Probleme des Koranprojekts

Hallo und Salam Alaikum,

hier sind ein paar weiterführende Links zum derzeitigen aufsehenerregenden Koran-Projekt:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article106170290/Wut-ueber-Korane-in-deutschen-Fussgaengerzonen.html

http://www.abendblatt.de/politik/article2244686/FDP-gegen-Verbot-von-kostenloser-Koran-Verteilung.html

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106173457/Gegen-die-Angst-vorm-Islam-hilft-nur-Koran-lesen.html

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100~_id-video1096880.html

Warnung vor dem „Koranprojekt“ bzw. den Leuten dahinter:

Mit wem wir es hier zu tun haben:

Ibrahim Abou-Nagie – verherrlichte die Videos aus Afghanistan von der IBU, taliban und Al-Qaida, momentan Anklage wegen Volksverhetzung.

Robert Baum – in England inhaftiert gewesen wegen Mitnahme dschihadistischer Propaganda.

Deso Dogg / Abu Talha Al-Almani / Denis Mamadou Cuspert – verherrlicht in seinen Songs Bin Laden, Taliban und das Ermorden von Nichtmuslimen.

Abu Usama Al-Gharib / Mohammad Mahmoud – betrieb ein dschihadistisches Internetportal, dafür 4 Jahre Haft in Österreich wegen Unterstützung von Al-Qaida, radikalisiert momentan die deutsche muslimische Jugendszene, bezeichnet Bin Laden als Sheikh und steht voll hinter Abu Muhammad Al-Maqdisi.

Ich kenne diese Info-Stände, an denen nicht nur der Koran kostenlos verteilt wird. Einladen zum Islam ist für mich etwas anderes, aber nicht in Gestalt dieser Infostände. Als nicht-bekopftuchte Muslima habe ich dort kein Verständnis erhalten, sondern wurde noch dazu ermahnt den „richtigen“ Weg zu finden. Mit diesen Menschen ist leider nicht zu diskutieren. Noch trauriger ist es, dass man an diesen Infoständen kaum bis eigentlich gar nicht Frauen sieht. Sehr einladend wirkt das für mich als Frau nicht. Und verharmlosen sollte man diese Infostände auch nicht. Vielleicht bin ich einfach zu geschädigt, und habe mir deshalb eine Ablehnung gegen solche öffentlichen Verhaltensmuster entwickelt. Dawah sieht für mich eben anders aus…und das fängt beim eigenen Verhalten und dem persönlichen, und nicht abgrenzenden, Einbringen in die Gesamtgesellschaft an.

Ein weiteres Problem ist, dass auch wenn die Idee des Koran-Projektes im ersten Gedankenzug eine gute Idee darstellt, so sind die Einstellungen und Auslegungen des Korans derer, die ihn kostenlos verteilen, meiner Meinung nach teilweise wirklich zu beanstanden, da diese auf der einen Seite nur wortwörtlich, aber auch der anderen Seite ausschließlich auf die Gruppierung beziehend, ausgelegt werden. Der Koran ist jedoch eine Heilige Schrift, die zum Interpretieren – im Guten und Positiven natürlich – einlädt bzw. einladen soll, jedoch kann dies nur geschehen, wenn der individuellen Person auch diese Interpretationsfreiheit gelassen wird. Der Konflikt ist somit schon geboren, da schon vorgefertigte Meinungen, Einstellungen und Interpretationen hinter diesem Projekt bzw. den Menschen, die hinter dem Projekt zu finden sind, stehen.

Was also hier machen?

LG und Salam Alaikum

Hannibal Nur 🙂

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7 Gedanken zu “Probleme des Koranprojekts

  1. MuslimaAnonyma schreibt:

    „Dawah sieht für mich eben anders aus…und das fängt beim eigenen Verhalten und dem persönlichen, und nicht abgrenzenden, Einbringen in die Gesamtgesellschaft an.“
    Das unterschreibe ich so blind! Leider kommt oft Dawah, oder auch (richtig ruppige) Ermahnung, von Menschen die nicht über den Tellerand gucken (wollen), dies aber von den nicht Muslimen (oder auch liberalen Muslimen) verlangen, indem sie offen für das Projekt sind oder eben die Ermahnung. Empathie ist fehl am Platze, es geht nur um blanke zahlen! Je schneller du konvertierst (egal ob mit wissen oder nicht) desto besser ist es, das empfinde ich nicht so. Ebenso was den Hijab angeht. Es kommt irg.wann die Zeit wo man sich entscheidet, aber dafür muss man nicht ermahnt oder genötigt werden, nur damit die zahlen stimmen.

