Ausschreitungen in Solingen und Bonn

Hallo und Salam Alaikum,

manchmal ist Reden silber und Schweigen gold. Ich habe ein paar Tage überlegt, ob ich nun wirklich Stellung nehmen sollte oder nicht, aber angesichts der Ereignisse vergangener Tage komme ich nicht drum herum mich zumindest auf meinem Blog davon offiziell zu distanzieren.

Seit den Ausschreitungen am 1. Mai, vergangene Woche Dienstag, gibt es nicht nur Auseinandersetzungen in Bezug auf ProNRW, aber auch Streitereien unter MuslimInnen, was die Aktionen einiger Muslime am 1. Mai in Solingen, und am vergangenen Samstag, dem 5. Mai, in Bonn, angehen.

Mir fehlen die Worte, dass seitens einiger MuslimInnen diese provokanten Aktionen gebilligt und unterstützt werden. Das inhaltliche wie auch aktive Verhalten dieser dazu beitragenden Muslime hat meiner Meinung nach nichts mit Islam, dem Glauben an sich oder gar menschlichem Verhalten zu tun.

Das in der Nacht zum Samstag, dem 28. April, abgetrennte Schweineköpfe vor der Moschee am Neuköllner Columbiadamm abgelegt worden sind, zeugt für mich nicht von besonderer Klugheit, sondern ist eine Provokation, derer manche Muslime nicht gewachsen sind bzw. waren, und es dementsprechende Konsequenzen gab. Man muss dazu allerdings erwähnen, dass nicht allein ProNRW daran Schuld ist, sondern, dass es auch EinzeltäterInnen gibt, die in der rechten Szene aktiv sind und an solchen Aktionen entweder beteiligt sind oder auf eigene Faust handeln.

Die Provokationen werden gezielt auf Muslime gerichtet, somit werden einige so weit verunsichert, dass sie in Folge von Verunsicherung ihren niedrigsten Instinkten folgen und genau das entstehen lassen und zeigen, was von solchen Gegnern ohnehin schon provoziert wird. Es wird geradezu darauf hingearbeitet, dass bestimmte Muslime aus der Fassung geraten und sich im Endeffekt öffentlich durch ihr eigenes Verhalten erniedrigen, und somit alle anderen MuslimInnen in Verruf bringen.

Die Schlägereien in Solingen am 1. Mai können von mir weder gutgeheißen noch unterstützt werden, denn auch wenn diese aus einer Provokation der ProNRW durch Zeigen von islamischkritischen Karikaturen entstanden sind, so ist es ein Armutszeugnis derer, welche sich haben provozieren lassen. An der Kundgebung Pro NRW nahmen ungefähr 25 Personen teil. Spontan meldete eine Solinger Privatperson eine Demonstration unter dem Motto “Gegen Pro NRW” an. An dieser Versammlung, die von der Solingen Camii an der Konrad-Adenauer-Straße zum Rathausplatz führte, nahmen lautstark ca. 60 Personen teil, die der salafistischen Szene zuzuordnen seien. Wären diese Personen hinter ihrer Absperrung geblieben, wie es zu Anfang auch noch war, dann wäre es nicht zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Mitgebrachte Steine zeigen die Gewaltbereitschaft, die wohl im Vorfeld schon mit eingeplant worden war, eine Aktion, die nicht zu akzeptieren ist, weder als MuslimInnen noch als NichtmuslimInnen.

Das salafi-orientierte Muslime aus der Aktion in Solingen nichts gelernt und gleich darauf erneut zu einer Gegendemo aufgerufen haben, die im Endeffekt noch schlimmer ausartete als was in Solingen passiert ist, kann ich als Muslima und Mensch, der andere achtet und respektiert, nicht nachvollziehen. In diversen Netzwerken und auf unterschiedlichen Islamseiten wurde auf die Organisation dieser Gegendemo hingewiesen. Es ist allerdings traurig zu sehen, dass genau diese Aufrufe so viele Menschen erreicht haben, obwohl gleichzeitig für die Öffentlichkeit lesbar war, dass die Organisatoren von Gewaltausschreitungen (schon vor der Gegendemo) ausgingen, und Musliminnen dazu aufriefen zuhause zu bleiben. Ich habe nichts gegen Schutz einzuwenden, aber wenn zu dem im gleichen Atemzug von Bereitschaft zu Gewalt geraten wird, dann kann etwas nicht stimmen.

Wie man mittlerweile erfahren hat, sind Steine, Schlagstöcke, eine Steinschleuder sowie ein Messer sicher gestellt worden. Es sind alles Waffen, die vor der Demo organisiert und mitgebracht worden sind. Laut Medienberichten sollten weniger als 50 ProNRW Demonstranten anwesend gewesen sein, während eine bestimmte muslimische Gruppierung über 600 Demonstranten mobilisiert haben soll. Wie viele letztendlich da waren, kann ich nicht beurteilen, aber die Übergriffe, die ich im Fernsehen anschauen habe müssen, verschlugen mir die Sprache. Eigentlich fehlen mir die Worte mich höflich auszudrücken, doch möge Gott mich davor bewahren, mich in meiner Geduld alleine zu lassen, denn ich weiß nicht, wie ich dann reagieren würde. Diese Gewaltbereitschaft ist kein islamisches Verhalten. Es ist brutale Realität eines Fanatismus, dem man Einhalt gebieten muss.

