Aufführungsverbot des Muhammad-Videos…oder nicht?

Hallo und Salam Alaikum,

Das vor einigen Tagen bekannt gewordene Muhammad-Video scheint in aller Munde zu sein, und obwohl ich hierzu eigentlich gar nichts schreiben wollte, so fühle ich mich doch etwas genötigt, Stellung zu beziehen.

Das Video „The Innocence of Muslims“ ist in Teilen auf youtube zu sehen, und ein Film, der meiner Meinung nach äußerst schlecht gemacht ist und nur provozieren soll. Das die Filmemacher – christliche Kopten – nicht auf die Idee gekommen sind, wie es in Folge der Publikation ihren Glaubensgeschwistern insbesondere in Ägypten ergehen könnte, hat man ltraurigerweise merken müssen. Das der Film religiöse Gefühle verletzt, kann ich als Muslima nachvollziehen. Dennoch halte ich den Film für etwas sehr schwach, einfältig und dumm, so dass man sich dadurch nicht provozieren lassen sollte.

Das, was in der so genannten islamischen Welt momentan passiert – angefangen vom Mord an dem amerikanischen Botschafter in Libyen, der in Brandsetzung der westlichen Botschaften (inkl. der deutschen Botschaft) im Sudan, bis hin zum provokanten Zerreißen einer Bibelübersetzung durch einen salafischen Prediger in Ägypten – hat mit der gedanklichen Mehrheit der Muslime nichts zu tun. Es ist ein aufgebrachter Mob, der es nicht besser weiß, der jahrzehntelang unter Diktaturen und Beschneidung der Presse- und Meinungsfreiheit gelitten hat, und nun Aufhänger sucht, um seinem Ärger, seiner Depression und seinem Unmut Luft zu machen. Mit Islam hat das im Endeffekt absolut gar nichts zu tun.

In der Debatte um ein eventuelles Aufführungsverbot des Films sind nun Maßnahmen des BKAs angefangen worden zu prüfen, ob ein solches Verbot Sinn macht oder eher hinfällig ist. Vordergründig geht es um die Sicherheitserhaltung des einzelnen Bürgers. Meiner Meinung nach sollte dieser Film nicht verboten aufgeführt zu werden, jedoch sollten sich diejenigen, welche es möglicherweise vorhaben, Gedanken machen, was sie damit bezwecken wollen, und vorausschauend bedenken, was sich in Folge dessen als Ergebnis präsentieren könnte.

Die meisten muslimischen Organisationen in Deutschland möchten ein Aufführungsverbot dieses Films erwirken, da es ihrer Meinung nach den Islam beleidigt. Wie obig schon erklärt, kann ich als Muslima religiös verletzt sein, jedoch muss ich zugeben, dass ich mich durch dieses Video nicht provoziert fühle. Man muss nicht päpstlicher als der Papst sein -> denken Sie an die Zeitschrift „Titanic“.

Gewaltausbrüche sind keine Lösung, und schon gar nicht eine islamische Lösung. Im Gegenteil: Peinlicherweise ist es den Gewaltmachern nicht in den Sinn gekommen, dass sie sich aufgrund ihrer Haltung und ihres Verhaltens dem Glauben nur noch mehr entfernen, und im Endeffekt keine friedliche Demonstration und Lösung des „Problems“ herbeibringen. Diese so schön einstudierte Opferrolle der Muslime kommt hierbei wieder zum Vorschein und würde durch ein Verbot nur weiter gestärkt werden. Das muss nicht sein, und dem müssen sich auch nicht alle beugen. Ich persönlich wehre mich vehement gegen diese Opferrolle, schliesslich sind wir, egal ob Muslim oder nicht, für unser Verhalten selbst (!) verantwortlich.

Wir MuslimInnen sollten über all diesen Lächerlichkeiten stehen und ein wenig Würde zeigen, und das können wir nur, indem wir uns nicht so verhalten, wie es andere haben wollen, sondern in uns gehen und einmal nachdenken, warum wohl solche Aktionen ein solches Verhalten hervorrufen.

Der Film darf zu recht kritisiert werden, aber ein Verbot halte ich nicht für sinnvoll, denn weder würde es uns MuslimInnen einen Gefallen tun, noch NichtmuslimInnen. Bei einem Verbot würde meiner Meinung nach die Islamfeindlichkeit noch mehr geschürt werden, sowie würden sich einige MuslimInnen noch wohler in ihrer Opferrolle als ohnehin schon zuvor fühlen. Würde der Film nicht verboten werden, so sollte man sich mit einem kühlen und vernünftigen Kopf dieser Sache zu wenden, oder noch einfacher: Einfach ignorieren!

In diesem Sinne Frieden an und für alle,

Hannibal-Nur

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5 Gedanken zu “Aufführungsverbot des Muhammad-Videos…oder nicht?

  1. conring schreibt:

    @Hannibal Nur
    „Das die Filmemacher – christliche Kopten – nicht auf die Idee gekommen sind, wie es in Folge der Publikation ihren Glaubensgeschwistern insbesondere in Ägypten ergehen könnte, hat man ltraurigerweise merken müssen. “
    Welche traurigen Folgen sollten sich denn in Ägypten ergeben?
    In Ägypten leben doch mehrheitlich Muslime.

  2. hannibalnur schreibt:

    @conring,

    mit Glaubensgeschwister meinte ich die Glaubensgeschwister des Filmemachers. Das sind keine Muslime, sondern christliche Kopten. Ich dachte, dass wäre deutlich herauszulesen. 🙂

    Gruss

    Hannibal-Nur

  3. conring schreibt:

    @Hannibal Nur,
    aber Muslime sind doch derartige firedfertige und allgemien rational handelnde Leute, dass die niemals die Kopten für einen durchgeknallten Typen in L.A. in Sippenhaft nehmen würden.

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