    Ich finde toll was du machst und les den Blog gern 🙂

    • hannibalnur schreibt:

      Salam liebe MuslimaAnonyma,

      vielen herzlichen Dank für Deine netten Worte. Es freut mich, wenn der Blog gerne gelesen wird (auch wenn ich nicht so regelmäßig poste 😉 ).

      Die Nasihas von traditionelleren Geschwistern kenne ich zur Genüge und meine Einstellungen und Auslegungen werden von ihnen nicht gerne gesehen und genügend kritisiert. Ich habe nichts gegen das Koran-Projekt an sich, allerdings habe ich Probleme mit dem, was und wer dahinter steckt. Man (bzw. hier ich) kann dieses Projekt nicht als neutrales Werk verstehen. Ich glaube, dass eine gewisse Ideologie dahinter steckt, und genau die kann ich nicht akzeptieren. Mich erinnern zudem diese Infostände zu sehr an die Missionierung, die christlich betrieben wird. Im Islam soll man einladen. Darunter verstehe ich etwas anderes als Missionierung.

      LG und Salam Alaikum

      Hannibal-Nur 🙂

  2. sugar schreibt:

    Salam.
    Ich finde diese Aktion schlimm, nicht wegen der Korane, sondern weil diese Leute sich als Avantgarde der Muslime hinstellen können. Wahhabiten sind eine Sekte mit ins Absurde gehender wortwörtlicher Koran- und Hadithauslegung und einer feindseligen Spaltung der Menschen in zwei „Gattungen“, kann man fast sagen. Man braucht nicht viel Fantasie, um deren Hetzpredigten im Internet mit waschechtem nationalsozialistischem Gedankengut zu vergleichen. Sehr gefährliche Entwicklung, wofür wir Muslime Verantwortung tragen, das zu verhindern.

    Generell ist Dawa nicht dazu da, die Menschen zu spalten und zu verletzen. Ich bin eine liberale Muslima in dem Sinne, dass ich vom Islam geistlich überzeugt bin, aber andere Überzeugungen nicht verächtlich mache.

  3. conring schreibt:

    Grüß Gott liebe Hannibal Nur,
    die ganze Aufregung um diese Aktion erschließt sich mir nicht. Herr Abou-Nagie und seine Freunde verteilen irgendein Buch kostenlos. Ist doch schön. Man bekommt doch in deutschen Fußgängerzonen, gerade Samstags, immerwieder irgendwelche Papere in die Hand gedrückt und wirft diese dann in die Mülltonne.
    Schön wäre doch mal von Ihnen oder auch von anderen hiesigen Muslimen eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der salafistischen Ideenwelt zu lesen. Jenseit von die Leute schaden halt dem Ansehen des Islams und sind ja doch nur eine Minderheit.
    Und den Wahabitismus jetzt weltweit als „Sekte“ abzutun wie es „sugar“ tut ist doch etwas pauschal. Vorallem hat die „Sekte“ doch durchaus Anhänger in der muslimischen Welt.

  4. hannibalnur schreibt:

    @conring,

    ich grüße Sie auch :). Die Aufregung ist natürlich auch meiner Meinung nach aus dem Ruder gelaufen. Aber auch nur, weil sich eben nicht nur eine Diskussion seitens der Politik aufgetan hat, sondern auch, weil sich im innerislamischen Diskurs eine hitzige Debatte losgelöst hat, die definitiv ein wenig anstrengend ist, da sie m.E.aus dem Ruder läuft.