Enttäuschung und teilweise auch ohnmächtige Wut breiten sich in mir aus, denn „sie wissen nicht, was sie tun“ (um es mal so salopp zu formulieren). Die ständigen Diskussionen vergangener Tag mit Musliminnen, welche diese Taten unterstützen, können einen mürbe machen und ein Friedensfähnlein schwenken lassen, aber aufgeben und mich mundtot machen lasse ich nicht zu. Viele MuslimInnen schämen sich für diese Aktionen der salafi-orientierten Geschwister. Es ist ein permanentes Fremdschämen, wo man sich fragt, was es denn endlich aufhören möge.

Von islamischem Verhalten, oder gar Menschlichkeit, war in diesen Aktionen und den Nachwehen nichts zu bemerken. Es ist leider wieder einmal geschafft worden, dass weiterhin und sogar vertieft Muslime negativ und mit Abwehr betrachtet und teilweise auch dementsprechend behandelt werden, auch wenn sie sich von diesen Aktionen der salafi-orientierten Muslime ausdrücklich distanzieren.

Eine kleine Gruppierung hat es mal wieder einmal geschafft all uns Muslimen, zumindest in Deutschland, einen negativen Ruf aufzudrücken, weil sie selbst nicht in der Lage dazu waren sich im Zaum zu halten und sich gemäß nach dem Vorbild des Propheten saw zu verhalten. Dieser hat sich, trotz übelster Beleidigungen nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern hat immer zu sanftem Benehmen angemahnt. Daher ist folgendes Sprichwort auch passend:

Wer mit Steinen beworfen wird, der werfe mit Brot zurück.

Ich kann solche Aktionen weder gutheißen noch unterstützen und schon gar nicht entschuldigen. Was haben sich diese Menschen dabei gedacht? Haben sie nicht von vorneherein den Gedanken mal aufgebracht, dass sie vielleicht nicht nur allen anderen Muslimen, aber auch sich selbst damit schaden? Hier gibt es keinen Krieg, von daher muss man sich noch nicht einmal verteidigen – und schon gar nicht tätlich. Gewaltanwendung ist im Islam nur als Verteidigungsmittel erlaubt, wenn man selbst als Muslim tätlich angegriffen wird, um sich dann im Namen der Religion zu verteidigen. Hier aber greift dieses Instrument nicht. Die Gewaltbereitschaft ist seitens der muslimischen Front initiiert und im Vorfeld organisiert worden. Diese Muslime sollten sich auf ihren Glauben zurückbesinnen und sich den Unterschied zwischen dem großen und dem kleinen Dschihad vor Augen halten.

Für solch ein Verhalten gibt es keine Entschuldigungen. Auch wenn der Wunsch nur Vater des Gedankens ist, so wäre eine öffentliche Entschuldigung seitens der an den Gegendemos teilnehmenden Muslime angebracht, denn solch ein Verhalten kann nicht akzeptiert, toleriert oder gar einfach hingenommen werden.

Mit enttäuschten, aber dennoch friedlichen Grüßen

Hannibal-Nur

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5 Gedanken zu “Ausschreitungen in Solingen und Bonn

  1. conring schreibt:

    Grüß Gott, Frau Nur
    Wiue Kommen Sie auf die Idee, dass die salifistischen Hooligans nicht gewusst haben, was sie tun?
    Sie schreiben doch selber, dass leute Waffen mitbebrachjt haben. Normalerweise will man damit doch was tun.

  2. hannibalnur schreibt:

    Grüß Gott Herr conring, ich glaube, ich war wohl eher am Beten, dass sie einen Moment (oder leider mehrere) hatten, in dem sie sich ihrer Handlungen nicht bewusst waren. Aber ich muss zugeben, dass dem nicht so zu sein scheint, denn der nächste Blödsinn wird leider gerade schon für morgen in Köln organisiert. Mir fehlen einfach die Worte, so wütend und enttäuscht bin ich über dieses Verhalten, was nichts mehr mit Islam oder islamischem Verhalten zu tun hat. Leider scheinen sie auch nicht gewillt zu sein Ratschläge von anderen Muslimen anzunehmen, sondern wollen sich weiter öffentlich zeigen. Ich habe vorhin nur einen Aufruf mitbekommen, wo die Vorbereitungen wohl nicht nur Steine, Messer und Steinschleudern, aber nun auch Schußwaffen angeblich beinhalten sollen. Da muss sich selbst mein eigenes Ich ein wenig zurückhalten, so dass ich nicht Ziel von diesen Menschen werde. Wobei mir auch schon in jüngster Vergangenheit zwar nicht gedroht wurde, aber man sich durchaus über meine Meinung über diese Ausschreitungen aufgeregt und nicht verstanden hat, warum ich denn nicht als Schwester im Glauben dieses Verhalten entschuldige, sondern mich auch noch darüber echauffiere. Man kann es keinem Recht machen. Vielleicht schreiben Sie doch einfach mal hier auf, was Sie persönlich über die Ausschreitungen in Solingen und in Bonn denken, wie Sie zu ProNRW und Co. stehen, und wie es hätte anders laufen können. Es wäre sicherlich interessant für einige Leser zu wissen, was Sie davon halten…und ich schließe mich damit ein.
    MfG
    Hannibal-Nur

