeit, Liebe, Vertrauen, Tauhid, Aufrichtigkeit, Wahrheit und Nachsinnen ausgeschmückt werden.

Man kann also faktisch sagen, dass Tasawwuf diese Seele der Shari’ah ist. Es beinhaltet somit regelmäßiges Beten, Genügsamkeit, Selbstkontrolle wie auch Selbstkritik, Erfüllung religiöser und sozialer Pflichten, und noch vieles mehr.

Manche MuslimInnen gehen davon aus, dass Tasawwuf gar nicht geht. Ich muss widersprechen, denn selbst Großgelehrte haben es sich zur Aufgabe gemacht sich über den Tasawwuf Gedanken zu machen. Hier sind nur drei Beispiele, die es deutlich unterstreichen, wie wichtig Tasawwuf im Leben eines Gläubigen ist:

Imam Malik

“Wer auch immer Rechtslehre studiert [tafaqaha] und nicht Sufismus studiert hat [tasawwaf] wird verderben; und wer auch immer Sufismus studiert und hat Rechtslehre nicht studiert wird ein Häretiker; und wer auch immer beides kombiniert wird die Wahrheit erreichen.”

Imam Shafi‟i

“Ich habe die Sufi Leute begleitet und ich habe von ihnen drei Wissen erhalten: wie man spricht; wie man Leute mit Nachsicht und einem weichen Herzen behandelt und sie führten mich auf den Wegen des Sufismus.”

Sogar der ehrenwerte Ibn Taymiyya, der nicht unbedingt für seine Zuneigung des Sufismus gegenüber bekannt ist, hat sich für den Tasawwuf ausgesprochen:

“Tasawwuf beinhaltet Realitäten und Zustände der Erfahrung über welche sie in ihrer Lehre sprechen. Einiger dieser sind, dass der Sufi derjenige ist, der sich selbst reinigt von allem was ihn von der Erinnerung Allahs ablenkt und der so sehr mit dem Wissen des Herzen und dem Wissen des Verstandes gefüllt ist, dass der Wert von Gold und Steinen ihm der gleiche scheint. Und Tasawwuf bewahrt die kostbaren Bedeutungen und lässt den Ruf zu Ruhm und Selbstgefälligkeit um die Stufe der Wahrhaftigkeit zu erreichen, denn die besten Menschen nach den Propheten sind die, welche Allah auch erwähnt in Surah An-Nisa’ (Frauen):69:

“(Wer Allah und dem Gesandten gehorcht,) soll unter denen sein, denen Allah Seine Huld gewährt hat, nämlich unter den Propheten, den Wahrhaftigen, den Blutzeugen und den Gerechten; und das sind die besten Gefährten.“

HerzenDurch den Tasawwuf übt sich der Mensch in Spiritualität. Ich kann mir nur für alle Menschen wünschen, dass sie eine gewisse Spiritualität erlangen, denn das öffnet ihre Herzen und bewahrt sie vor der Versteinerung ihres Herzens. In der heutigen Gesellschaft ist es dringend von Nöten, dass wir unser Herz nicht verlieren, denn verlieren wir dieses, verlieren wir Glauben, Verstand, Rationalität, Liebe und Zuneigung.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein wunderbares und erfüllendes Wochenende.

LG und Salam Alaikum

Hannibal-Nur 🙂

Glaubensfreiheit: Verankert im Heiligen Qur’an?!

Hallo und Salam Alaikum,

 

Der Qur’an lehrt absolute Glaubensfreiheit, so mein Verständnis von der Heiligen Schrift.

 

Das es Menschen gibt, Muslime wie Nichtmuslime, die genau das Gegenteil von meinem Qur’anverständnis denken, steht außer Frage, denn wie bei jeder Diskussion rund um Glaube (muss nicht einmal nur der Islam sein), wird es gegensätzliche Pole geben.

Die einen denken, dass Glaube nur stattfinden kann, wenn der/ die Einzelne selbst dazu findet, sich selbst davon überzeugt, und dies spiritualisierend wie praktisch auf seine bzw. ihre unmittelbare Umgebung, und natürlich sich selbst, überträgt.