    Einige Muslime versuchen nun auch in dieser Debatte sich damit auch intellektuell auseinanderzusetzen – akademische, liberale und politisch engagierte Muslime sind in den Medien, Foren, Radiosendungen und im Fernsehen zu sehen, wie sie Stellungnahmen dazu geben und sich dabei fühlen. Leider sind es bisher zu wenige, aber leider kann man die Menschheit auch nicht von heute auf morgen dazu bewegen sich zu verändern. Viele haben auch „Angst“ sich den salafistischen Muslimen auszusetzen, wenn sie glauben, dass sie nicht in der Lage sind mit ihnen auf intellektuellem Niveau zu argumentieren. Meiner Meinung nach ist aber das Schema und der Grundsatz des Salafismus als einfach zu verstehen einzuschätzen. Allerdings sollte man den Gruppenzusammenhalt nicht unterschätzen, da es bei ihnen heisst „gemeinsam sind wir stark“ und Kritik (was ihnen von vorneherein klar war) schweißt sie nur noch mehr zusammen. Und als Gruppe tritt man selbstverständlich sicherer auf, als wenn man als Einzelner etwas in die Welt hinausposaunt. Da geht man meist unter, wenn man niemanden hinter sich stehen hat.

    Ich muss aber sugar Recht geben, dass es eine Sekte bzw. zumindest eine puritanische Richtung des Islams ist, die auf die Grundwerte der Salaf zurückzuführen sind. Der Salafismus entspringt dem Wahhabismus, und kann trotz der Anhängerzahl, die im Vergleich zu der Anzahl an Muslimen allgemein sehr gering ist, als Sekte definiert werden. Es ist kein Abtun, sondern einfach Fakt. Das müssen auch die Anhänger wissen. Die Salafis selbst sehen ja nun auch fast alle anderen Gruppierungen im Islam auch als Sekten an. Man bedenke nur, wie sie sich zur Shia, zu den Ahmadiyyah oder zu den Sufis äußern.

    Hier eine Stellungnahme des Liberal-Islamischen Bundes e.V. zum Thema Koran-Verteilung:

    http://lib-ev.de/pdf/Stellungnahme_LIB_Nicht_der_Koran_ist_das_Problem.pdf

    MfG (und Salam an sugar)

    Hannibal-Nur 🙂

  5. conring schreibt:

    Grüß Gott Frau Nur
    aber die Salafisten als Sekte abzutun ist doch etwas weit hergeholt. Beri den (GOtt seit Dank) freien Wahlen in Ägyten hat doch die „Sekte“ um die dreißig Prozent der Wähler und Wählerinnen für sich gewonnen. Und Sie wollen doch nicht die Wächter und Bewohner der heiligen Stätten des Islams als Anhänger einer islamischen „Sekte“ bezeichnen? Der Wahabitismus ist da in der Gegend allgemeiner Konsenz. Hieseige Muslime schwäörmen doch auch gerne von ihren Aufenthalten in dortigen Gefilden (Ungläubige gottseidank verboten).

  6. hannibalnur schreibt:

    Grüß Gott Herr conring,
    weit hergeholt ist es nicht, aber wir können uns auch darauf einigen, dass die Salafis eine religiös-politisch motivierte Gruppierung im Islam ist, welche ihre puristischen Auslegungen des Korans unters (in ihren Augen ungläubige) Volk bringen möchte. Ich würde wahrscheinlich noch viel weiter gehen, als dass ich die Salafis nur so bezeichnen würde wie ich es bisher noch fast milde getan habe. Ja, der Wahhabismus ist in KSA allgemeiner Konsens, dass bedeutet aber nicht, dass ich es gut heiße. Ich vergleiche allerdings nicht die dort gängige islamische Praxis mit den Heiligen Stätten des Islams. Da differenziere ich, denn an diesen Orten darf bzw. soll es keine Unterschiede unter Muslimen geben. Was außerhalb der Mauern oder Grenzen von Mekka oder Medina ist, kann mir relativ egal sein, aber innerhalb möchte ich keine Unterschiede haben, sollte ich eines Tages dorthin reisen. Aber wahrscheinlich, und da werde ich Ihnen wohl schon die Gedanken aus dem Kopf nehmen, ist das zuviel verlangt. Aber nun ja, der Wunsch ist ja nun bekanntlich Vater des Gedanken. 🙂

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