  3. conring schreibt:

    Grüß Gott Frau Nur,
    persönlich halte die Leute von ProNRW etc. (Pi-news) ersteinmal für die Nachkommen von Leuten, die meine Jugendfreunde und Ich (kleine Stadt im Sauerland, 80er ) als Nazi-Rentner bezeichnet haben. Alles was nicht in deren Schrebergartenideologie fällt wird als böse angesehen. Das beste was man tun kann ist einfach ignorieren. Idioten gibt es überall..
    Und im übrigen halte ich auch Dr. Sarrazins Buch (darauf läuft ja ihre Frage hinaus), soviel Statistik kann ich noch aus mein Matheleistungskurs, für Unsinn. Die von Sarrazinin geschmähten türkischen Kleingewerbetreibenden sind für mich die wahren Helden der Integragation. (Das ist ernst gemeint., vgl. Doug Saunders, Arrival City).
    Persönlich meine ich zu Solingen und Bonn. Ist doch für beide Seiten optimal gelaufen. Die ProIrgendwas-Leute haben den Beweiss für ihre These, das Muselmanen ganz furchtbare Menschen sind. Die Salafisten können sich jetzt auch so richtig aufbläen. Anders hätte es laufen können, wenn die Muslime (abgeblich doch in allen Spielarten so wahnsinnig friedlichl) gesagt hätten, lasst doch die paar Hansel auf der anderen Straßenseite machen.
    Fällt mir jetzt gerade auf:
    Warum haben Sie eigentlich nicht geschrieben, dass die meisten Verletzten aus der Reihe der Deutschen Polizei stammen, die sich beherzt dazwischen geworfen haben und bei dem Zahlenverhältnis doch schlommeres verhütet hat?
    Im übrigen wollen doch ihre religiösen Geschwister doch nur dasselbe, was auch sie Frau Nur wollen, eine islamische Gesellschaft. I

    Ich wohne ja selber in Frankfurt-Höchst und arbeite dort auch als Lehrer. So ein richtiger Burner war die ganze Sache dort nicht.

  4. hannibalnur schreibt:

    Grüß Gott Herr conring,

    vielen Dank für Ihre Erklärung und Ihren Artikel.

    Interessant ist, dass Sie es aber immer wieder versuchen mir aufdrücken zu wollen, dass ich maßgeblich eine islamische Gesellschaft haben wollen würde. Tut mir leid, aber da muss ich Sie weiterhin enttäuschen, dass ich Ihnen diesen Gefallen nicht tun kann, von daher können Sie mich gar in den gleichen Ordner wie die, ich muss es jetzt mal grob sagen, austickenden Geschwister, die keinerlei Ahnung haben, was sie mit ihren Aktionen eigentlich anrichten. Und ganz ehrlich möchte ich das auch nicht, denn ich bin keine von denen, die solche unislamischen Aktionen befürwortet oder unterstützt. Da müssen Sie sich schon Salafi-orientierte Muslime suchen, die diese Aktionen unterstützen. Bei wären Sie dann doch falsch gelegen, da ich, ich wiederhole mich gerne) eine islamische Gesellschaft, wie diese Salafi-Geschwister sie haben oder gar einführen wollen, nicht (!!!) haben möchte, da sie sich mit meinen islamischen Vorstellungen nicht (!!!) deckt.

    Warum ich das mit den verletzten Polizisten nicht geschrieben habe? Vielleicht, weil ich nicht zu allem etwas sagen kann und ich auch keine Journalistin bin, sondern dies privat schreibe. Da kann ich mir nicht alle Punkte merken. Ich kann mich den Worten von Nurhan Soykan nur anschließen:

    „Wir verurteilen die Gewaltanwendung bei den Demonstrationen in aller Form und distanzieren uns ausdrücklich von gewaltbereiten Muslimen, die zur Selbstjustiz anstacheln und die Polizei angreifen.An dieser Stelle wünschen wir den verletzen Polizisten gute Besserung und schnelle Genesung. “

    MfG

    Hannibal-Nur 🙂

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