Die anderen denken durchaus auch, dass es Freiheit im Glauben gibt, aber…ja wirklich, aber: Diese Freiheit kann nur ausgekostet werden, wenn man entweder schon im Glauben drin ist, also hineingeboren, oder aber wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Wer hat Recht und wer nicht? Weder die einen noch die anderen haben Unrecht! Was? Wie kann das denn sein? Ja, ja, der Qur’an ist eben ein Text, der sich auf alle Menschen, die ihn lesen, einstellt. Das bedeutet, dass dadurch unterschiedliche Facetten eines Glaubensfreiheitsverständnisses zum Vorschein kommt, welches eben diese differenzierten Verknüpfungen und Verständnisse zum Ausdruck bringt.

Einfach gesagt:

Religion und Glaube sind eine Gewissensfrage und keine Macht vermag diese zu beeinflussen. Zwang und Glaube können nicht zusammen existieren. Gott, der die Menschen erschaffen und mit jeglichem Segen bedacht hat, gibt ihnen die Freiheit, an Ihn zu glauben oder nicht, somit liegt die Sinnlosigkeit eines Zwangs seitens der Menschen deutlich auf der Hand:

„Wahrlich, Wir haben ihm den Weg gezeigt: (und es liegt an ihm, sich) entweder als dankbar oder undankbar (zu erweisen).“ (Qur’an 76:3)

Ist die heilige Botschaft den Menschen offen verkündet worden, so ist die Aufgabe des Propheten erfüllt und er besitzt nunmehr keine Verantwortung für das Handeln der Menschen. Es ist nicht seine Aufgabe, im Rahmen der verkündeten Botschaft die ZuhörerInnen zum Glauben zu zwingen.

Hierzu sind ein paar Zitate aus dem Heiligen Qur’an wichtig zu erwähnen:

„Und so (o Prophet), ermahne sie; deine Aufgabe ist nur zu ermahnen: du kannst sie nicht zwingen zu glauben.“ (Qur’an 88:21)

„Und sprich: „Es ist die Wahrheit von eurem Erhalter.“ Darum lasst den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will.“

(Qur’an 18:29)

„(Und) Also ist es:) hätte dein Erhalter es so gewollt, all jene, die auf Erden leben, hätten sicherlich Glauben erlangt, allesamt: denkst du denn, dass du die Leute zwingen könntest zu glauben, ungeachtet dessen, dass kein Mensch jemals anders Glauben erlangen kann als mit Gottes Erlaubnis, und (dass) Er es ist, der das abscheuliche Übel (des Unglaubens) jenen auferlegt, die ihren Verstand nicht gebrauchen wollen?“ (Qur’an 10:99-100)

„Wahrlich, Du kannst nicht jeden rechtleiten, den du liebst: aber Gott ist es, der rechtleitet, wer rechtgeleitet werden will; und Er ist aller völlig gewahr, die sich rechtleiten lassen wollen.“ (Qur’an 28:56)

Niemand kann zur Annahme oder Rückweisung des Islam gezwungen werden. Wird der Mensch dazu gezwungen, so hat die Verantwortlichkeit des Menschen, seine freie Wahl, die göttliche Gerechtigkeit, Strafe und Belohnung und das Diesseits als Prüfung keine Bedeutung mehr und das Jüngste Gericht, das Jenseits, das Paradies und die Hölle verlieren ihren Sinn. Die Frage der Glaubensfreiheit wird im Qur’an offen befürwortet und unterstützt.

Im Qur’an wird stets wiederholt, wie Allah dem Menschen mit seiner Erschaffung auch die Glaubensfreiheit gibt. Das obiger Absatz heutzutage nicht einfach so zu unterschreiben ist, wird jedem irgendwie sonnenklar sein, denn obwohl explizit immer wieder darauf hingewiesen wird, dass Glaube und die seinige Praxis nicht erzwungen werden kann – ohne das Spiritualität und gute Absicht verloren gehen – so muss man, leider Gottes, feststellen, dass – und hier kann ich nur für Muslime sprechen – wir Muslime es uns und anderen Glaubensgeschwistern, wie aber auch Nichtmuslimen in unserer unmittelbaren Umgebung, schwer machen mit Glaube umzugehen und ihn nach eigenem Verständnis zu leben und zu praktizieren.

Heißt es nicht in Surah Al-Kafirun wie folgt:

 

 

 

 

„Im Namen Gottes, des Allergnädigsten, des Gnadenspenders: Sag: „Oh ihr, die ihr die Wahrheit leugnet! Ich bete nicht das an, was ihr anbetet, und ihr betet auch nicht das an, was ich anbete. Und ich werde nicht das anbeten, was ihr (jemals) angebetet habt, und ihr werdet auch nicht (jemals) das anbeten, was ich anbete. Für euch euren Glauben, und für mich meinen Glauben.“

Was genau heißt das denn? Es ist eigentlich unmissverständlich:

Jeder seinen Glauben nach seinem Verständnis durch die jeweiligen Heiligen Quellen.

Somit, und ist es recht eindeutig, und das hier nur als Kurzversion:

Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens. Deutlich unterschieden geworden ist nun der rechte Weg von dem des Irrtums; wer darum die Mächte des Übels verwirft und an Gott glaubt, hat fürwahr eine höchst unfehlbare Stütze ergriffen, die niemals nachgibt: denn Gott ist allhörend, allwissend.“ (Qur’an 2:256)

Im Qur’an steht schon drin, dass Gott den Menschen den freien Willen und die Entscheidung selbst überlässt, ob und welchen Glauben sie annehmen oder nicht. Zeitgleich weist Er auch darauf hin, wenn dem Irrweg gefolgt wird, welche Konsequenzen dies zur Folge haben könnte. Aber die Freiheit selbst zu entscheiden ist im Qur’an verankert.

Dieser kurze Input soll nur ein kleiner Gedankenanstoß dazu sein, dass Glaube nicht gleichbedeutend Zwang in der Praxis von Regeln bedeutet. Viele von uns MuslimInnen scheint es nicht verständlich zu sein, dass die Religion eigentlich so einfach ist. Wir machen sie uns und anderen unnötig schwer. Die Botschaft soll das Leben erleichtern, nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auch zwischenmenschlich und für das Leben im Jenseits.

Wir sollten darüber nachdenken, was wir manchmal anderen Glaubensgeschwistern mit unseren Ermahnungen und Belehrungen antun. Auch wenn es gleichbedeutend einer Pflicht kommt so manchen Menschen auf etwas aufmerksam zu machen, so sollte man nicht vergessen, dass Ermahnungen nicht in Stein gemeißelt sind, und schon der Prophet (saw) zu seiner Zeit sich angepasst und nicht belehrend hingestellt hat. Zudem hat er, nachdem er gelehrt hat, die Menschen ihren eigenen Entscheidungen überlassen.

Genau davon sollten wir uns vielleicht eine Scheibe abschneiden, und damit die Freiheit im Glauben intensivieren.

Denn nur so kann es unsere individuelle Spiritualität erhöhen, das Miteinander stärken, und die Beziehung von einem selbst mit dem Allmächtigen intensivieren.

Nur so ein Gedanke, entspringend aus einer heutigen Diskussion.

In diesem Sinne,

liebe Grüße und Salam

Hannibal-Nur 🙂

♥ Jummah Mubarak ♥

Hallo und Salam Alaikum,

ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Freitag.

Morgen, am 24. November 2012, ist das Aschura-Fest, inshaAllah.

Was ist Aschura?

Es ist der zehnte Tag des islamischen Monats Muharram, dem ersten Monat im islamischen Mondkalender. An diesem Tag gedenken viele Muslime, insbesondere Schiiten und Aleviten, und zu einem kleineren Teil auch Sunniten, in unterschiedlichen Gegebenheiten an bestimmte Propheten oder Nachfahren des Propheten Muhammad (Gottes Segen und Friede sei mit ihm –hiernach“*“).

Im Monat Muharram wird eigentlich jegliche Form der Auseinandersetzung untersagt und jeder ist dazu aufgerufen zum Frieden beizusteuern. Viele Ereignisse geschahen am 10. Muharram, dem Aschura-Tag.

 

So überquerte der Prophet Moses das Rote Meer an diesem Tag. Auch wurden die Wunden des Propheten Hiob am Aschura-Tag geheilt. Zudem strandete der Prophet Noah mit seiner Arche an diesem Tag nach einer Sintflut auf dem Berg Cudi.

Schiiten gedenken des Todes von Imam Hussein in Kerbala. Hier wird Aschura normalerweise als letzter Tag der jährlich zehn Tage dauernden schiitischen Trauer- und Bußrituale zu Ehren des Martyriums von Imam Hussein, dem Sohn von Ali, dem Vetter Muhammads*, und Fatima, der Tochter Muhammads*, gesehen.

Für die Aleviten ist Aschura besonders wichtig, denn nach 12-tägigem Fasten wird unter ihnen eine Süßspeise mit Namen Aşure gekocht und als Zeichen der Dankbarkeit und Verwandten, Nachbarn, und Bekannten verteilt und gemeinsam gegessen. Aleviten bringen hiermit ihren Dank zum Ausdruck, dass Zein Al Abidin, der Sohn von Imam Hussein, aufgrund von Krankheit die Schlacht von Kerbala überlebte.

Für die Sunniten ist Aschura auch von besonderer Bedeutung, denn an diesen, wie auch in den Tagen davor und nach, kann gefastet werden. Dieser Fastentag scheint durch die Übernahme des jüdischen Jom Kippurs Tradition erlangt zu haben, allerdings gilt das Fasten nur als Sunna, ist somit nicht bindend, sondern freiwillig. Das freiwillige Fasten wird oftmals mit einen Hadith – einer Überlieferung – begründet:
„Salim berichtete, dass sein Vater sagte: ‚Der Prophet* sagte: Am Tag Aschura kann jeder fasten, der fasten will.’“

Zurück zu Noah:

Er und seine gestrandeten Gefährten wollten ein Festessen kochen, um die Erlösung von der Sintflut zu feiern, aber sie hatten nur wenig Lebensmittel zur Verfügung, und so haben sie alles, was sie noch hatten, in einen Topf getan und daraus die Aschura-Suppe gekocht.

 

Die Suppe beinhaltet viele unterschiedliche Zutaten, wie Bohnen, Sultaninen, Walnüsse, Feigen, Weizen, Orangen, Granatäpfel, Kichererbsen, Datteln und Pfirsiche, so dass sie einen Eigengeschmack beinhaltet. Dennoch scheint man alle Zutaten einzeln herausschmecken.

So wird in vielen muslimischen Haushalten an Aschura diese Suppe gekocht und man erinnert sich an die Geschichten der Propheten und der damaligen Menschen. Die Logik dahinter ist auch, dass man dadurch Harmonie fördern kann, indem viele verschiedene Kulturen, Religionen und Denkweisen zusammenkommen und ein Ganzes bilden, inshaAllah. So also soll der Dialog unter den Menschen und zwischen den Kulturen gefördert werden.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen wunderbaren, von Gott gesegneten Freitag und ein wunderbares und erfüllendes Aschura-Wochenende.

LG und Salam Alaikum

Hannibal-Nur

Frauen wollen in die Moschee

Hallo und Salam Alaikum,

„Bisher mussten Frauen die Moscheen durch Seiteneingänge betreten und in dunklen Ecken auf Emporen sitzen. Jetzt will das Religionsamt in Ankara die Diskriminierung beenden.Frauen sollen zum Moscheebesuch ermutigt werden und neben den Männern am Freitagsgebet teilnehmen dürfen. Das mächtige Religionsamt, Herr über die fast 80.000 Moscheen des Landes, will so gegen das Bild vom frauenfeindlichen Islam ankämpfen. Das ist eine ziemliche Revolution und noch sind die Reaktionen recht verhalten. Schließlich gehörte die Moschee jahrhundertelang Freitags den Männern. Doch der Einfluss der Frauen im Islam wächst: In einigen Städte gibt es bereits weibliche Muftis.“

Deutschsprachige Freitagspredigt 30.11.12 in Bremen

Hallo und Salam Alaikum,

ich möchte auf die deutschsprachige Freitagspredigt am 30. November in der Fatih Moschee in Bremen aufmerksam machen.

Jeden letzten Freitag im Monat wird in dieser Moschee die Freitagspredigt zum einem Teil auf Türkisch, aber eben auch einen Teil auf Deutsch abgehalten.

Wer also interessiert ist sich das einmal anzuhören, sollte sich diesen Tag im Kalender vermerken.

 

Uhrzeit gegen 12:15 Uhr, so Gott will.

http://www.fatih-moschee.de/

 

 

LG und Salam

Hannibal-Nur 🙂

Ermunterung

 

 

 

Wenn sich in der Zeit der Besinnung der Teppich Deines Lebens vor Dir ausbreitet,

jammere nicht über die Webfehler,

freue Dich über die Vielfalt des Musters,

bringe die alten Farben wieder zum Leuchten und sieh zu,

noch möglichst viele Knoten zu knüpfen.